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StartseiteUmwelt und Verbraucher20 Jahre Montreal-Protokoll18.09.2007

20 Jahre Montreal-Protokoll

Klimawandel und seine Folgen für die Ozonschicht

Das sogenannte Montrealer Protokoll zum Schutz der Ozonschicht ist in diesem Jahr 20 Jahre alt. Die Universität Bremen hat das historische Datum zum Anlass genommen, zu einer internationalen Tagung zum Thema "Klimawandel und die Folgen für die Ozonschicht" einzuladen.

Von Christina Selzer

Im Jahr 2001 war das Ozonloch auf der Südhalbkugel um ein Mehrfaches größer als die Antarktis. (NOAA)
Im Jahr 2001 war das Ozonloch auf der Südhalbkugel um ein Mehrfaches größer als die Antarktis. (NOAA)
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Dass es vor 20 Jahren überhaupt zum Abkommen von Montreal kommen konnte, führen viele auf den Schock zurück, den die Entdeckung des Ozonlochs ausgelöst hatte. Politisches Handeln war angesagt und heute, 20 Jahre später, sind die Auswirkungen schon messbar. Umweltphysiker kommen zu dem Ergebnis, dass die atmosphärischen Konzentrationen einiger Substanzen seit Mitte der 90er Jahre in der unteren Atmosphäre abnehmen. Umweltexperten sehen darin durchaus einen Erfolg, auch wenn dieser Prozess sehr langsam vonstatten geht, wie Dr. Björn-Martin Sinnhuber, Umweltphysiker an der Universität Bremen, klarstellt:

"Selbst wenn man die Missionen auf Null setzte, dauert es viele Jahre, bis sie heraustransportiert sind. Was uns beunruhigt, ist nicht so sehr, dass die Abnahme verzögert werden könnte . Wir wissen, dass es bis Mitte des Jahrhunderts dauert."

Beunruhigend für die Forscher ist, dass sie jetzt zusätzlich mit einem relativ neuen Phänomen konfrontiert sind, mit der Veränderung des Klimas, und dass noch niemand weiß, wie sich die Zunahme von CO2 auf die Ozonschicht auswirkt. Denn dafür fehlen noch die genauen Daten, erläutet Björn-Martin Sinnhuber:

"Man will die Rolle besser verstehen können. Man versucht die Prozesse besser zu verstehen. Messungen im Labor, molekülphysikalische Größen anzuschauen, globale Messung von Satelliten."

Eines steht für die Umweltphysiker allerdings fest, dass es ein Wechselspiel geben wird zwischen Klimawandel und Ozonschicht. Die Zunahme von Treibhausgasen führt zu einer globalen Erwärmung am Erdboden und bewirkt in den Höhen der Ozonschicht eine Abkühlung mit entsprechenden Auswirkungen auf die Ozonchemie. Modellrechnungen zeigen, dass sich durch die Klimaänderungen auch die Zirkulation in der Atmosphäre verändern kann. Professor John Burrows von der Universität Bremen:

"Wir verstehen nicht, wie die Dynamik reagieren wird. Das stratosphärische Ozon bleibt ein wichtiger Teil unseres Klimasystems. Es schützt die Erdoberfläche, es bildet die Stratosphäre. Es absorbiert im UV, und die thermische Infrarotstrahlung, wenn das sich ändert, wir wissen nicht, was die Konsequenzen sind."

Ein globales Thema, betont John Burrows, und kein lokales, das sich auch lokal lösen lasse, so wie es etwa beim Problem mit dem Smog in den Städten der Fall sei. Hier sieht er die westlichen Industrieländer in der Pflicht: Denn sie seien für das Ozonloch verantwortlich und müssten sich deshalb auch für die Erforschung der Konsequenzen einsetzen:

"Das Problem war nicht in den Entwicklungsländern, sondern in Europa und USA. Wir haben das produziert, das war ein super Stoff, nicht giftig, nur für die Stratosphäre, leider."

Das Montrealer Protokoll hat FCKW verboten. Heute finden sich zwar noch Fluor-Chlor-Kohlen-Wasserstoffe zum Beispiel in Schaumstoffmatratzen und alten Kühlschränken. Doch die schädliche Substanz konnte durch andere Stoffe und technische Möglichkeiten ersetzt werden. Umweltexperten warnen daher davor, ähnliche Erfolge vom Kyoto-Protokoll zu erwarten. Das CO2-Problem sei wesentlich komplexer. Eine technische Lösung gebe es nicht.

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