
Alle Eier waren aus Nestern gesammelt und künstlich ausgebrütet worden, wie der Naturschutzbund Deutschland - Nabu - mitteilte. Denn Schreiadler legen den Angaben zufolge in der Regel zwei Eier, ziehen jedoch nur eines der Küken auf. Die erstgeborenen Küken töten ihre jüngeren Geschwister. Die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe entnimmt daher aus polnischen und deutschen Nestern die Zweiteier und lässt die Küken per Hand aufziehen. Für das Überleben der Schreiadler zähle jedes einzelne Küken, sagte Nabu-Adlerexperte Ludwig Klein der Deutschen Presse-Agentur.
Pfleger tragen Adlermaske und Umhang
Diese Aufzucht ist überaus aufwendig: Mehrmals täglich werden die Küken von Pflegern etwa mit Mäusefleisch gefüttert und gewogen. Um die Küken nicht an Menschen zu gewöhnen, tragen sie dabei Adlermaske und Umhang, teilte der Nabu mit. Ende Juli ziehen die Jungvögel dann in die Auswilderungsstation, wo sie tagsüber frei fliegen können, aber noch gefüttert werden. Nachts geht es zu ihrem Schutz etwa vor Waschbären in eine Voliere. Zum Vogelzug im September werden die Jungvögel in die Freiheit entlassen. Schreiadler ziehen laut Nabu bis zu 10.000 Kilometer weit, um den Winter im Süden Afrikas zu verbringen.
Mangel an geeigneten Lebensräumen
Der Schreiadler - auch Pommernadler genannt - ist mit einer Flügelspannweite von 143 bis 168 Zentimetern die kleinste heimische Adlerart. Seinen Namen verdankt der Schreiadler seinem markanten Balzruf. Den Vögeln mangelt es hierzulande an geeigneten Lebensräumen. Der Nahrungsraum der Tiere, nämlich Wiesen und Weiden, schwinde. Die Nabu-Stiftung wertet daher in Schutzgebieten Brut- und Nahrungsflächen auf, indem sie Grünland wiedervernässt.
Diese Nachricht wurde am 29.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
