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StartseiteCorsoDie Band war ein Betriebsunfall28.02.2020

2raumwohnungDie Band war ein Betriebsunfall

Sie sind das Elektropop-Aushängeschild in Deutschland: 2raumwohnung, das Berliner Duo Inga Humpe und Tommi Eckart. Jetzt feiern Sie mit ihrem neuen Album „20 Jahre 2raumwohnung“. Warum ein Lied nicht zu schön sein darf, erzählen sie im Deutschlandfunk.

Inga Humpe und Tommi Eckart im Corsogespräch mit Achim Hahn

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Tommi Eckart hinter Inga Humpe (backtomusic /dpa)
2raumwohnung, bestehend aus Inga Humpe und Tommi Eckart, trafen sich in einem Garten und damit den Musikgeschmack der frühen Nuller Jahre (backtomusic /dpa)
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"Ich bin selbst erstaunt, dass ich mich mal in so einem zufriedenen Zustand befinde, weil das ist eigentlich nicht so mein Grundgemüt," erzählt Inga Humpe im Corsogespräch und Tommi Eckart, die zweite Hälfte des Berliner Elektronik-Duos 2raumwohnung, erinnert sich daran, dass am Anfang der Band ein Betriebsunfall stand. Der Song "Wir trafen uns in einem Garten", einer der ersten Hits, war nämlich als Werbesong ursprünglich in der Versenkung verschwunden, "und plötzlich fing ein Berliner Radio an, den Song rauf und runter zu spielen."

"Es war ein gewisser Hype"

Anfangs wußte niemand, wer hinter 2raumwohnung steckte. "Dann entwickelt sich so ein Hype," erinnert sich Tommi Eckart. Basierend auf der Clubkultur hätten sie ihren Sound gefunden. "Da hat irgendetwas angefangen zu glühen," so Inga Humpe. Ihre Songphilosophie: Ein Lied dürfe nicht zu schön sein. Es müsse immer Störgeräusche oder Störwörter enthalten, "damit es nicht so ganz dudelig wird, in ein komisches Liebeslied-Pathos absinkt. Es muss etwas haben, was den Boden berührt und gleichzeitig in den Himmel geht."

Wir haben noch länger mit Inga Humpe und Tommi Eckart gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs 

"Wir haben eine Verbindung zwischen Pop und Club gesucht," ergänzt Tommi Eckart. In der Produktion wären sie stets unabhängig geblieben. Das Jubiläumsalbum "20 Jahre 2raumwohnung" enthalte nicht nur Hits, sondern auch Songs, "die ins Blaue gehen, ins Nirgendwo, und die haben etwas komplett Unbeabsichtigtes. Wir waren auch immer darauf bedacht", erläutert Inga Humpe, "dass die Songs so etwas wie eine Nachhaltigkeit besitzen, dass es um Lebensgefühle geht, die man immer wieder haben kann, ob als 16-Jährige oder als 86-Jähriger."

Auch wenn viele 2raumwohnung-Songs einen entspannte Optimismus verströmen, hätten sie zum Beispiel im allerletzten Stück "Hier sind wir alle" auch über die gesellschaftliche Veränderung einer immer weiter nach rechts driftenden und zunehmend gewalttätigen Gesellschaft nachgedacht. "Das ist auch ein Appell an Leute, nicht diesen Weg zu gehen", ein Weg, der, wie Tommi Eckart findet, "sich vergrößernden Egos und der Abgrenzung nach außen und der Aggression, sich andere Leute vom Hals zu halten", einer, "der letztlich in die Einsamkeit führt." In Abgrenzung dazu glaubt er fest daran, "dass eine funktionierende Gemeinschaft eigentlich das größte Gut ist, was man erreichen kann, und wo man auch die größte Freude haben kann."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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