Man hätte sich bei dem Jubiläum auf einige Stätten konzentrieren müssen, die symbolisch für die Stadtgründung sind. Das ist zu allererst die Peter- und Pauls-Festung, denn hier hat die Stadt ihren Ausgangspunkt genommen. Schließlich diente sie beim fast 20jährigen Krieg gegen den Schwedenkönig Karl den 12. als wichtige Verteidigungsbastion. Das war die ursprüngliche Bestimmung der Stadt. Doch daran erinnerten sich unsere Festplaner erst im letzten Moment, man begann in größter Eile, schnell noch die Fassade der Festung anzustreichen. Von Restaurierung kann keine Rede sein. Man baute die Gerüste wieder ab, damit zum Fest alles ordentlich aussieht und danach stellt man sie wieder auf und macht weiter. Unter den Petersburgern kursiert ein Spruch, der den Stand der Rekonstruktionsarbeiten am besten beschreibt: "Früher haben wir immer gesagt: Bis zum Jubiläum muss alles fertig sein. Heute sagen wir: Die Hauptsache ist, dass wir begonnen haben." Alexander Margolis, der Historiker, der auch die Internationale Gesellschaft zur Rettung Petersburgs leitet, empfindet das Stadtjubiläum als ein echtes Geschenk. Immerhin wurden rund 400 Millionen Dollar für die Instandsetzung der historischen Gebäude ausgegeben. Dass bis zum Fest nicht alles fertig ist, verzeiht der massige 60jährige gelassen.
1990 setzte die Unesco das historische Stadtzentrum von Sankt Petersburg auf die Liste des Weltkulturerbes. Kurz danach wurde ein föderales Rekonstruktionsprogramm entwickelt, das insgesamt 3000 Gebäude umfasst. Doch hier leben ja gleichzeitig Menschen und die Häuser, die vor ein-, zwei-, dreihundert Jahren gebaut wurden, sind niemals renoviert worden. Sie sind praktisch Ruinen. Billiger wäre es, sie abzureißen. Zu Sowjetzeiten hat man sie zum allergrößten Teil einfach sich selbst überlassen. Wir können nicht in zehn Jahren richten, was mehrere Jahrhunderte verschlampt wurde. 1998 brach dann durch die Rubelkrise die ganze Finanzierung zusammen. All das muss man bedenken. Doch es stimmt, dass auch unsere Mentalität noch hinzukommt: Dass immer was in der eigenen Tasche verschwindet und dass wir uns erst ewig nicht aufraffen können und dann am Ende rennen. Unzählige Fassaden haben neue Anstriche mit der berüchtigten russischen Wasserfarbe erhalten. Doch manche hat man ein paar Monate zu früh angepinselt, der Regen und die ständige Feuchtigkeit haben sie schon wieder abgewaschen.
Ruslan Linkow, Journalist und Aktivist in verschiedenen Menschenrechtsgruppen, wirft den Verantwortlichen für die Vorbereitungen des Stadtjubiläums Korruption in großem Stil vor. Allein auf Petersburgs Prachtstraße, dem Newskij Prospekt, weist er auf Baulücken, in denen einstmals unter Denkmalschutz stehende Häuser standen, die einfach abgerissen wurden, um Platz für Neues zu schaffen. Er berichtet von verschwundenen Summen und krummen Geschäften mit den Baugerüsten. Weil die Bauplanen ideale Werbeflächen sind, hat die Stadt keine Eile mit der Sanierung der Fassaden, was den Eindruck der Petersburger bestätigt, das die Stadt mit dem Renovieren nicht fertig wird.
Dieses Baugerüst hier am Anfang des Newskij befindet sich mindestens schon 6 Jahren dort. Jetzt mit einer Kaffeereklame, mal wird für irgendetwas anderes geworben. Die Stadt bezahlt zwar die Rekonstruktion, doch die Einnahmen für die Reklame gehen nicht in die Haushaltskasse, sondern verschwinden in privaten Kanälen. Kontrolliert von einem Komitee für Reklame, das die Frau des Gouverneurs leitet. Die Stadt ist zwar zugehängt mit Reklamefolien an den Baugerüsten, aber sie nimmt damit nicht einen einzigen Rubel ein.
Zum Stadtjubiläum flieht jeder, der kann. Alle fürchten die Behinderungen und Einschränkungen, die der EU-Russland-Gipfel, der gleichzeitig mit dem G-8-Treffen abgehalten wird, für die Anwohner mit sich bringen.
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1246.html
1990 setzte die Unesco das historische Stadtzentrum von Sankt Petersburg auf die Liste des Weltkulturerbes. Kurz danach wurde ein föderales Rekonstruktionsprogramm entwickelt, das insgesamt 3000 Gebäude umfasst. Doch hier leben ja gleichzeitig Menschen und die Häuser, die vor ein-, zwei-, dreihundert Jahren gebaut wurden, sind niemals renoviert worden. Sie sind praktisch Ruinen. Billiger wäre es, sie abzureißen. Zu Sowjetzeiten hat man sie zum allergrößten Teil einfach sich selbst überlassen. Wir können nicht in zehn Jahren richten, was mehrere Jahrhunderte verschlampt wurde. 1998 brach dann durch die Rubelkrise die ganze Finanzierung zusammen. All das muss man bedenken. Doch es stimmt, dass auch unsere Mentalität noch hinzukommt: Dass immer was in der eigenen Tasche verschwindet und dass wir uns erst ewig nicht aufraffen können und dann am Ende rennen. Unzählige Fassaden haben neue Anstriche mit der berüchtigten russischen Wasserfarbe erhalten. Doch manche hat man ein paar Monate zu früh angepinselt, der Regen und die ständige Feuchtigkeit haben sie schon wieder abgewaschen.
Ruslan Linkow, Journalist und Aktivist in verschiedenen Menschenrechtsgruppen, wirft den Verantwortlichen für die Vorbereitungen des Stadtjubiläums Korruption in großem Stil vor. Allein auf Petersburgs Prachtstraße, dem Newskij Prospekt, weist er auf Baulücken, in denen einstmals unter Denkmalschutz stehende Häuser standen, die einfach abgerissen wurden, um Platz für Neues zu schaffen. Er berichtet von verschwundenen Summen und krummen Geschäften mit den Baugerüsten. Weil die Bauplanen ideale Werbeflächen sind, hat die Stadt keine Eile mit der Sanierung der Fassaden, was den Eindruck der Petersburger bestätigt, das die Stadt mit dem Renovieren nicht fertig wird.
Dieses Baugerüst hier am Anfang des Newskij befindet sich mindestens schon 6 Jahren dort. Jetzt mit einer Kaffeereklame, mal wird für irgendetwas anderes geworben. Die Stadt bezahlt zwar die Rekonstruktion, doch die Einnahmen für die Reklame gehen nicht in die Haushaltskasse, sondern verschwinden in privaten Kanälen. Kontrolliert von einem Komitee für Reklame, das die Frau des Gouverneurs leitet. Die Stadt ist zwar zugehängt mit Reklamefolien an den Baugerüsten, aber sie nimmt damit nicht einen einzigen Rubel ein.
Zum Stadtjubiläum flieht jeder, der kann. Alle fürchten die Behinderungen und Einschränkungen, die der EU-Russland-Gipfel, der gleichzeitig mit dem G-8-Treffen abgehalten wird, für die Anwohner mit sich bringen.
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