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StartseiteSport am Wochenende36 Stunden in der Südsee28.03.2011

36 Stunden in der Südsee

Die Münchener Olympia-Bewerbung geht als Außenseiter mit Siegchancen in die letzten 100 Tage

Am 6. Juli vergibt das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Durban die Olympischen Winterspiele 2018. Genau 100 Tage sind es bis dahin. Am Wochenende traten die drei Bewerber München, Pyeongchang und Annecy bei der Vollversammlung der ozeanischen Olympiakomitees in Neukaledonien auf.

Von Jens Weinreich

Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (AP Archiv)
Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (AP Archiv)

Die Bewerber haben sich nicht um die Reise in die Südsee gerissen, doch das IOC hat den Termin vorgegeben. Wer anderen Kontinenten selbstverständlich seine Aufwartung macht, muss auch Ozeanien besuchen, koste es was es wolle - es geht um wichtige Stimmen. Von den fünf ozeanischen IOC-Mitgliedern waren nur vier anwesend - Robin Mitchell von den Fidschi-Inseln, die Australier Kevan Gosper und Phil Coles und Barry Maister aus Neuseeland, der auch der IOC-Evaluierungskommission angehört, die Anfang Mai ihren Prüfbericht vorlegen wird.

30 Stunden Hinflug, 36 Stunden in der Südsee, 30 Stunden Rückflug - so sah etwa das Programm von IOC-Vizepräsident Thomas Bach aus, der sich wie Katarina Witt und Bewerbungschef Bernhard Schwank in Neukaledonien für München 2018 engagierte. 100 Tage vor der Entscheidung auf der IOC-Session in Durban bleibt es dabei: München ist international gut aufgestellt und bestens vernetzt. Seit Jahrzehnten hat sich kein deutscher Bewerber derart professionell präsentiert. Die Geschichte vom "Festival der Freundschaft", von der größten Party des Planeten, wird in den kommenden Wochen immer und immer wieder vorgetragen, so wie Katarina Witt es in Noumea tat:

"We have a great story to tell you about the Festival of Friendship planned by athletes for athletes. A great universal celebration of sport in a city that hosts some of the best parties of the planet ... ."

DOSB-Boss Thomas Bach wusste, wie fast immer, seine eigene olympische Geschichte mit denen der Gastgeber zu verbinden. Der Link nach Ozeanien lautete: Auf dem Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden wurde Bach in die neu gegründete Athletenkommission berufen und hielt seine erste große Rede - in Baden-Baden wurde auch das ozeanische Olympiakomitee ONOC gegründet.

Nun geht es also auf die Zielgerade des Bewerbungsmarathons: Am Wochenende macht man schon wieder in London Station, beim Branchengipfel Sportaccord, wo Katarina Witt erstmals auf Südkoreas Eisprinzessin und Olympiasiegerin Kim Yu-Na treffen wird, die für den südkoreanischen Olympia-Favoriten Pyeongchang in die Bütt geht. Mitte Mai dann der wohl wichtigste Termin vor Durban: In Lausanne präsentieren sich die drei Bewerber zusätzlich dem kompletten IOC, dann liegt auch der Bericht der Evaluierungskommission vor.

Die erstklassigen internationalen Vorstellungen der Münchner korrespondieren nicht mit den Problemen in der Heimat, von denen viele hausgemacht sind, wie etwa die Grundstücksfrage. In Garmisch-Partenkirchen sind Stimmen für zwei Bürgerentscheide gesammelt - für und gegen die Winterspiele -, das Thema könnte noch in Durban aktuell sein. Unabhängig davon aber sagt das sportpolitische Orakel: München bleibt gegen Pyeongchang Außenseiter - mit minimalen Chancen auf eine Überraschung.

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