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StartseiteCampus & KarriereHightech im tiefsten Bayern27.02.2019

3D-Drucker in LichtenfelsHightech im tiefsten Bayern

700 Mitarbeiter sollen im 3D-Campus demnächst beschäftigt werden: ein globales Forschungs- und Produktionszentrum für Laserdrucker. Der Arbeitgeber ist Marktführer und könnte gerade für Absolventen interessant sein. Das Unternehmen sitzt allerdings mitten auf dem bayerischen Land.

Von Michael Watzke

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05.06.2018, Thüringen, Erfurt: Ein Objekt aus dem 3D-Drucker, das einem Fernsehturm ähnlich sieht, steht auf der 15. Messe Rapid.Tech + FabCon 3.D. Die Aussteller präsentieren vom 05.06.2018 bis 07.06.2018 die neusten Produkte und Anwendungen in den Bereichen generative Fertigung und 3D-Druck (dpa / Christoph Soeder)
Auf der 15. Messe Rapid.Tech + FabCon 3.D am 5.6.2018: Objekt aus dem 3D-Drucker (dpa / Christoph Soeder)
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Wenn Frank Herzog aus Lichtenfels eines stört, dann der Begriff "Provinz". Oder zumindest der abfällige Unterton, der in "Provinz" oft mitschwingt:

"Ich find’s ein bisschen schade. Weil man die Provinz unterschätzt. Da gibt’s genauso fähige Leute. Wer in der sogenannten Provinz nach vorne kommt, der muss schon auch kreativ sein."

Kreativ wie Frank Herzog, der Gründer von "Concept Laser", einem Hersteller von 3D-Druck-Maschinen. Herzog hat das Unternehmen im Jahr 2000 gegründet. In Lichtenfels:

"Mit dem Ziel, eine industrietaugliche Maschine zu entwickeln für den 3D-Druck nach dem Laser-Schmelzverfahren."

105 Millionen Euro für den 3D-Campus investieren

Heute ist Concept Laser in dieser High-Tech-Sparte Marktführer. Und baut gerade auf der grünen Wiese den "3D-Campus" – ein globales Forschungs- und Produktionszentrum für dreidimensionale Druckverfahren. Hier – auf einer Fläche von drei Fußballfeldern – sollen demnächst 700 Mitarbeiter 3D-Drucker entwickeln und herstellen:

"Das, was wir hier gemeinsam vorhaben, diese 105-Millionen-Euro-Investition, das ist eine extrem moderne, in die Zukunft gerichtete Infrastruktur. Dort können sich Kreativköpfe treffen und Gedanken und Ideen austauschen. Hier sollen tolle, neue Produkte in einer veränderten, digitalen Welt entstehen."

Und das nicht in Boston, Shanghai oder München – sondern in 96215 Lichtenfels, Einwohnerzahl: 20.700. Einer dieser Einwohner ist Florian Bechmann, der Leiter der Entwicklungs-Abteilung bei Concept Laser. Bechmann hat in Bayreuth studiert, dann bei BMW in München gearbeitet. Jetzt ist er froh, wieder daheim zu sein. In der Provinz:

"Ich muss sagen, ich genieße das Leben hier sehr, das gilt auch für meine Frau und die Familie. Kurze Wege, hohe Lebensqualität."

3D-Campus als berufliche Chance für Absolventen

Bechmann ist unverkennbar Frangge. Geboren in der Region Lichtenfels. Akademische Nachwuchs-Sorgen kennt er nicht:

"Im Umkreis von einer Stunde haben wir eine sehr gute Hochschullandschaft. Die Uni Bayreuth, im Süden die Uni Erlangen-Nürnberg, auch das Bayerische Laser-Zentrum dort. Die Hochschule Coburg, auch die Technische Uni Ilmenau in Thüringen. Also in Schlagdistanz eine gute akademische Landschaft."

Und viele der Absolventen dieser Universitäten bleiben gern in der Heimat, wenn sie ein gutes Job-Angebot bekommen. Etwa im 3D-Campus. Einem High-Tech-Cluster abseits der Metropolen.

Ländliche Strukturen können auch Vorteile bieten

Frank Herzog, der Gründer von Concept-Laser, hat Maschinenbau in Bamberg studiert, 30 Kilometer von Lichtenfels entfernt. Er hängt an seiner oberfränkischen Heimat.  Wenn ein 3D-Campus, dann hier:

"Das gibt einfach große Vorteile, auf dem Land zu sein: die Flexibilität der Handwerker. Man kennt die, hat die greifbar. Die wissen um die Wichtigkeit von Projekten. Man kann Dinge wesentlich schneller stemmen – und auch zu besseren Preisen! Für den 3D-Campus und die Pläne, die wir damit haben, war es ein großer Vorteil, hier auf dem Land zu sein."

Und auch die Breitbandversorgung mit schnellem Internet stimmt in der Region. Was allerdings ist, wenn seine Ingenieure, Wissenschaftler und IT-Experten letztlich doch das Stadtleben vermissen? Den Flair von Berlin oder Münchens Hochkultur?

"Ach, wissen Sie, eine 2-Stunden-Autofahrt von Lichtenfels nach München und zurück ist heutzutage doch kein Problem."

Infrastrukturelle Schwäche auf dem Land

Natürlich ist nicht alles rosig auf dem Land. Im Rathaus Lichtenfels kämpfen sie mit vielen typischen Problemen kleiner Gemeinden. Sebastian Müller, der Leiter des Bürgermeisteramtes, nennt ein Beispiel:

"Ärztliche Versorgung! Das ist gerade im ländlichen Raum ein Problem. Auch in Lichtenfels. Da wäre es auch notwendig, dass die bayerische Staatsregierung sagt: ‚Mensch, da unterstützen wir Euch, auch mit Knowhow.‘"

Denn schließlich werden in Lichtenfels bald wohl mehrere Hundert Arbeitnehmer und ihre Familien mehr leben als bisher. Anders als viele Gemeinden in der strukturschwachen Region schrumpft Lichtenfels nicht, sondern wächst. Es sei nun mal so, sagt Frank Herzog:

"Dass hier einfach die klugen Köpfe sitzen. Die Pioniere. Die Experten. Es gibt ja einen Grund, warum die Firma hier entstanden ist."

In Lichtenfels. Wo es keine Verkehrsstaus, keine Wuchermieten und keine Luftverschmutzung gibt. Dafür aber jede Menge Selbstvertrauen.

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