
Er glaube, jeder, der sich hier von Bild zu Bild leiten lasse, werde beeindruckt sein von der außerordentlichen Qualität dieser Sammlung, sagte Steinmeier vor rund 500 Gästen bei einem Festakt in der ostfriesischen Seehafenstadt. Zuvor hatte der Bundespräsident mit seiner Frau Elke Büdenbender, Niedersachsens Ministerpräsident Lies (SPD) und Eske Nannen die Jubiläumsausstellung "Bilder, die wir lieben" besucht.
"Kunst auch außerhalb der Metropolen"
In seiner Festrede erinnerte Steinmeier an die Geschichte Henri Nannens, der einst das Magazin "Stern" gegründet hatte. Zusammen mit seiner Frau habe der Verleger die Idee verfolgt, in seiner ostfriesischen Heimatstadt ein Museum zu eröffnen, um seine Kunstsammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nannen habe in seiner Jugend selber erfahren, wie es sei, wenn man in einer eher ländlich geprägten Region aufwachse, sich nach Kunst sehne und diese Kunst so weit weg sei. Kunst gehört auch in die Regionen außerhalb der Metropolen, das sei Nannens tiefe innere Überzeugung gewesen, führte Steinmeier aus.
Als das Museum am 3. Oktober 1986 öffnete, hielt Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Eröffnungsrede. Das "Haus für Henris Bilder", wie das Projekt der Nannens zunächst hieß, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem der anerkanntesten Kunstmuseen Norddeutschlands. Mehr als 2,5 Millionen Gäste besuchten nach Angaben der Kunsthalle die rund 180 Sonderausstellungen in den vergangenen vier Jahrzehnten.
Blaue Wandfarbe und Sammelbilder
Henri Nannen starb zehn Jahre nach der Kunsthallen-Eröffnung. Eske Nannen führte die Kunsthalle nach seinem Tod weiter: Das Gebäude wurde mehrfach erweitert, die Ausstellungsfläche vergrößert. Die gesamte Bandbreite der Sammlung ist nun in der Jubiläumsausstellung zu sehen. Sie schlägt einen Bogen über 130 Jahre Kunstgeschichte und erzählt von der Entwicklung des Museums und der Sammlung, die inzwischen auf rund 1.700 Werke gewachsen ist.
Zu sehen sind 200 wichtige Werke der Sammlung und Leihgaben, darunter bedeutende Werke der klassischen Moderne etwa von Gabriele Münter, Paula Modersohn-Becker und Max Beckmann – auch Nannens Lieblingsbild "Die Blauen Fohlen" von Franz Marc. Vor blauer Wandfarbe hängen die Bilder, die Nannen persönlich in die Sammlung aufgenommen hatte. Die Farbe hatte der Kunstsammler einst in den USA entdeckt und mit nach Emden genommen. Die Kunsthalle ließ sie zur Jubiläumsschau extra nachmischen.
Diese Nachricht wurde am 27.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
