Vor 40 Jahren wurde Ö1 gegründet - und daraus wurde eine Erfolgsgeschichte. Der ORF gehörte, mit der BBC, zu den ersten Sendern, die ihre Radioprogramme zielgruppenorientiert umformten - Ö1 mit dem Auftrag, das kulturelle Leben widerzuspiegeln und selbst Teil davon zu sein. Heute ist Ö1 das europaweit erfolgreichste Kulturradio - mit etwa neun Prozent Tagesreichweite und 650.000 Zuhörern täglich. Und das für ein Programm mit hohem Wortanteil, mit Klassik, Weltmusik und Jazz, mit Wissenschaft, Religion, politischem Feature und Hörspiel. Ö1 Chef Alfred Treiber nimmt es bescheiden:
"Das sind natürlich in Zahlen nicht so enorme Dinge, weil Österreich ein kleines Land ist und der kleine Markt ist in vielerlei Hinsicht ein Nachteil. Hätten wir diese Reichweiten in einem größeren Land, würde das als sensationell quantitativ auffallen."
Es fällt aber doch auf. Der Grund für diesen Erfolg ist eine interessante Verweigerung, nämlich die Weigerung der Macher, ihr Radio als Nebenbei-Medium zu beschicken. Ö1 will nicht im Hintergrund spielen.
"Unser Wunschziel ist eigentlich, dass unser Zielpublikum, dass intelligente Hörerinnen und Hörer eigentlich den ganzen Tag durchhören können."
Die intelligenten Hörer sollen gar nicht auf die Idee kommen, andere Sender einzuschalten, weil sie auf Ö1 alles bekommen, was sie brauchen. Das Programm ist umfassend und generalistisch, die Themen vielfältig. Ö1 pflegt auch gern die kurze Form. Etwa die Sendung "Betrifft Geschichte" mit dem Versprechen, hier könne man fünf Minuten lang zuhören, wie sich eine Antwort entfaltet. Jeden Wochentag kurz vor 18 Uhr kommt da eine anschaulich erzählte Geschichtslektion ins Haus. Und kurz vor dem Abendjournal sind viele Hörer eben schon aufnahmebereit.
Was übrigens nicht heißen soll, dass Ö1 den Zuhörern keine längeren Programmstrecken zumuten mag.
"Die Philosophie, dass man auch intelligenten Leuten nicht zumuten kann, dass sie länger zuhören sollen, kann ich nicht teilen. Das ist weder durch die Wissenschaft bei uns noch durch die Empirie festzustellen."
Programmforschung spielt eine wichtige Rolle. Programm-Machen aus dem Bauch gibt es nicht mehr:
"Wir sind heute der Meinung, dass das Publikum das Recht hat, das für sie adäquate und gewünschte Programm zu bekommen. Es hat sehr viel Anstrengungen gegeben, was Medienforschung betrifft, was Feinjustierung der Schemata im Lauf der Jahre betrifft, um immer näher dann heranzukommen: Was will unser doch sehr spezielles Publikum hören."
Gern hört dieses Publikum zum Beispiel klassische Musik live, Opern, Konzerte. Diese Übertragungen werden abends gegen die Verlockungen des Fernsehens gesetzt und im Sommer wird Ö1 gleich ganz zum Festspielsender erklärt:
"Die zwei Monate Juli und August werden immer speziell programmiert. Wir wissen in der Musik, was kommt alles, wo sind Festspiele, was wollen wir übertragen und dann passen wir das vorhandene Schema diesen Notwendigkeiten an. Da haben dann die Musiksendungen absoluten Vorrang."
Man wird übrigens in Europa keinen Sender finden, bei dem klassische Musik so liebevoll und kenntnisreich observiert und moderiert wird, bis hin ins Verschrobene. Aber längst hat der Sender sich auch für Weltmusik und Jazz geöffnet.
Ö1 ist aber auch erfolgreich, weil die Macher mit ihrem Programm nicht hinterm Berg halten. Der Ö1-Club zum Beispiel hat inzwischen 50.000 Mitglieder, die für ihren kleinen Beitrag ein opulentes Programmheft bekommen und Konzertkarten billiger kaufen können. Diese Hörer sind das Rückgrat des Senders.
Auch fanden die Macher, dass das Publikum Programm nicht nur gnadenhalber entgegenzunehmen hat, sondern dass Programm auch zu ihnen kommen kann. Ö1 entwickelte öffentliche Veranstaltungsreihen und eine spezifisch österreichische Lösung:
"Nachdem wir sicher waren, dass in der heutigen Zeit es notwendig ist, dass man den Leuten darüber hinaus auch Kulinarisches bietet, sie nicht einfach nur hereinbittet und wieder wegschickt, haben wir auch ein Radiocafé gebaut, in dem auch gleichzeitig ein Studio eingerichtet worden ist und wo kleinere Veranstaltungen stattgefunden haben. Das haben wir Radiokulturhaus genannt und es funktioniert seither zehn Jahre lang."
Zum 40-jährigen Jubiläum hat der umtriebige Programmchef Alfred Treiber ein Buch herausgegeben, voller Fundsachen aus der Programmgeschichte. Darin kann man auch das Foto eines Jungredakteurs von damals finden. Der musste einmal gebremst werden, als er für ein Volksbegehren zur Abschaffung des Bundesheeres gleich die Spendenkontonummer ansagen wollte. Der Revoluzzer hieß: Wolfgang Schüssel. Das Archiv ist die Rache der Journalisten an der Politik - selten passte der Satz des österreichischen Fernsehjournalisten Robert Hochner so genau.
"Das sind natürlich in Zahlen nicht so enorme Dinge, weil Österreich ein kleines Land ist und der kleine Markt ist in vielerlei Hinsicht ein Nachteil. Hätten wir diese Reichweiten in einem größeren Land, würde das als sensationell quantitativ auffallen."
Es fällt aber doch auf. Der Grund für diesen Erfolg ist eine interessante Verweigerung, nämlich die Weigerung der Macher, ihr Radio als Nebenbei-Medium zu beschicken. Ö1 will nicht im Hintergrund spielen.
"Unser Wunschziel ist eigentlich, dass unser Zielpublikum, dass intelligente Hörerinnen und Hörer eigentlich den ganzen Tag durchhören können."
Die intelligenten Hörer sollen gar nicht auf die Idee kommen, andere Sender einzuschalten, weil sie auf Ö1 alles bekommen, was sie brauchen. Das Programm ist umfassend und generalistisch, die Themen vielfältig. Ö1 pflegt auch gern die kurze Form. Etwa die Sendung "Betrifft Geschichte" mit dem Versprechen, hier könne man fünf Minuten lang zuhören, wie sich eine Antwort entfaltet. Jeden Wochentag kurz vor 18 Uhr kommt da eine anschaulich erzählte Geschichtslektion ins Haus. Und kurz vor dem Abendjournal sind viele Hörer eben schon aufnahmebereit.
Was übrigens nicht heißen soll, dass Ö1 den Zuhörern keine längeren Programmstrecken zumuten mag.
"Die Philosophie, dass man auch intelligenten Leuten nicht zumuten kann, dass sie länger zuhören sollen, kann ich nicht teilen. Das ist weder durch die Wissenschaft bei uns noch durch die Empirie festzustellen."
Programmforschung spielt eine wichtige Rolle. Programm-Machen aus dem Bauch gibt es nicht mehr:
"Wir sind heute der Meinung, dass das Publikum das Recht hat, das für sie adäquate und gewünschte Programm zu bekommen. Es hat sehr viel Anstrengungen gegeben, was Medienforschung betrifft, was Feinjustierung der Schemata im Lauf der Jahre betrifft, um immer näher dann heranzukommen: Was will unser doch sehr spezielles Publikum hören."
Gern hört dieses Publikum zum Beispiel klassische Musik live, Opern, Konzerte. Diese Übertragungen werden abends gegen die Verlockungen des Fernsehens gesetzt und im Sommer wird Ö1 gleich ganz zum Festspielsender erklärt:
"Die zwei Monate Juli und August werden immer speziell programmiert. Wir wissen in der Musik, was kommt alles, wo sind Festspiele, was wollen wir übertragen und dann passen wir das vorhandene Schema diesen Notwendigkeiten an. Da haben dann die Musiksendungen absoluten Vorrang."
Man wird übrigens in Europa keinen Sender finden, bei dem klassische Musik so liebevoll und kenntnisreich observiert und moderiert wird, bis hin ins Verschrobene. Aber längst hat der Sender sich auch für Weltmusik und Jazz geöffnet.
Ö1 ist aber auch erfolgreich, weil die Macher mit ihrem Programm nicht hinterm Berg halten. Der Ö1-Club zum Beispiel hat inzwischen 50.000 Mitglieder, die für ihren kleinen Beitrag ein opulentes Programmheft bekommen und Konzertkarten billiger kaufen können. Diese Hörer sind das Rückgrat des Senders.
Auch fanden die Macher, dass das Publikum Programm nicht nur gnadenhalber entgegenzunehmen hat, sondern dass Programm auch zu ihnen kommen kann. Ö1 entwickelte öffentliche Veranstaltungsreihen und eine spezifisch österreichische Lösung:
"Nachdem wir sicher waren, dass in der heutigen Zeit es notwendig ist, dass man den Leuten darüber hinaus auch Kulinarisches bietet, sie nicht einfach nur hereinbittet und wieder wegschickt, haben wir auch ein Radiocafé gebaut, in dem auch gleichzeitig ein Studio eingerichtet worden ist und wo kleinere Veranstaltungen stattgefunden haben. Das haben wir Radiokulturhaus genannt und es funktioniert seither zehn Jahre lang."
Zum 40-jährigen Jubiläum hat der umtriebige Programmchef Alfred Treiber ein Buch herausgegeben, voller Fundsachen aus der Programmgeschichte. Darin kann man auch das Foto eines Jungredakteurs von damals finden. Der musste einmal gebremst werden, als er für ein Volksbegehren zur Abschaffung des Bundesheeres gleich die Spendenkontonummer ansagen wollte. Der Revoluzzer hieß: Wolfgang Schüssel. Das Archiv ist die Rache der Journalisten an der Politik - selten passte der Satz des österreichischen Fernsehjournalisten Robert Hochner so genau.