Lothar Guckeisen: In der Hochschulmensa gab es heute Nachmittag wieder lange Schlangen, ein sicheres Indiz dafür, dass ein neues Semester begonnen hat. Im Hinblick auf den Beruf lohnt sich das Schlangestehen allemal, denn mit einem akademischen Abschluss hat man später auf dem Arbeitsmarkt vergleichsweise bessere Chancen. Aber bis dahin muss man erst mal kräftig investieren, denn ein Studium gibt es nicht zum Nulltarif. Auch ohne Studiengebühren fallen enorme Kosten an. Achim Meyer auf der Heide, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Sie haben dazu aktuell eine Studie gemacht. Wie hoch sind denn die durchschnittlichen Kosten, die am einzelnen Studenten hängen bleiben?
Achim Meyer auf der Heide: Wir haben gerechnet, das sind rund 46.000 Euro, je nachdem, 47.000 Euro. Das kann man einfach zugrunde legen für ein zehnsemestriges Studium. Die Studierenden haben monatliche Ausgaben im Schnitt von 700 Euro, das macht im Jahr 8400, und das mal fünf Jahre, also zehn Semester, sind dann 42.000. Und dann nehmen wir noch die Studiengebühren dazu, die zu entrichten sind, und dann liegt man bei rund 46.000, 47.000.
Guckeisen: Welche Posten gehören denn zu Ihrer Kalkulation, wofür muss das Geld aufgewendet werden?
Meyer auf der Heide: Das Geld muss natürlich für Miete, für Lebenshaltungskosten, Telefon etc., ein bisschen Freizeit, Lernmittel und dergleichen ausgegeben werden. Den größten Batzen stellt immer die Miete dar mit doch teilweise ein Drittel der monatlichen Einnahmen. Telefon liegt so bei 60, also Telekommunikation, das ist eigentlich normal, das sticht nicht so sonderlich hervor. Dann haben wir noch Fahrzeuge oder eben Verkehrsmittel, trotz Semesterticket, und natürlich die Kosten für die Lebenshaltung.
Guckeisen: Gibt es eigentlich Vergleichsstudien aus der Vergangenheit, kann man also sagen, dass Studieren heute teurer ist als früher?
Meyer auf der Heide: Studieren ist insofern teurer, weil ja einige Länder Studiengebühren eingeführt haben. Es gibt die Sozialerhebung ja inzwischen seit 55 Jahren. Wir haben die 18. in 2006 erhoben und haben natürlich noch die Daten der Vorjahre, also dann 2003. Da hat sich nicht so viel verändert. Das hängt aber ein bisschen damit zusammen, dass also zumindest die Einnahmenseite, die Studierenden haben an durchschnittlichen Einnahmen 770 Euro gegenüber 767 2003. Man muss allerdings sagen, der Median, das heißt bis zu 50 Prozent, liegen unter 720 Euro und über 50 Prozent darüber. Und immerhin 27 Prozent haben sogar nur unter 600 Euro zur Verfügung, und nur ein Drittel hat so viel zur Verfügung wie der Voll-BAföG-Höchstsatz ist, nämlich 585.
Guckeisen: Das ist das Stichwort, der BAföG-Höchstsatz. Im Moment erleben wir ja gerade einen Streit um den aktuellen Bundeshaushalt. Finanzminister Steinbrück hat ja einigen Ministerien bereits signalisiert, er ist nicht bereit, höhere Ausgaben, die dort geplant sind, zu akzeptieren, und dazu gehört ja auch das Bundesbildungsministerium. Gibt es eigentlich Anlass zur Sorge, dass die eigentlich beschlossene BAföG-Erhöhung um zehn Prozent in diesem Jahr unter die Räder kommen könnte?
Meyer auf der Heide: Nein, das geht ja jetzt um die Aufstellung des Haushaltes 2009. Für 2008 ist der Haushalt ja letztes Jahr beschlossen worden, und zumindest zum Wintersemester, das ist nun Gesetzeskraft, muss ja die Erhöhung in Kraft treten. Aber viel spannender ist ja, diese Erhöhung liegt ja nun ungefähr bei fünf Prozent, und es war im Gespräch, auch möglicherweise dann im Folgejahr noch mal um weitere fünf Prozent erhöht wird, was die Förderbeträge der Studierenden betrifft. Und das könnte natürlich dann, je nachdem, wie da hin- und hergeschoben wird, zur Disposition stehen. Und das müssen wir natürlich dann möglicherweise mit Sorge sehen. Darüber hinaus ist noch ein weiterer Faktor, den wir inzwischen gerade gebetsmühlenartig herunterreden oder hervorbringen, das Thema Erweiterung des förderberechtigten Personenkreises. Und dafür wird es notwendig sein, doch in erheblichem Umfang auch noch mal die Elternfreibeträge zu steigern, sodass die Elterneinkommen, die in Anrechnung kommen, dann auch doch die Grundlage dafür bilden, dass vielleicht mehr Kinder insbesondere aus der unteren Mittelschicht studieren können, deren Eltern bisher nicht genug verdienen, um das Studium der Kinder zu finanzieren, die gleichzeitig aber zu wenig haben oder zu viel haben, um BAföG zu kriegen. Und wir wissen ja auch aus anderen Studien, zum Beispiel der Schulabsolventenbefragung von Hochschulzugangsberechtigten, von HIS, dass das Finanzierungsrisiko doch wesentlich ernster genommen wird und deshalb sich mit steigendem Anteil Studienberechtigte gegen ein Studium entscheiden.
Guckeisen: 46.000 Euro für ein Studium, zehn Semester, grob über den Daumen geschätzt. Wie teilt sich das auf, wie kriegen die Studenten das Geld zusammen, welche Rolle spielen die Eltern bei der Finanzierung?
Meyer auf der Heide: Die Eltern sind, auch das ist deutlich geworden, in den letzten Jahrzehnten der wesentliche Financier der Studierenden geworden, es sind 448 Euro durchschnittlich, die die Studierenden von den Eltern erhalten, und insgesamt, bezogen auf die Gesamtfinanzierung der Studenten, tragen die Eltern mit 52 Prozent zu den Gesamteinnahmen der Studierenden bei. Aber immerhin 90 Prozent der Eltern oder über 90 Prozent unterstützen ihre Kinder.
Guckeisen: Das Deutsche Studentenwerk hat die individuellen Studienkosten berechnet. Informationen von Generalsekretär Achim Meyer auf der Heide. Besten Dank!
Achim Meyer auf der Heide: Wir haben gerechnet, das sind rund 46.000 Euro, je nachdem, 47.000 Euro. Das kann man einfach zugrunde legen für ein zehnsemestriges Studium. Die Studierenden haben monatliche Ausgaben im Schnitt von 700 Euro, das macht im Jahr 8400, und das mal fünf Jahre, also zehn Semester, sind dann 42.000. Und dann nehmen wir noch die Studiengebühren dazu, die zu entrichten sind, und dann liegt man bei rund 46.000, 47.000.
Guckeisen: Welche Posten gehören denn zu Ihrer Kalkulation, wofür muss das Geld aufgewendet werden?
Meyer auf der Heide: Das Geld muss natürlich für Miete, für Lebenshaltungskosten, Telefon etc., ein bisschen Freizeit, Lernmittel und dergleichen ausgegeben werden. Den größten Batzen stellt immer die Miete dar mit doch teilweise ein Drittel der monatlichen Einnahmen. Telefon liegt so bei 60, also Telekommunikation, das ist eigentlich normal, das sticht nicht so sonderlich hervor. Dann haben wir noch Fahrzeuge oder eben Verkehrsmittel, trotz Semesterticket, und natürlich die Kosten für die Lebenshaltung.
Guckeisen: Gibt es eigentlich Vergleichsstudien aus der Vergangenheit, kann man also sagen, dass Studieren heute teurer ist als früher?
Meyer auf der Heide: Studieren ist insofern teurer, weil ja einige Länder Studiengebühren eingeführt haben. Es gibt die Sozialerhebung ja inzwischen seit 55 Jahren. Wir haben die 18. in 2006 erhoben und haben natürlich noch die Daten der Vorjahre, also dann 2003. Da hat sich nicht so viel verändert. Das hängt aber ein bisschen damit zusammen, dass also zumindest die Einnahmenseite, die Studierenden haben an durchschnittlichen Einnahmen 770 Euro gegenüber 767 2003. Man muss allerdings sagen, der Median, das heißt bis zu 50 Prozent, liegen unter 720 Euro und über 50 Prozent darüber. Und immerhin 27 Prozent haben sogar nur unter 600 Euro zur Verfügung, und nur ein Drittel hat so viel zur Verfügung wie der Voll-BAföG-Höchstsatz ist, nämlich 585.
Guckeisen: Das ist das Stichwort, der BAföG-Höchstsatz. Im Moment erleben wir ja gerade einen Streit um den aktuellen Bundeshaushalt. Finanzminister Steinbrück hat ja einigen Ministerien bereits signalisiert, er ist nicht bereit, höhere Ausgaben, die dort geplant sind, zu akzeptieren, und dazu gehört ja auch das Bundesbildungsministerium. Gibt es eigentlich Anlass zur Sorge, dass die eigentlich beschlossene BAföG-Erhöhung um zehn Prozent in diesem Jahr unter die Räder kommen könnte?
Meyer auf der Heide: Nein, das geht ja jetzt um die Aufstellung des Haushaltes 2009. Für 2008 ist der Haushalt ja letztes Jahr beschlossen worden, und zumindest zum Wintersemester, das ist nun Gesetzeskraft, muss ja die Erhöhung in Kraft treten. Aber viel spannender ist ja, diese Erhöhung liegt ja nun ungefähr bei fünf Prozent, und es war im Gespräch, auch möglicherweise dann im Folgejahr noch mal um weitere fünf Prozent erhöht wird, was die Förderbeträge der Studierenden betrifft. Und das könnte natürlich dann, je nachdem, wie da hin- und hergeschoben wird, zur Disposition stehen. Und das müssen wir natürlich dann möglicherweise mit Sorge sehen. Darüber hinaus ist noch ein weiterer Faktor, den wir inzwischen gerade gebetsmühlenartig herunterreden oder hervorbringen, das Thema Erweiterung des förderberechtigten Personenkreises. Und dafür wird es notwendig sein, doch in erheblichem Umfang auch noch mal die Elternfreibeträge zu steigern, sodass die Elterneinkommen, die in Anrechnung kommen, dann auch doch die Grundlage dafür bilden, dass vielleicht mehr Kinder insbesondere aus der unteren Mittelschicht studieren können, deren Eltern bisher nicht genug verdienen, um das Studium der Kinder zu finanzieren, die gleichzeitig aber zu wenig haben oder zu viel haben, um BAföG zu kriegen. Und wir wissen ja auch aus anderen Studien, zum Beispiel der Schulabsolventenbefragung von Hochschulzugangsberechtigten, von HIS, dass das Finanzierungsrisiko doch wesentlich ernster genommen wird und deshalb sich mit steigendem Anteil Studienberechtigte gegen ein Studium entscheiden.
Guckeisen: 46.000 Euro für ein Studium, zehn Semester, grob über den Daumen geschätzt. Wie teilt sich das auf, wie kriegen die Studenten das Geld zusammen, welche Rolle spielen die Eltern bei der Finanzierung?
Meyer auf der Heide: Die Eltern sind, auch das ist deutlich geworden, in den letzten Jahrzehnten der wesentliche Financier der Studierenden geworden, es sind 448 Euro durchschnittlich, die die Studierenden von den Eltern erhalten, und insgesamt, bezogen auf die Gesamtfinanzierung der Studenten, tragen die Eltern mit 52 Prozent zu den Gesamteinnahmen der Studierenden bei. Aber immerhin 90 Prozent der Eltern oder über 90 Prozent unterstützen ihre Kinder.
Guckeisen: Das Deutsche Studentenwerk hat die individuellen Studienkosten berechnet. Informationen von Generalsekretär Achim Meyer auf der Heide. Besten Dank!