Dienstag, 12.11.2019
 
Startseite@mediasresDie Anfänge des Online-Journalismus29.10.2019

50 Jahre InternetDie Anfänge des Online-Journalismus

Seit einem halben Jahrhundert gibt es das Internet. Doch an einen Austausch großer Datenmengen war damals noch nicht zu denken. Zum Online-Journalismus, wie wir ihn heute kennen, war es ein langer Weg – samt einer Pionier-Redaktion aus Deutschland.

Von Michael Borgers

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Eine Lehrerin unterrichtet an einer Grundschule in den 1980er-Jahren an Computern.  (picture alliance / dpa / Roland Witschel)
Ende der 1980er-Jahre steckte das Internet in Deutschland noch in den Kinderschuhen - aber an einigen Grundschulen wurde, so wie hier, immerhin bereits an Computern unterrichtet. (picture alliance / dpa / Roland Witschel)

Vor 50 Jahren

Am Anfang waren es nur zwei Buchstaben, ein "L" und ein "O". Wissenschaftler in Kalifornien hatten am 29. Oktober 1969 zwei Computer miteinander verbunden und wollten von einem zum anderen das Wort "LOGIN" übermitteln. Doch schon beim dritten Buchstaben war Schluss, das System stürzte ab. Ein Crash, der heute als Geburtsstunde des Internets gilt. Bis die neue Technik Einzug in den Alltag der Menschen eine Rolle spielen sollte, vergingen aber noch viele  Jahre. Auch war nicht abzusehen, wie sehr sich die Welt des Journalismus einmal ändern würde.

Vom Wort "Internet" sei noch Mitte der 1980er-Jahre nicht die Rede gewesen, erinnert sich Gabriele Hooffacker im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Hooffacker fing damals an, in München als Journalistin und Dozentin für IT- und Medienthemen zu arbeiten. Ähnlich wie heute in Foren habe sie damals Inhalte über sogenannte Mailbox-Netze geteilt; eine Technik, die es – privat betrieben – möglich machte, Daten über das Telefonnetz auszutauschen.

Damals sei das für sie und ihr Umfeld ein Weg gewesen, das eigene ehrenamtliche Engagement zu organisieren, so Hooffacker: "Es ging um Umweltschutz, es ging um Menschenrechte und andere politische Arbeit."

Vor 25 Jahren

Die ersten Versionen des weltweiten Webs waren noch mit komplizierten Befehlen zu bedienen. Das änderte sich 1994. Ein neuer Browser machte es von nun an möglich, mit einem einfachen Mausklick die gewünschten Prozesse in Gang zu setzen. Ein technischer Durchbruch, der auch für den Journalismus Folgen hatte.

Noch im selben Jahr, am 25. Oktober, ging Spiegel Online als weltweit erstes Nachrichtenmagazin online. Zum 20-jährigen Jubiläum, 2014, hat sich das Magazin mit einer Timeline selbst gefeiert. Hier lässt sich zum Beispiel der erste Webauftritt bewundern: blaue Buchstaben auf grauem Hintergrund, darüber das klassische Spiegel-Logo, und die Möglichkeit, für 1,50 DM einzelne Artikel zu suchen und zu laden. Der Vollabruf einer einzigen Ausgabe hat damals mehr gekostet als ein Jahresabo für das Magazin.

Zur Nachrichtenseite mit eigener Redaktion wurde SPON, wie schon bald Viele die Seite nannten, ab 1996. Auch andere etablierte Zeitungen und Magazine weltweit bauten in diesen Jahren eigene Onlineauftritte auf.

Die Wertschätzung für die Onlinekollegen in vielen Redaktionen sei dennoch zu Beginn gering gewesen, kritisiert Gabriele Hooffacker, die ein Standard-Lehrbuch zum Online-Journalismus geschrieben hat.

"Zunächst habe ich darum gekämpft, dass das Medium Online als journalistisches Medium anerkannt wurde. Sich das zu erobern, hat ein bisschen gedauert." Hooffacker wollte andere für ihre Sache gewinnen und bot bereits damals Kurse für Kollegen an,  über Fragen wie: "Was bietet das Internet für Möglichkeiten – einerseits zur Recherche, andererseits zum Publizieren?"

Und heute

Das Internet hat die Medienlandschaft stark verändert. Viele klassische Medien hätten diesen Wandel allerdings verschlafen, findet Hooffacker. "Innovationen kamen aus den reinen Online-Medien, die sich gleich anders aufgestellt haben." Für die Online-Pionierin zeichnet ihr Genre bis heute aus, "dass sich die Bürger beteiligen können" – also genau der Ansatz der Mailboxen aus den 80er-Jahren, sagt sie und lacht.

Soziale Medien – Stichwort Web 2.0 – hätten viel bewegt. Doch mit Blick auf den Online-Journalismus hält Hooffacker fest: "Für meine Begriffe ist noch immer nicht komplett ausgelotet, was mit den partizipativen Formaten möglich ist." Hier sieht sie noch viel Luft Experimente.  

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