
Schüler verschiedener Schulen zogen mit Slogans wie "Zur Hölle mit Afrikaans" und "Nieder mit dem Bantu Education Act" durch die Straßen. Ziel der Protestzüge war das Orlando Stadion. Immer mehr Jugendliche schlossen sich an - bis zu 20.000 Menschen demonstrierten. Die Polizei setzte Tränengas ein und Polizisten schossen auf die Demonstranten. Die Gewalt löste landesweit Solidarität aus. In den folgenden Tagen gingen überall im Land vor allem Schüler auf die Straße, bis der Protest nach und nach abebbte.
Aufsehen erregte das Schwarz-Weiß-Foto des 13-jährigen Hector Pieterson - getragen von einem Mann namens Mbuyisa Makhubo, in dessen Armen der Schüler gerade stirbt. Daneben die fassungslose Schwester Antoinette. Es ist das zentrale Bild des Schüleraufstands von Soweto.
Hunderte Tote und viele Verletzte
Wie viele Menschen tatsächlich starben ist unklar. In offiziellen Berichten war von 575 Toten und fast 4.000 Verletzten die Rede. Tatsächlich dürfte die Opferzahl weitaus höher gelegen haben, doch viele Menschen sprachen anschließend aus Angst vor Repressionen nicht über ihre Teilnahme.
Die schwarzen Menschen protestierten gegen Zwangsumsiedlungen und ein Leben in prekären Verhältnissen, kein Recht auf Bildung oder Meinungsfreiheit, mangelnden Zugang zum Gesundheitssystem, überall Beschimpfungen, Hass, Diskriminierungen.
Das Gesetz zwang schwarze Schüler unter anderem zum Besuch staatlicher Schulen; zuvor konnten sie auch Missionsschulen besuchen. Ziel war es, sie für niedere Tätigkeiten auszubilden. Lernen sollten sie aber vor allem eins: Unterwürfigkeit.
Den Weg zum Schüleraufstand von Soweto bereitete schon ab Ende der 1960er Jahre die Anti-Apartheid-Bewegung Black Consciousness um Steve Biko. Bereits Monate vor dem Schulaufstand boykottierten Schüler sporadisch den Unterricht. Im Mai waren es bereits ganze Schulklassen.
Diese Nachricht wurde am 17.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
