
Rehlinger sagte den Funke-Medien, die von der Rentenkommission vorgeschlagene Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren widerspreche dem Respekt vor der Lebensleistung von Menschen. Auf jeden Fall könne das Vorhaben nicht für jene gelten, die mit etwas anderem geplant hätten. An entscheidenden Punkten des Rentenpakets müsse der Bundestag Änderungen vornehmen, betonte die SPD-Politikerin. Der Bremer Bürgermeister Bovenschulte sprach sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur für die Beibehaltung der Regelung aus.
Auch die Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen - Kretschmer, Schulze und Voigt (alle CDU) - sowie von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg - Schwesig und Woidke (beide SPD) - wollen an der sogenannten Rente mit 63 festhalten. Sie verweisen zur Begründung auf ostdeutsche Erwerbsbiografien. Betriebsrenten seien in Ostdeutschland selten, und viele Ostdeutsche hätten in den vergangenen Jahrzehnten nicht ausreichend private Vorsorge betreiben können. Daher sei die gesetzliche Rente oft die einzige Säule der Alterssicherung.
Inzwischen ist die abschlagsfreie Rente frühestens ab einem Alter von 64,5 Jahren möglich.
Reddig (CDU) und DIW-Präsident Fratzscher für die Abschaffung
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Reddig erläuterte hingegen, warum die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren aus seiner Sicht notwendig ist. Reddig war stellvertretender Vorsitzender der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission, die im Juni Vorschläge zur Reformierung des Systems vorgelegt hatte. Heute früh
sagte er im Deutschlandfunk
, das Versorgungsniveau in Ost- und Westdeutschland werde durch einen Systemwechsel perspektivisch besser werden. Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren schaffe Spielraum etwa für die Kapitalrente. Dadurch werde künftig das Rentenniveau auch für Menschen in Ostdeutschland wieder steigen können. Der CDU-Politiker warnte vor Rosinenpickerei. Alle Vorschläge der Rentenkommission hingen zusammen.
Fratzscher: Sonst ist die Rentenreform "tot"
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Fratzscher, hält die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ebenfalls für unverzichtbar. Sie sei das finanziell wichtigste Element der geplanten Rentenreform. Ohne dieses Element wäre die Rentenreform tot, sagte er der "Rheinischen Post". Im Zuge einer Abschaffung seien pro Rentnerjahrgang schätzungsweise knapp zehn Milliarden Euro an langfristigen Einsparungen und 125.000 zusätzliche Beschäftigte zu erwarten, führte Fratzscher aus.
Söder überrascht, Bas fordert Klärung
Für das Vorhaben braucht die Bundesregierung die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat. Der CSU-Vorsitzende und Bayerns Ministerpräsident Söder warnte davor, das Maßnahmenpaket zur Reformierung des Rentensystems wieder aufzuschnüren. Er erinnerte im ARD-Fernsehen daran, dass Union und SPD zugesichert hätten, die Empfehlungen der Rentenkommission 1:1 zu übernehmen. Den Vorstoß der ostdeutschen Ministerpräsidenten bezeichnete Söder als "etwas überraschend".
Die SPD-Vorsitzende Bas rief die Union auf, ihre Position intern zu klären. Wenn CDU und CSU das Paket aufschnüren wollten, würden sich die Sozialdemokraten nicht dagegen sträuben, sagte sie im ZDF. Im Juni hatte Bas die Vorschläge der Rentenkommission noch als "Gesamtkunstwerk" bezeichnet. Auch jetzt warb sie dafür, dass das Paket insgesamt "zusammenbleiben sollte". Diskussionen in Einzelfragen könne es jedoch schon noch geben.
Die abschlagsfreie "Rente mit 63" wurde 2014 von der großen Koalition eingeführt. Federführend war damals Bundesarbeitsministerin Nahles (SPD).
Rentenreform:
Vorstoß der Ost-MPs könnte Schwachstelle ausgleichen
Diese Nachricht wurde am 03.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.






