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StartseiteCampus & KarriereAuf den Spuren von Dutschke, Kennedy und Co09.07.2018

70 Jahre FU BerlinAuf den Spuren von Dutschke, Kennedy und Co

Am 4. Dezember 2018 wird die Freie Universität Berlin 70 Jahre alt. Heute ist sie eine von vier Berliner Universitäten und zahlreichen Hochschulen. Damals war sie ein Symbol des Kalten Krieges in dem unter den vier Siegermächten aufgeteilten Berlin. Eine Führung begibt sich auf Spurensuche.

Von Anja Nehls

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"Freie Universität Berlin" steht am 09.07.2016 in Berlin über dem Haupteingang zum Gebäude Habelschwerdter Allee 45 in Dahlem. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
FU Berlin in Dahlem (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
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Es braucht gute Schuhe und Zeit, um die FU zu erkunden – auch weil es die FU eigentlich gar nicht gibt. Die Gebäude der Freien Universität Berlin befinden sich im Berliner Südwesten, im reichen Wohn- und Villenviertel Dahlem. Zwischenzeitlich bestand die Freie Universität aus über 250 Gebäuden, ein Großteil davon Villen. 1948, kurz nach dem Krieg, wurde die Universität gegründet, erzählt die ehemalige Studentin Stefanie Hardick, die mit über einem Dutzend interessierter Besucher durch Dahlem spaziert – auf den Spuren ihrer FU:

"Sie ist im amerikanischen Sektor gegründet worden, das heißt, die Amerikaner haben hier ihnen erst einmal die leer stehenden Gebäude der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegeben. Es standen auch jede Menge Villen leer. Teilweise waren das ehemalige Villen von Nationalsozialistischen Funktionären oder von Leuten, die einfach ausgebombt waren.

Die Amerikaner haben dann zugeteilt und in diesen Villen konnten die Studenten dann unterrichtet werden. Es gab damals diesen schönen Satz, wo eine Villa ist, ist auch ein Weg."

Erste Vorlesungen im November 1948

Schon im November 1948 fanden die ersten Vorlesungen statt. Das damalige Hauptgebäude ist zur Zeit wegen Renovierungsarbeiten verhüllt, es beherbergte 13 Institute der Philosophischen Fakultät, einen Schreibwarenladen, eine Schuhmacherwerkstatt, eine Kleider-Ausgabestelle und das Immatrikulationsbüro. Bücher und Kleider spendeten die Berliner, eine Heizung gab es nicht in allen Räumen.

Trotzdem wuchsen die Studentenzahlen schnell und die FU entwickelte sich im eingeschlossenen Westberlin zu einer Insel des linken Protests. Fast alle der Spaziergänger heute haben einen Bezug zur FU, haben hier studiert, gearbeitet, gelehrt und können sich zum Beispiel an den Studentenführer Rudi Dutschke noch gut erinnern:

Demonstration gegen den Vietnamkrieg (picture alliance/dpa/Foto: Volkmar Hoffmann)Demonstration gegen den Vietnamkrieg am 18.02.1968 in Berlin. (picture alliance/dpa/Foto: Volkmar Hoffmann)
"Ich hatte Distanz zu ihm, ich habe manchmal in der Mensa so am Nebentisch gesessen, mit diesen Auffassungen, dieser Radikalität der Auffassungen und aus meiner Sicht Spinnereien wollte ich dann nichts zu tun haben. Und das was die Studenten dann hier moniert haben, habe ich teilweise unterstützt, Protest gegen den Vietnamkrieg, da war ich zum Beispiel mit auf der Straße."

Symbol der Demokratie und des Kalten Krieges

Oder auch als 1968 der amerikanische Präsident John F. Kennedy vor dem Henry-Ford Bau sprach. Bereits in den 50er-Jahren war dieser für die FU mit amerikanischem Geld errichtet worden. Viel Glas als Sinnbild für Demokratie und eine Steinsäule in Richtung Osten. Ein Symbol des Kalten Krieges. 20.000 Studenten drängelten sich in der kleinen Straße, um Kennedys Rede zu hören – die Stefanie Hardick jetzt auf einem menschenleeren Vorplatz aus einem winzigen Lautsprecher schallen lässt:

"Er hat nämlich gesagt, ihr studiert hier nicht nur, um eine guten Job zu bekommen, um Anwalt zu werden oder irgendetwas anderes. Er hat gesagt, ihr studiert, weil ihr die Gesellschaft prägen sollt, weil ihr die Gesellschaft formen sollt, also seid nicht zu faul zum Denken."

Anfang der 70er-Jahre wurde der zentrale Gebäudekomplex mit Hörsälen und Seminarraumen fertiggestellt, als kleinstadtähnliches Universitätsgebäude mit rotbrauner Fassade. Daher auch der Spitzname: Rostlaube.

In den 80er-Jahren kam als Anbau die Silberlaube mit Aluminiumfassade dazu und erst kürzlich die Holzlaube als Neubau für die kleinen Fächer, wie Islamwissenschaften oder Koreastudien. Finanziert wurde der Neubau durch den Verkauf einiger Villen. Bis zu 60.000 Studierende drängelten sich an der FU kurz nach der Wende.

Nur durchgeknallte Linke?

Im Moment sind es 35.000. Das liegt auch daran, dass die Berliner Universitäten jetzt mehr gemeinsam als gegeneinander agieren, Institute wurden zusammengelegt und Fächer an nur einem Ort gebündelt. Die FU ist auch politisch in der Gegenwart angekommen und in der Normalität, finden die ehemaligen Studenten:

"Früher war das so, da wurde man leicht skeptisch angeguckt, ob man so ein durchgeknallter Linker ist, ob man dazugehörte, heute kann ich keine Reaktionen feststellen. War halt die FU. Ich hätte genauso gut sagen können, ich habe ich Göttingen studiert oder so."

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