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Ab in den Schacht Konrad

Während es für hochradioaktiven Atommüll weltweit noch keine Lösung gibt, ist sie in Deutschland für schwach- und mittelradioaktive Abfälle inzwischen gefunden. 2013 geht das Endlager Schacht Konrad in Salzgitter in Betrieb. Derzeit wird das ehemalige Bergwerk für die Endlagerung von Atommüll ausgebaut.

Von Susanne Schrammar |
    "Ein Schlag ist halt, zwei Schläge ist auf und drei Schläge ist hängen, also nach unten."

    Nach unten heißt in diesem Fall: Der ratternde Fahrstuhl hält erst 800 Meter tief unter der Erde. Hier ist es nicht nur dunkel, sondern auch heiß. Bei staubtrockenen 30 Grad graben die Mitarbeiter im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz, kurz BfS, riesige langgezogene Hohlräume in das ehemalige Erzbergwerk Schacht Konrad. Im Fachjargon heißt das: Die Einlagefelder für den Atommüll, der hier ab 2013 gelagert werden soll, werden aufgefahren. Der Präsident des BfS, Wolfram König, steht im Teilfeld 5.1.

    "Wir befinden uns jetzt hier in dem Bereich, in dem zukünftig die Einlagerung stattfinden soll. Die Abfälle werden Stück für Stück eingebracht, die Gesamtlänge wird dann letztendlich so 400, 500 Meter sein. Die Einlagerungsfelder sind nicht unterhalb von bewohnten Bereichen sondern sie liegen unterhalb des Industriegeländes, was aber keine sicherheitstechnische Bedeutung hat, nur das ist für die Bevölkerung ganz wichtig zu wissen, wo ist das eigentlich."

    Schacht Konrad ist nur als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle genehmigt. Die machen zwar knapp 90 Prozent des deutschen Atommülls aus, doch sie beinhalten nur 0,1 Prozent der gesamten Radioaktivitätsmenge. In den Erdhohlräumen unter Salzgitter wird Müll eingelagert werden, der bei der Erforschung der Kernenergie angefallen ist und aus dem laufenden Betrieb der Atomkraftwerke. Nur kleine Teile kommen aus Medizin und Industrie.

    "Das fängt an bei Schutzkleidung, Anlagenteile von Kernkraftwerken, es geht über Versuchsanlagen, die nach Außerbetriebnahme entsorgt werden müssen, also das ganze Spektrum außerhalb der Kernbrennstoffe. Die Kernbrennstoffe, die Brennelemente oder die hochradioaktiven Abfälle aus den Wiederaufbereitungsanlagen, die werden in ein anderes Lager kommen müssen."

    Die Atommüllabfälle werden besonders behandelt und verarbeitet bevor sie ins Endlager kommen. Gelagert werden sie zumeist in Fässern, die zum Schutz mit Beton ausgegossen wurden. In Schacht Konrad werden Fässer und Container mit einem Raumbedarf von insgesamt 303.000 Kubikmeter Platz haben. Vermutlich werden wir so viel gar nicht brauchen, sagt König. Was an Raum benötigt wird, fressen die LKW-großen sogenannten Teilschnittmaschinen ins Eisenerz. Unter Tage ist so bereits ein Tunnelsystem mit vielen Abzweigungen zum Beispiel für die Lüftung entstanden. Eisenerz ist - nach Ansicht des Bundesamtes - für die Endlagerung von kaum wärmeentwickelndem Atommüll besonders gut geeignet.

    "Weil es porös ist, es kann Gas aufnehmen und wir haben bei den schwach- und mittelradioaktiven Abfällen eine Herausforderung, eben dass die Gase entwickeln und diese Gase können bei einem hermetischen Abschluss zu Problemen führen. Dass es nämlich einen Überdruck gibt und im schlechtesten Fall es dann zu Rissbildungen kommt, die das Eindringen von Wasser oder Lauge ermöglichen würde."

    Eindringendes Wasser - dieses Problem hat das Atommülllager Asse, nur wenige Kilometer von Schacht Konrad entfernt. Doch anders als die Asse, betont König, sei Schacht Konrad knochentrocken. Dafür sorge auch eine knapp 400 Meter dicke Tonschicht, die das Bergwerk abdeckt. Weitere Unterschiede zur Asse: Schacht Konrad sei stabiler als das Salzbergwerk und statt Bergrecht habe von Anfang an dafür das Atomrecht gegolten. Im Atommülllager Asse, wo den Betreibern Fehler beim Umgang mit radioaktiv kontaminierter Salzlauge vorgeworfen werden, wird derzeit über eine Rückholung der dort gelagerten Fässer diskutiert. Für Schacht Konrad, so der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, soll diese Möglichkeit nicht in Betracht kommen.

    "Alle derzeitigen wissenschaftlichen Expertisen laufen darauf hinaus, dass wir das Problem jetzt nur lösen können, wenn wir eine sichere Endlagerung auf Dauer schaffen, die überwachungsfrei ist. Alle Lösungen, die darauf abzielen, dass zukünftige Generationen diese Probleme zu lösen haben, führen zu meines Erachtens auch ethisch nicht vertretbaren Ansätzen. Es ist ein Teil der Sicherheitskonzeption, um diese Abfälle dauerhaft fest einzuschließen."