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StartseiteCampus & Karriere"Abbruchquote in der Gastronomie liegt bei 50 Prozent"25.01.2013

"Abbruchquote in der Gastronomie liegt bei 50 Prozent"

IHK-Modellprojekt will Ausbildungsabbrüche verhindern helfen

Das Projekt "Abbruch vermeiden - Ausbildung begleiten" der IHK Stuttgart gibt Einzelfallberatungen für Azubis. Es gehe um Hilfe zur Selbsthilfe und darum, die Ausbildungsverhältnisse zu stabilisieren, sagt Ausbildungsberater David Fais.

David Fais im Gespräch Regina Brinkmann

In der Gastronomie ist die Abbruchquote von Ausbildungen am höchsten. (AP)
In der Gastronomie ist die Abbruchquote von Ausbildungen am höchsten. (AP)
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Jeder vierte Azubi schmeißt hin
Last-Minute in die Ausbildung

Regina Brinkmann: Fast jeder vierte Jugendliche bricht seine Ausbildung ab. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesinstitut für Berufsbildung. Diese Zahl ist in Zeiten von Fachkräftemangel natürlich besonders alarmierend. Da die Abbrecherquote aber schon seit Jahren eher ansteigt, haben einige Wirtschafts- und Unternehmensvertreter reagiert. So startete die IHK Stuttgart vor einem halben Jahr das Modellprojekt "Abbruch vermeiden - Ausbildung begleiten". David Fais ist Ausbildungsberater bei der IHK Stuttgart. Herr Fais, wie unterstützen Sie Jugendliche, damit sie die Lehre, die sie begonnen haben, auch erfolgreich beenden?

David Fais: Ja, meine Kollegen und ich führen jedes Jahr mehrere Hundert Gespräche mit Auszubildenden, Eltern und Ausbildern, bei denen es um Konflikte in der Ausbildung geht. Wir unterstützen Auszubildende in erster Linie bei der Analyse und Bewertung der vorgebrachten Ausbildungssituation und bieten zunächst Hilfe zur Selbsthilfe an. Oft hilft ja auch nur ein neutraler Blick von außen, um Probleme zu benennen und Lösungswege aufzuzeichnen. Und das Ganze erfolgt natürlich vertraulich, das heißt, die Auszubildenden, die sich an uns wenden, können davon ausgehen, dass wir das Gespräch auch vertraulich behandeln und nicht mit dem Ausbilder darüber sprechen. Bei verfahrenen und komplizierten Konflikten empfiehlt es sich natürlich, auch den Ausbilder mit ins Boot zu holen, das machen wir aber nur auf Wunsch des Auszubildenden oder der gesetzlichen Vertreter.

Brinkmann: Sie sind also im Gespräch mit den Jugendlichen. Welche Gründe werden Ihnen genannt für einen möglichen Abbruch dieser Ausbildung?

Fais: Ja, also oft ist es mangelnde Kommunikation oder Missverständnisse zwischen Auszubildenden und Ausbildern. Aus der Sicht der Jugendlichen ist es so, dass sie sich schlecht ausgebildet fühlen, nicht ordnungsgemäß ausgebildet fühlen, dass sie das Gefühl haben, dass die Ausbilder auch zu wenig Zeit für sie haben. Oft spielen natürlich auch die Arbeitsbedingungen eine Rolle, insbesondere in Branchen wie der Gastronomie.

Brinkmann: Das heißt, also dieser Wunsch, eine Ausbildung vorzeitig zu beenden, hängt auch von dem eigentlichen Beruf ab, den die Jugendlichen da lernen sollen?

Fais: Ja, also das ist erkennbar, dass es Branchen gibt, in denen die Abbruchquote exorbitant hoch ist, und auch Berufe. Ich habe vorhin die Gastronomie angesprochen: Wir haben in der Gastronomie eine Abbruchquote von etwa 50 Prozent, das heißt, nur jeder zweite Auszubildende beendet seine Ausbildung in dem Betrieb, in der er sie auch begonnen hat. Und an dieser Zahl müssen alle Beteiligten natürlich arbeiten.

Brinkmann: Sie haben die Betriebe angesprochen. Bis heute hört man ja immer noch diesen Spruch, Lehrjahre sind keine Herrenjahre - wie ausbildungsreif sind denn die Ausbilder?

Fais: Ja, die Ausbildungsbetriebe werden von den zuständigen Stellen, bevor es in die Ausbildung geht, besucht und auch explizit zugelassen zur Ausbildung, das heißt, wir überprüfen auch formal natürlich die Ausbildungsvoraussetzungen, die laut dem Berufsbildungsgesetz gegeben sein müssen. Wir sind aber natürlich nicht permanent in den Betrieben drin. Wir stellen natürlich fest, dass gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen, dass es da im Bereich der Ausbildung mit Sicherheit noch Optimierungspotenzial gibt. Auch in Branchen wie der Gastronomie müssen da Betriebe mit Sicherheit noch am Selbstverständnis der Ausbildung arbeiten.

Brinkmann: Und wie aufgeschlossen sind die für Vorschläge Ihrerseits?

Fais: Ja, wir sind permanent im Gespräch mit den Betrieben, auch in unseren Ausbilderarbeitskreisen, und sie sind sehr, sehr offen für Vorschläge und Anregungen. Es ist natürlich so, dass gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen es kaum hauptamtliche Ausbilder gibt, das heißt, die Ausbildung muss da irgendwie im Einklang auch mit dem Tagesgeschäft erfolgen. Und das ist die Kunst, da einfach den Spagat hinzubekommen zwischen dieser wirklich sehr anspruchsvollen Aufgabe als Ausbilder auf der einen Seite, auf der anderen Seite natürlich auch, den Erwartungen des Arbeitgebers auch wiederum gerecht zu werden, die der Arbeitgeber an ihn hat.

Brinkmann: Seit einem halben Jahr machen Sie ja dieses Modellprojekt von der IHK Stuttgart. Können Sie denn schon irgendwelche Erfolge verzeichnen?

Fais: Ja, wir sind erst mal am Anfang. Der Erfolg ist zunächst mal, dass das Projekt gut angenommen wird von allen Beteiligten, sowohl von den Betrieben als auch von den Auszubildenden. Wir kriegen sehr viele Anrufe jeden Tag herein, wo unser Rat gefragt ist. Und wir sind auch schon konkret in der Einzelfallbetreuung, das heißt, wir unterstützen, Stand heute, etwa 20 Auszubildende und helfen den Auszubildenden, dass sie ihre Ausbildung dort beenden können, wo sie sie angefangen haben. Das heißt, es geht darum, die Ausbildungsverhältnisse zu stabilisieren, und da sind wir auf einem guten Weg.

Brinkmann: Warum schmeißen so viele Jugendliche ihre Lehre? Über Gründe und Lösungen sprachen wir mit David Fais von der IHK Stuttgart, die erst kürzlich ein Programm gegen Ausbildungsabbruch aufgelegt hat.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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