Freitag, 07. Oktober 2022

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Aberkennung des Doktortitels von Koch-Mehrin "noch völlig offen"

Heute wurde der Untersuchungsbericht der Universität Bayreuth zur Causa Guttenberg veröffentlicht. Und auch die Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten, Veronika Saß, ist ihren Doktortitel los. Fehlt nur noch die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin. Ihre Dissertation wird noch geprüft.

Marietta Fuhrmann-Koch im Gespräch mit Kate Maleike | 11.05.2011

    Karl-Theodor zu Guttenberg: Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit, als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden, und sie enthält – fraglos – Fehler. Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht.

    Kate Maleike: Es war im Februar dieses Jahres, als der damals noch amtierende Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor die Presse trat und auf die aufgetauchten Vorwürfe reagierte, er habe bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben – das waren damals seine Worte. Inzwischen ist das allerdings bewiesen, auch der Vorsatz, Herr zu Guttenberg ist seinen Ministerjob los, und die Uni Bayreuth hat heute Details ihres Prüfungsberichtes auf einer Pressekonferenz vorgelegt. Maßgeblich mit beteiligt an der Aufdeckung der abgeschriebenen Textpassagen in der betreffenden Doktorarbeit waren ja auch viele Internetjäger, die sozusagen gemeinschaftlich die Belege des Abschreibens gesammelt hatten, und zwar in Form eines Wikis. Das als GuttenPlag Wiki bekannt gewordene Projekt ist nun sogar für den Grimme Online Award nominiert worden. Ja, und ebenfalls im Internet mit verfolgt wurde auch ein anderer Plagiatsvorwurf, nämlich der von Veronika Saß, der Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Hier zog die Uni Konstanz nun die Reißleine und beschloss, den Doktortitel abzuziehen. Einzelheiten von Thomas Wagner.

    Und auch in Heidelberg an der dortigen Uni laufen ja gerade intensive Prüfungen. Dort im Fokus die Doktorarbeit von FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin. Nach Meldungen des "Berliner Tagesspiegels" erwägt auch hier die Uni, den Doktortitel abzuerkennen. Marietta Fuhrmann-Koch, die Pressesprecherin der Uni Heidelberg, korrigiert jedoch auf Nachfrage so:

    Marietta Fuhrmann-Koch: So weit sind wir noch nicht, wir sind mitten im Prüfverfahren. Ob es dazu kommen wird, ist auch noch völlig offen. Die Kommission hat getagt und die Kommission hat – und das ist der einzige Neuigkeitsgehalt, den es vielleicht zu erwähnen gilt – Frau Koch-Mehrin aufgefordert oder ihr die Möglichkeit eingeräumt, eine Stellungnahme abzugeben beziehungsweise auch zu einem Anhörungstermin nach Heidelberg zu kommen.

    Maleike: Wann wird denn mit einem Bericht zu rechnen sein?

    Fuhrmann-Koch: Diese Frist für eine Reaktion von Frau Koch-Mehrin geht bis Ende Mai, und wir gehen nach wie vor davon aus, dass wir Ende Mai, Anfang Juni zu einer Bewertung durch den zuständigen Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät kommen werden.