
Bundestagspräsidentin Klöckner hält die Begrüßungsansprache. Die CDU-Politikerin sagte im Vorfeld: "Die authentische Stimme von Tova Friedman als Mahnerin in der Gegenwart und ihr besonderer Einsatz gegen das Vergessen sind wichtiger denn je." Für den musikalischen Rahmen sorgt unter anderem der jüdische Starpianist Igor Levit mit einem Stück über das Warschauer Ghetto.
Friedman erzählt in Videos über Verbrechen der Nationalsozialisten
Die US-Amerikanerin Tova Friedman wurde 1938 in Gdingen unweit von Danzig geboren. Die Nationalsozialisten deportierten sie als Fünfjährige in das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen. Sie und ihre Mutter überlebten Auschwitz. Ihr Vater wurde von Auschwitz in das KZ Dachau verschleppt und überlebte ebenfalls. Nach der Befreiung traf sich die Familie in Berlin wieder. Später wanderte sie in die USA aus. Die heute 87-Jährige ist eine engagierte Zeitzeugin, Therapeutin und Autorin. Sie produziert gemeinsam mit ihrem Enkel kurze Videos für Tiktok, um über den Holocaust zu informieren.
Friedman erklärte, sie wolle vor allem für die von den Nazis ermordeten Kinder sprechen. Sie spreche aber nicht für die Vergangenheit, sondern für die Zukunft, sagte sie in Berlin. Der Antisemitismus nehme zu, auch in ihrer heutigen Heimat USA. Man dürfe nicht mehr nur "sitzen und sprechen", sondern müsse dem aktiv etwas entgegensetzen, fordert sie. Friedman möchte ihre Botschaft für die Deutschen bewusst auch an die AfD richten. "Ich möchte sie konfrontieren, anstatt mich vor ihnen zu verstecken."
Klein: "Antisemitismus ist kein Randphänomen mehr"
Im Vorfeld der Gedenkstunde für die NS-Opfer im Bundestag hat der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Klein, gefordert, auch dem Antisemitismus der Gegenwart entschlossen entgegenzutreten. "Gerade die Auseinandersetzung mit der Geschichte verpflichtet uns, heute wachsam zu sein und Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen aktiv und entschieden entgegenzutreten", sagte Klein dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Erinnerung bleibe unvollständig, wenn sie folgenlos bleibe. Antisemitismus ist laut Klein in Deutschland kein Randphänomen mehr. "Er ist erst recht kein Problem einer Minderheit, sondern richtet sich gegen die Grundlagen unserer Gesellschaft", betonte er. "Ihm entgegenzutreten ist keine Aufgabe Einzelner, sondern eine Verantwortung aller."
Die Gedenkstunde im Bundestag findet jährlich rund um den 27. Januar statt, dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Rund 1,1 Millionen Menschen starben hier zwischen 1940 und 1945, die meisten von ihnen waren Juden.
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Diese Nachricht wurde am 28.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
