
Derzeit sind Organentnahmen nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Die SPD-Abgeordnete Dittmar sagte bei der Vorstellung des Gruppenantrags, es würden zu wenige Organe gespendet. Nur die Widerspruchsregelung könne einen Mentalitätswechsel bewirken. Alle bisherigen Gesetzesänderungen hätten nicht zu höheren Spenderzahlen in Deutschland geführt. Vergangenes Jahr standen in Deutschland knapp 8.400 Patienten auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Gespendet wurden aber nur rund 2.900.
"Situation auf Wartelisten katastrophal"
Ein erster Anlauf für eine Widerspruchslösung war 2020 im Bundestag gescheitert. Kürzlich hatte bereits Nordrhein-Westfalen mit anderen Bundesländern einen Vorstoß in diese Richtung unternommen, über den derzeit im Bundesrat beraten wird.
Den neuen Vorstoß haben bislang 21 Parlamentarier und Parlamentarierinnen mitgezeichnet, darunter Bundesgesundheitsminister Lauterbach (SPD) und sein Amtsvorgänger Spahn (CDU), die sich bereits 2020 für die Einführung der Widerspruchsregelung eingesetzt hatten.
Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Laumann, CDU, sprach sich im ZDF für die Widerspruchslösung aus. Die Situation auf den Wartelisten sei katastrophal. Viele Menschen stürben, bevor sie ein Organ erhielten.
Bedenken von Patientenschützern und FDP
Der Präsident der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Brysch, hält eine mögliche Widerspruchslösung bei der Organspende für verfassungswidrig. Grundsätzlich sei jeder medizinische Eingriff ohne Zustimmung des Betroffenen eine Körperverletzung, sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Wer schweige, stimme nicht automatisch zu. In den Ländern Europas, in denen es deutlich mehr Organspender gebe als in Deutschland, hätten erst organisatorische und strukturelle Maßnahmen zu steigenden Organspende-Zahlen geführt.
Bedenken gegen die Widerspruchslösung kommen auch von der FDP-Rechtspolitikerin Helling-Plahr. Sie sagte der dpa, anstatt auf staatliche Bevormundung zu setzen, müsse man die selbstbestimmte Entscheidung über eine Spende besser ausgestalten.
Diese Nachricht wurde am 24.06.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.