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StartseiteForschung aktuellAbkühlung nicht ausgeschlossen15.04.2010

Abkühlung nicht ausgeschlossen

Klimapotenzial des Vulkanausbruchs auf Island nicht absehbar

Klima. - Auf Island ist der Vulkan Eyjafjallajökull mit einer gewaltigen Wolke aus Gas und Asche ausgebrochen und hat den Flugverkehr über dem europäischen Nordatlantik stark behindert. Ob und welches Klimapotenzial der Ausbruch entwickelt, müssen Klimaforscher erst untersuchen, berichtet der Wissenschaftsjournalist Volker Mrasek im Gespräch mit Gerd Pasch.

Der Ausbruch des isländischen Eyjafjalla behinderte den Flugverkehr. (AP)
Der Ausbruch des isländischen Eyjafjalla behinderte den Flugverkehr. (AP)

Pasch: Herr Mrasek, wie weit ist denn die Wolken schon auf Mitteleuropa zugekommen?

Mrasek: Also, es gibt Vorhersagen, Projektionen, wie man das nennt, oder Trajektorienrechnungen des Wetterdienstes, wie Sie gesagt haben, und die gibt es zum Beispiel für heute Abend, 18:00 Uhr, auch für Mitternacht, auch für morgen schon. Das sind quasi Staub-, Aschewolken-Vorhersagen, wenn man so möchte. Und für 18:00 Uhr sieht es so aus, dass dann die Nordwestecke von Deutschland schon unter dieser Wolke sein wird. Das heißt jetzt im Moment, während unserer Sendung, könnte es sein, dass die ersten Ausläufer Deutschland erreichen. Um Mitternacht zum Beispiel, wenn man diesen Vorhersagen traut, dann sieht es so aus, dass die Asche sich schon über Moskau befindet und dann auch noch tatsächlich weiter östlich zieht. Wobei man sagen muss: Das sind Vorhersagen für so einen Höhenbereich ab 6000 Meter bis über 10.000 Meter Höhe.

Pasch: Und wie dick ist so eine Wolke?

Mrasek: Das kommt darauf an. Sie entwickelt sich natürlich an der Erdoberfläche und dann ist natürlich die Frage, wie weit steigt sie auf. Wenn man den Flugverkehr betrachtet, dann sind natürlich die Reiseflughöhen interessant, das können neun, zehn Kilometer Höhe sein. Wenn man sich den Klimaeffekt einer solchen Vulkanaschewolke anschaut, dann ist es interessant, ob sie über die Wetterschicht hinaus weiter an Höhe gewinnt. Wir wissen, dass über der Troposphäre, der Wetterschicht, sich die Stratosphäre befindet. Das ist auch die Schicht, in der sich die Ozonschicht um die Welt zieht. Und wenn ein Vulkan Asche und vor allen Dingen auch Schwefeldioxid bis in diese Höhen hinausbläst, dann ist es so, dass dieses Schwefeldioxid sich verwandelt in Sulfataerosole, im Sulfat-, Schwefel-Schwebstaub, Schwebeteilchen. Und die können dann, weil da einfach nicht so viel Feuchtigkeit in der Stratosphäre ist, kein Wettergeschehen, ziemlich lange dort verweilen und dann das Klima beeinflussen. Denn dieses Sulfatteilchen, dieser Schwebstaub, ist in der Lage, das einfallende Sonnenlicht zu zerstreuen und teilweise in den Weltraum zurückzuwerfen. Das heißt ein Vulkan, der tatsächlich Asche und Schwefeldioxid in solche Höhen hochkatapultiert, der kann durchaus zwei oder drei Jahre lang, das weiß man heute, das Klima beeinflussen und abkühlen. Das letzte Beispiel, aus dem Jahr 1991, als der Pinatubo auf den Philippinen ausgebrochen ist und Asche und Schwefeldioxid sehr hoch in die Stratosphäre hinaus geschleudert hat, da hatte man ein Klimaeffekt, der zwei oder drei Jahre lang nachweisbar war.

Pasch: Hat der Vulkan auf Island denn auch dieses Potenzial?

Mrasek: Kann man im Moment noch nicht sagen. Er ist zurzeit noch aktiv, wie man jetzt heute Nachmittag hört... vom britischen Wetterdienstes ist zu hören, dass die Ausbreitung der Wolke darauf schließen lässt, dass er bis in eine Höhe von 15 Kilometer Asche ausgestoßen hat. Aber entscheidend ist hier das Schwefeldioxid, und der Ausstoß dieses Gases, der muss nicht unbedingt an den Ausstoß der Asche gekoppelt sein. Das kann vorher passieren, das kann danach geschehen, das kann zeitgleich passieren. Da weiß man im Moment noch nicht so viel drüber, es gibt zwar viele Satelliten - zum Beispiel den europäischen Umweltsatelliten Envisat - oder den europäischen Wettersatelliten Metop-A, die haben spezielle Messinstrumente an Bord, die sowohl Schwefeldioxid messen können als auch die Schwebe Teilchen. Aber die sind nicht im operationellen Betrieb. Das heißt, die Forscher, die müssen sich jetzt hinsetzen, müssen ihre Daten auswerten und können vielleicht innerhalb einer Woche, so hieß heute, Daten liefern. Und dann wird man vielleicht von der Universität Bremen, da gibt es ein Institut für Umweltphysik, die werten zum Beispiel die Daten von Envisat und Metop-A aus. In einer Woche sollte man noch einmal nachhören, ob das wirklich ein klimarelevanter Vulkanausbruch war.

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