Als das Nederlands Dans Theater 1991 zusätzlich zu Haupt- und Junior-Compagnie ein drittes Ensemble gründete, sagte die Tanzwelt wie mit einer Stimme: Endlich! Plötzlich wunderten sich sogar alle, warum niemand vor dem NDT-Direktor Jiri Kyliàn auf die Idee gekommen war, eine Compagnie für Tänzer über vierzig Jahre zu etablieren. Fast erwartete man, das Beispiel werde Schule machen. Die Regel, wonach klassische Tänzer in einem Alter das Ende ihrer Karrieren zu gewärtigen haben, in dem man in anderen Berufen noch auf dem Weg nach ganz oben ist, schien doch außer Kraft gesetzt werden zu können.
15 Jahre später sieht man die Dinge weit nüchterner. Das Beispiel NDT III hat nicht nur keine Nachahmer gefunden. Die Compagnie selber ist jetzt aufgelöst worden. Nach Abschiedsvorstellungen in Luxemburg und Den Haag sagten Sabine Kupferberg, Gioconda Barbuto, David Krügel, Gérard Lemaitre und Egon Madsen ihrem Publikum gestern Abend in Wien Adieu. Es war die allerletzte Vorstellung des Ensembles. Für die Tanzwelt war es ein Schock. Das Ende kam vollkommen unerwartet. Die Tänzer selbst sind noch immer fassungslos und enttäuscht. Sie haben von ihrer Kündigung vor einem Jahr erfahren. Egon Madsen:
" Das ist eigentlich auch ziemlich überraschend. Das ist kurz!"
Über die Entscheidung, dass ihr Ensemble abgewickelt würde wie ein unrentabel gewordener Betrieb wurde nicht diskutiert, sie wurde schlicht mitgeteilt, sagt Sabine Kupferberg.
" Von unserem Management-Direktor und daran ist alles gescheitert. "
2004 erfand Robert Wilson mit Egon Madsen, David Krügel, Sabine Kupferberg und Gioconda Barbuto das aufwendige phantastische Stück "2 Lips and Dancers and Space", ein grandios geleuchtetes, von den Modedesignern Viktor und Rolf ausgestattetes Spektakel, das wenig Sinn ergab und schrecklich durchfiel. Sabine Kupferberg:
" Wir haben alle damit gerechnet, dass wir mindestens ein Jahr damit auf Tournee sein werden."
Dann aber mochte "2 Lips" kein Theater mehr einladen, denn die Kosten waren gigantisch. Was für eine Fehlkalkulation, und mit was für weit reichenden Folgen. Aber Sabine Kupferberg nennt auch noch andere Entwicklungen, die ihr Sorge bereitet hätten. Die Choreographen ihrer Generation hätten immer sehr persönlich mit ihnen gearbeitet. Jüngere hingegen, so hätte sie das Gefühl, interessierten sich heute stärker für Action, und Tempo...Das Lied, es fehlten der Tanzwelt begabte Choreographen hat eine traurige neue Strophe bekommen.
In Wien feierte das Publikum die phantastischen Fünf aber noch einmal stürmisch - es ließ die berühmten Tänzer erst nach vielen Minuten standing ovations endgültig von der Bühne abgehen.
Das traurige und vollkommen Sinnlose dieses Abschieds offenbarte sich dabei nur zu deutlich. Der Abend bot alles, wofür das Publikum seine "alten Tänzer" so viele Jahre geliebt hatte. Immer hatten die Namen großer Choreographen die Programme geprägt und meistens hatten sich diese Choreographen durch die Arbeit mit den reifen, schauspielerisch faszinierenden Tänzern zu besonderen Arbeiten angeregt gefühlt. Diese intimen, kammerspielartigen Stücke lebten stets von der Gestaltungskraft, dem inneren Reichtum und der Ausstrahlung der Tänzer. In Wien zeigten Gioconda Barbuto und David Krügel noch einmal zwei berührende Pas de deux. "Couple of Moments" hatte der Schwede Johan Inger 1997 für sie entworfen. "Two Faces" schuf Hans van Manen vor fünf Jahren für die beiden. Am Ende stand - wie um dem traurigen Anlass zu trotzen - Jiri Kyliàns tänzerische Geburtstagssahnetorte "Birth-Day". Zum zehnjährigen Bestehen des NDT III uraufgeführt, ist es eine Meisterleistung komischer Schauspielkunst kombiniert mit gefilmten Slapstick-Szenen. Eine kleine dekadente Gesellschaft alternder Rokoko-Casanovas und ihre Gespielinnen amüsieren sich vor und auf der Leinwand, toben wie Dick und Doof durch die Betten, fechten gegen leere Spiegel und backen sich mit Charlie-Chaplin-Bärten maskiert einen Geburtstagskuchen. Dazu regnet es Bettfedern, Mehlstaub und Mozart-Musik.
Nach all dem Gelächter mochte niemand im Theater glauben, dass diese Tänzer sich für immer von der Bühne verabschiedet hätten. Und so ist hoffentlich auch. Wenn alles gut geht, produziert Jiri Kyliàn sein nächstes Stück für die großen Alten als unabhängiges Projekt - 2007 sollen Niklas und Mats Ek, Sabine Kupferberg und Egon Madsen im Schlosstheater Drottningholm in Schweden zu erleben sein.
15 Jahre später sieht man die Dinge weit nüchterner. Das Beispiel NDT III hat nicht nur keine Nachahmer gefunden. Die Compagnie selber ist jetzt aufgelöst worden. Nach Abschiedsvorstellungen in Luxemburg und Den Haag sagten Sabine Kupferberg, Gioconda Barbuto, David Krügel, Gérard Lemaitre und Egon Madsen ihrem Publikum gestern Abend in Wien Adieu. Es war die allerletzte Vorstellung des Ensembles. Für die Tanzwelt war es ein Schock. Das Ende kam vollkommen unerwartet. Die Tänzer selbst sind noch immer fassungslos und enttäuscht. Sie haben von ihrer Kündigung vor einem Jahr erfahren. Egon Madsen:
" Das ist eigentlich auch ziemlich überraschend. Das ist kurz!"
Über die Entscheidung, dass ihr Ensemble abgewickelt würde wie ein unrentabel gewordener Betrieb wurde nicht diskutiert, sie wurde schlicht mitgeteilt, sagt Sabine Kupferberg.
" Von unserem Management-Direktor und daran ist alles gescheitert. "
2004 erfand Robert Wilson mit Egon Madsen, David Krügel, Sabine Kupferberg und Gioconda Barbuto das aufwendige phantastische Stück "2 Lips and Dancers and Space", ein grandios geleuchtetes, von den Modedesignern Viktor und Rolf ausgestattetes Spektakel, das wenig Sinn ergab und schrecklich durchfiel. Sabine Kupferberg:
" Wir haben alle damit gerechnet, dass wir mindestens ein Jahr damit auf Tournee sein werden."
Dann aber mochte "2 Lips" kein Theater mehr einladen, denn die Kosten waren gigantisch. Was für eine Fehlkalkulation, und mit was für weit reichenden Folgen. Aber Sabine Kupferberg nennt auch noch andere Entwicklungen, die ihr Sorge bereitet hätten. Die Choreographen ihrer Generation hätten immer sehr persönlich mit ihnen gearbeitet. Jüngere hingegen, so hätte sie das Gefühl, interessierten sich heute stärker für Action, und Tempo...Das Lied, es fehlten der Tanzwelt begabte Choreographen hat eine traurige neue Strophe bekommen.
In Wien feierte das Publikum die phantastischen Fünf aber noch einmal stürmisch - es ließ die berühmten Tänzer erst nach vielen Minuten standing ovations endgültig von der Bühne abgehen.
Das traurige und vollkommen Sinnlose dieses Abschieds offenbarte sich dabei nur zu deutlich. Der Abend bot alles, wofür das Publikum seine "alten Tänzer" so viele Jahre geliebt hatte. Immer hatten die Namen großer Choreographen die Programme geprägt und meistens hatten sich diese Choreographen durch die Arbeit mit den reifen, schauspielerisch faszinierenden Tänzern zu besonderen Arbeiten angeregt gefühlt. Diese intimen, kammerspielartigen Stücke lebten stets von der Gestaltungskraft, dem inneren Reichtum und der Ausstrahlung der Tänzer. In Wien zeigten Gioconda Barbuto und David Krügel noch einmal zwei berührende Pas de deux. "Couple of Moments" hatte der Schwede Johan Inger 1997 für sie entworfen. "Two Faces" schuf Hans van Manen vor fünf Jahren für die beiden. Am Ende stand - wie um dem traurigen Anlass zu trotzen - Jiri Kyliàns tänzerische Geburtstagssahnetorte "Birth-Day". Zum zehnjährigen Bestehen des NDT III uraufgeführt, ist es eine Meisterleistung komischer Schauspielkunst kombiniert mit gefilmten Slapstick-Szenen. Eine kleine dekadente Gesellschaft alternder Rokoko-Casanovas und ihre Gespielinnen amüsieren sich vor und auf der Leinwand, toben wie Dick und Doof durch die Betten, fechten gegen leere Spiegel und backen sich mit Charlie-Chaplin-Bärten maskiert einen Geburtstagskuchen. Dazu regnet es Bettfedern, Mehlstaub und Mozart-Musik.
Nach all dem Gelächter mochte niemand im Theater glauben, dass diese Tänzer sich für immer von der Bühne verabschiedet hätten. Und so ist hoffentlich auch. Wenn alles gut geht, produziert Jiri Kyliàn sein nächstes Stück für die großen Alten als unabhängiges Projekt - 2007 sollen Niklas und Mats Ek, Sabine Kupferberg und Egon Madsen im Schlosstheater Drottningholm in Schweden zu erleben sein.