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Adaptronik für Krankenwagen und Teleskope

Ingenieurwissenschaften. - Die Welt ist voller unerwünschter Vibrationen, die auf die Nerven gehen, schaden oder das Bemühen eines Mechanikers um Präzision zunichte machen. Adaptronik heißt die Kunst des Gegensteuerns. Ziel der Adaptronik ist es, unerwünschtes Summen, Schwingen und Wackeln technisch zu unterbinden. In Wolfsburg findet derzeit ein Kongress zu diesem Thema statt.

    Auf der Tagung "Adaptronics" summt, schwingt und wackelt es an fast allen Ständen der begleitenden kleinen Ausstellung. An realistischen Beispielen zeigen die Aussteller, was sie gegen die schlechten Vibrationen unternehmen. Andreas Synkowski von der Firma Smart Materials, Dresden, sieht auch im Alltag einen Platz für die Adaptronik: "Man denke nur an Geschirrspüler, die Krach machen und schwingen. Solche Bleche, solche Strukturen kann man mit adaptiven Regelungen beruhigen, das ist eine Anwendung." Smart Materials bekämpft Schwingungen mit einem ganz besonderen Material: einem Gewebe aus piezoelektrischen Fasern, die sich unter dem Einfluss einer elektrischen Spannung strecken oder stauchen können. Die Fasern werden in einen Kunststoff eingewebt und dann als Folie auf ein Blech geklebt. Dort senden sie dann gezielt eine Art Antischall aus. Zunächst zeichnet ein Sensor den ursprünglichen Schall auf, wandelt ihn in elektrische Schwingungen um, die dann den so genannten Aktuator - in diesem Fall die summende Piezofolie von Smart Materials - in mechanische Schwingungen versetzt.

    "Noch vor drei oder vier Jahren sind auf diesem Kongress Absichtserklärungen gemacht worden, und es sind erste Forschungsergebnisse präsentiert worden", sagt Roger Wimmel von der Göttinger ERAS GmbH, einer der Veranstalter der Tagung. "Mittlerweile wird über Systeme in der Anwendung berichtet." Bald dürfte auch ein Krankenwagen im Einsatz sein, dessen Krankenraum ohne Vibrationen über die Straße gleitet. Roger Wimmel: "Man kann Patienten liegend transportieren, ohne dass sie die Unebenheiten der Straße spüren. Es ist mittlerweile gelungen, Kabrio-Karosserien von Schwingungen zu befreien, die vorher unter großen Schwingungsproblemen gelitten haben, weil das Dach fehlte und sie so nicht diese Steifigkeit haben wie eine Limousine." Adaptronik findet man in der Astronomie bei anpassungsfähigen, adaptiven Optiken, die Spiegelteleskopen den klaren Blick ins All gestatten: Schlierenbewegungen der Luft werden durch kompensierende Bewegungen ausgeglichen.

    [Quelle: Mathias Schulenburg]