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Ägypten683 Muslimbrüder zum Tode verurteilt

Menschen reagieren vor dem Gerichtssaal auf das Urteil. (afp / Khaled Desouki)
Menschen reagieren vor dem Gerichtssaal auf das Urteil. (afp / Khaled Desouki)

In Ägypten sind in einem weiteren Massenprozess in der Stadt Minja 683 Muslimbrüder zum Tode verurteilt worden. Die ägyptische Regierung geht seit Monaten massiv gegen die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi vor.

Bereits Ende März waren in einem anderen Prozess in Minja Todesurteile gegen 529 Mursi-Anhänger verhängt worden. Den Angeklagten wurde wegen tödlicher Zusammenstöße mit der Polizei unter anderem Mord vorgeworfen. Hintergrund sind die Auseinandersetzungen nach Mursis Sturz im Juli 2013, bei denen auch Polizisten getötet worden waren.

Unter den heute Verurteilten befindet sich mit Mohammed Badie auch der geistige Führer der Muslimbruderschaft. Die Todesurteile müssen den Angaben zufolge noch vom ägyptischen Mufti bestätigt werden, dem obersten muslimischen Geistlichen. Das gilt normalerweise als Formalität. Zugleich wurden laut Justizkreisen 492 der 529 im März verhängten Todesurteile aufgehoben und zum größten Teil in lebenslange Haftstrafen umgewandelt.

Proteste nach Mursis Sturz als Auslöser

Im August 2013 hatte die Polizei zwei Protestcamps der Muslimbruderschaft in Kairo gestürmt. Damals wurden mehr als 600 Menschen getötet. Die Islamisten in der Provinz Minja hatten gegen die Entmachtung des aus ihren Reihen stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär demonstriert, auch landesweit kam es zu Protesten. Die Muslimbruderschaft wurde später von der Übergangsregierung verboten, weil sie eine terroristische Vereinigung sei.

Inzwischen bereitet sich das Land auf die nächste Präsidentschaftswahl am 26. und 27. Mai vor. Der ehemalige Militärchef Abdel-Fattah al-Sisi, der maßgeblich Mursis Sturz betrieben hatte, gilt dabei als Favorit. Am Wochenende hatte ein Bündnis von Mursi-Anhängern einen Wahlboykott angekündigt und den Urnengang als Farce bezeichnet. Al-Sisis einziger Gegenkandidat ist Hamdin Sabahi, ein linksgerichteter Politiker, der sich bereits einmal um die Präsidentschaft beworben hatte.

(nch/kis)

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