
Der Bürgermeister von Antalya, Muhittin Bocek, gab am Freitagabend die Absage des "Golden Orange Film Festivals" in der Stadt bekannt. Schon einen Tag zuvor hatte das türkische Kultur- und Tourismusministerium seine Unterstützung für die Veranstaltung zurückgezogen.
Streit um Dokumentarfilm zum Putschversuch
Die Behörde warf dem Filmfestival vor, sich hinter angebliche Terrorpropaganda zu stellen. Dabei geht es um den Dokumentarfilm „Kanun Hükmü“ („Das Dekret“). Der Film erzählt von Menschen, die nach dem Putschversuch in der Türkei 2016 entlassen wurden, weil sie den Umsturzversuch unterstützt haben sollen.
Das Kulturministerium wertet den Film als Propaganda für die sogenannte Gülen-Bewegung. Diese wird von der türkischen Regierung für den Putschversuch verantwortlich gemacht. Der im Exil in den USA lebende Anführer Fethullah Gülen bestreitet, daran beteiligt gewesen zu sein.
Zukunft des "Golden Orange Film Festivals" unklar
Nach dem Putschversuch hatte die türkische Regierung unter Präsident Erdogan den Ausnahmezustand verhängt und mehr als 120.000 Staatsbedienstete entlassen. Beobachter sehen darin den Versuch, regierungskritische Menschen aus den Institutionen zu schaffen.
Wie es jetzt für das Filmfestival weitergeht, ist noch unklar. Es gilt als ein Höhepunkt im türkischen Kulturkalender und findet bereits seit 1963 in der Mittelmeerstadt Antalya statt. Dieses Jahr war die Veranstaltung vom 7. bis 14. Oktober geplant.
Diese Nachricht wurde am 01.10.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.