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Fußball-WM der Frauen
Ärger über noch nicht geklärte TV-Übertragungsrechte und Organisationsfragen

Rund drei Monate vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland sorgen Unklarheiten bei der Finanzierung und weiterhin fehlende Medien-Verträge für Irritationen. Ein solcher Prozess sei bei einem Männerturnier nicht vorstellbar, sagte Nationaltorhüterin Almuth Schult dem Deutschlandfunk. Die teilnehmenden Verbände wüssten noch nicht, mit welchem Antrittsgeld sie rechnen könnten und wieviel Geld sie für Unterkünfte einplanen könnten.

14.04.2023
    Deutschlands Torfrau Almuth Schult beim Länderspiel gegen Japan 2019
    "Bei einem Männerturnier unvorstellbar" Nationaltohüterin Almuth Schult kritisiert Verhalten der FIFA (photoarena / Thomas Eisenhuth / imago)
    Sie könne nicht verstehen, wie wenig ernst die Verantwortlichen bei der FIFA den Organisationsaufwand rund um die WM nähmen.

    "FIFA spielt ein obszönes Spiel"

    FIFA-Chef Infantino warf Schult vor, sich mit einem vorgeblichen Einsatz für Gleichberechtigung profilieren zu wollen.Das gelte auch für die Debatte um den Preis der Übertragungsrechte. Die FIFA hatte zuletzt erklärt, es habe in vielen Ländern keine angemessenen Angebote für die Frauenfußball-WM-TV-Rechte gegeben. Um Fußballerinnen die gleichen Möglichkeiten wie ihren männlichen Kollegen bieten zu können, müsse man bei den finanziellen Forderungen bleiben. Infantino hatte an die Adresse der öffentlich-rechtlichen Sender gesagt, die Medienanstalten zahlten 100 Prozent weniger für die Übertragung des Frauenfußballs, dabei seien die Einschaltquoten höchstens 25 Prozent geringer als bei den Männern. Die FIFA spiele ein obszönes Spiel, meinte Schult dazu. Infantino gebe vor, den Spielerinnen das gleiche zahlen zu wollen und wälze die Verantwortung dafür, dass das nicht funktioniere, auf die geringe Zahlungsbereitschaft der Sender ab, sagte Schult, die auch für die ARD als Fußball-Expertin im Einsatz ist.

    Verwunderung angesichts guter TV-Quoten bei der Frauenfußball-EM

    Auch andere Spielerinnen zeigten sich angesichts der noch immer nicht vergebenen Übertragungsrechte in Deutschland irritiert. Dass immer noch offen sei, ob und wo die WM-Partien in Deutschland zu sehen sein werden, wundere sie sehr, sagte Nationalspielerin Kathrin Hendrich der "Sport Bild". Schließlich seien die TV-Quoten bei der Europameisterschaft der Frauen im vergangenen Jahr stark gewesen.
    Teamkollegin Sydney Lohmann zeigte sich optimistisch, dass noch eine Einigung zustande kommen könnte. Für die Entwicklung des Frauenfußballs sei es essenziell, dass die WM-Partien gesehen würden.
    Wegen der Zeitverschiebung laufen die Gruppenphasen-Spiele der deutschen Mannschaft gegen Marokko, Kolumbien und Südkorea zur unbeliebten Sendezeit am frühen Morgen.
    Mehr Informationen zur Vergabe der Übertragungsrechte finden Sie in diesem Beitrag.
    Diese Nachricht wurde am 14.04.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.