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"Interview der Woche"
Ärzte-Präsident Reinhardt gegen Legalisierung von Cannabis

Der Präsident der Bundesärztekammer, Reinhardt, hat sich gegen die von der Bundesregierung geplante Cannabis-Legalisierung ausgesprochen. Zur Begründung sagte er im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks, der illegale Handel mit der Droge werde durch eine Legalisierung nicht gestoppt.

26.05.2023
    Reinhardt während einer Ansprache.
    Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer fordert im Deutschlandfunk, die geplante Cannabis-Legalisierung zu stoppen. (picture alliance/dpa)
    Als Beispiel führte Reinhardt die Situation in Kanada an, wo die Abgabe von Cannabis bereits in gewissem Rahmen legalisiert ist. Dennoch würden hier noch immer 40 Prozent der Drogen illegal gehandelt. Damit sei bei einem großen Anteil von gehandeltem Canabis gar nicht klar, was genau erworben werde - auch deshalb weil dort Canabis mit THC-Konzentrationen angeboten werden, die es im legalen Markt nicht gebe. Die gesetzlichen Wirkstoffbeschränkungen sind auch in Plänen des Gesundheitsministers enthalten. Deshalb sei die Vorstellung mit der Legalisierung den illegalen Handel auszutrocknen falsch.
    Die Bundesregierung will Cannabis noch in diesem Jahr teilweise legalisieren. Der Ärztekammer-Chef zeigte sich auch skeptisch, ob sich insbesondere der Konsum bei jungen Menschen nach einem zu erwartenden Anstieg durch eine Freigabe wieder zurückentwickeln werde. Gerade für diese Altersgruppe sei Cannabis nachgewiesen ein ernsthaftes Problem und schädlich. Der entsprechende Gesetzentwurf der Bundesregierung gehöre deshalb - so Reinhardt wörtlich - in die Tonne.

    Reinhardt sieht Notwendigkeit für geplante Klinikreform

    Keine Zweifel lässt Reinhardt dagegen an der geplanten Krankenhausreform des Gesundheitsministers aufkommen. Diese sei notwendig. Bei den geplanten Änderungen jedoch von einem "Klinikkahlschlag" zu sprechen, sei Panikmache. Eine Pleitewelle von Krankenhäusern trete nur dann ein, wenn sich nichts an der finanziellen Schieflage der Kliniken ändere. Verantwortlich dafür seien auch die Bundesländer, die in der Vergangenheit ihren Finanzierungsaufgaben nicht nachgekommen seien. Daher stünden nicht wenige Krankenhäuser vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Vor diesem Hintergrund sei die Reform wichtig.
    Das Reformkonzept von Bundesgesundheitsminister Lauterbach sieht vor, dass die Kliniken zukünftig in die drei Kategorien Grundversorgung, Schwerpunktversorgung sowie Maximalversorgung eingeordnet werden. Zudem ist eine Änderung des Vergütungssystems geplant.
    Diese Nachricht wurde am 26.05.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.