Demokratische Republik Kongo
Ärztin Dörnemann: Ebola-Ausbruch durch falsche Testung und Probleme im Gesundheitssystem

Die Kinderärztin Jenny Dörnemann geht davon aus, dass sich das Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo schon länger unentdeckt ausgebreitet hat. Ein Grund seien unzureichende Testmöglichkeiten vor Ort, sagte die Medizinerin vom Universitätsklinikum Dresden im Deutschlandfunk.

    Eine Gesundheitsmitarbeiterin in Mongbwalu (Demokratischen Republik Kongo) bereitet Desinfektionsmittel vor.
    Eine Gesundheitsmitarbeiterin in Mongbwalu (Demokratischen Republik Kongo) bereitet Desinfektionsmittel vor. (AFP / SEROS MUYISA)
    Möglicherweise habe man in der Frühphase an Ebola gedacht, jedoch nicht gezielt auf den dort grassierenden ”Bundibugyo”-Typ des Virus getestet, so Dörnemann. Daher könnten Tests negativ ausgefallen sein. Auch ein bewaffneter Konflikt in der Region erschwere die Diagnose. "Die Bevölkerung hat deshalb nur eingeschränkten Zugang zu den Gesundheitseinrichtungen." Viele Menschen gingen aus Angst nicht zur nächstgelegenen Behandlungsstation.

    Gesundheitssystem unterfinanziert, zu wenig Personal

    Dörnemann, die für die Organisation Ärzte ohne Grenzen 2014 und 2015 während des großen Ebola-Ausbruchs in Westafrika im Einsatz war, verweist auf ein strukturelles Problem. Das Gesundheitssystem im Osten der Demokratischen Republik Kongo sei unterfinanziert. Es fehle Personal. Zudem sei das vorhandene Personal nur ausgebildet, die häufigsten Krankheiten zu behandeln. "Bei Krankheiten, die nicht in das Bild passen, wird möglicherweise nicht die richtige Diagnose gestellt."
    Nach Angaben der örtlichen Behörden ist die Zahl der Ebola-Verdachtsfälle auf über 900 gestiegen. 204 der Erkrankten seien mittlerweile gestorben, heißt es. Der Ebola-Ausbruch hatte in der nordöstlichen Provinz Ituri begonnen. Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet, dass die tatsächliche Fallzahl deutlich höher liegt. Auch im Nachbarland Uganda wurden mehrere Ansteckungen bestätigt.
    Für den "Bundibugyo"-Typ des Virus gibt es derzeit weder einen Impfstoff noch eine zugelassene Therapie. Das von dem Virus ausgelöste Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Übertragen wird es durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten.
    Diese Nachricht wurde am 25.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.