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AfghanistanNATO-Einheiten in Kämpfe um Kundus verwickelt

Ein hellbrauner gepanzerter Wagen und mehrere bewaffenete Sicherheitsleute verlassen gerade einen gesicherten Kontrollposten. Auf dem Wagen ist eine Kabine mit einem MG-Schützen. (AFP / Nasir Waqif)
Afghanische Sicherheitskräfte in der Nähe des umkämpften Kundus (AFP / Nasir Waqif)

Die Gegenoffensive der afghanischen Armee gegen die Taliban zur Rückeroberung von Kundus ist bislang offenbar wenig erfolgreich. Seit der Nacht greifen die Aufständischen sogar den Flughafen an, der bislang als sicher galt. In die Gefechte wurden auch Nato-Soldaten verwickelt, die eigentlich beobachten und beraten wollten.

Nach US-Angaben hatten sich die NATO-Beobachter in der Nacht in der Nähe des Flughafens Schusswechsel mit Taliban-Kämpfern geliefert. Zur Nationalität der Soldaten wurden keine Angaben gemacht. Gestern waren elf Bundeswehr-Soldaten aus Masar-i-Scharif am Flughafen eingetroffen, um die Lage zu erkunden. 

Die Taliban hatten den Flughafen in der Nacht angegriffen, wurden aber nach Angaben der afghanischen Armee wieder ein Stück zurückgedrängt. Die Gegenoffensive der Streitkräfte hatte gestern zunächst Erfolge gebracht: Die Armee meldete die Rückeroberung einer Polizeistation und des Provinzgefängnisses. Auch in der Stadt wird weiterhin gekämpft. Die US-Armee unterstützt die Streitkräfte mit Luftangriffen. 

Die Taliban hatten Kundus am Montag aus mehreren Richtungen angegriffen und eingenommen. Kundus ist die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Rebellen erobert wurde. Für die Regierung in Afghanistan ist das ein herber Rückschlag.

Diskussion über deutschen Truppenabzug

Die jüngsten Taliban-Erfolge haben in der deutschen Politik zu einer Diskussion darüber geführt, ob der deutsche Einsatz in dem Land noch einmal verlängert werden soll. In Masar-i-Scharif bilden deutsche Soldaten auch nach dem Ende des internationalen NATO-Einsatzes 2014 afghanische Soldaten aus.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen warnte vor überstürzten Entscheidungen. Man sollte dies von der Lage abhängig machen, sagte sie in Berlin. Erfahrungen im Irak hätten gezeigt, dass es wichtig sei, ein fragiles Land nicht zu früh sich selbt zu überlassen. Der frühere Bundesverteidigungsminister und stellvertretende Unions-Fraktionschef Franz-Josef Jung forderte eine Überprüfung des für kommendes Jahr geplanten Truppenabzugs. Ähnlich äußerten sich die SPD-Politiker Wofgang Hellmich und Rainer Arnold. Der frühere deutsche Nato-General Egon Ramms sagte im Deutschlandfunk, man dürfe nicht einfach zusehen, wie die Taliban die Macht in Afghanistan an sich zögen. Die Linkspartei verlangte dagegen den Abzug der deutschen Soldaten.

Auch der IS erstarkt

Der EU-Sonderbeuftragte für Afghanistan, Franz-Michael Mellbin, warnte vor einem Erstarken auch der IS-Terrormiliz in dem Land. Er schrieb in einem Gastbeitrag für die "Welt", der IS habe sich dort neu formiert. Die Islamisten ermordeten in den von ihnen kontrollierten Gebieten brutal Stammesführer, nähmen ganze Familien gefangen und verhängten rigorose Regeln für Frauen. 

(mg/dk))

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