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StartseiteForschung aktuellTierseuchenschutzübung in Oberschwaben12.11.2018

Afrikanische SchweinepestTierseuchenschutzübung in Oberschwaben

Seit einigen Jahren grassiert die Afrikanische Schweinepest in Osteuropa und wandert immer weiter Richtung Westen. Behörden verschiedener Bundesländer versuchen derzeit, sich auf einen möglichen Ausbruch der Seuche in deutschen Schweinebeständen vorzubereiten. Im Kreis Biberach probte man jetzt den Ernstfall.

Von Karl Urban

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Ein Mitarbeiter des Veterinärzugs Ravensburg desinfiziert den Anhänger eines Autos. (Karl Urban)
Ein Mitarbeiter des Veterinärzugs Ravensburg desinfiziert den Anhänger eines Autos. (Karl Urban)
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Am Rand von Warthausen, südwestlich von Ulm startet eine Drohne mit vier kleinen Rotoren. Sie steigt bis auf 80 Meter Höhe. Bald ist sie ist durch den Herbstnebel kaum noch sichtbar. Eine Wärmebildkamera an Bord wird auf das Waldstück darunter gerichtet, wo Jäger versuchen, Wildschweine aufzuspüren.

"Wir versuchen nur Schweine zu lokalisieren. Das ist das einzige, was wir mit Drohnen können, das muss man ganz klar sagen." 

Dieter Mielke ist Kreisjägermeister im Landkreis Biberach und einer von knapp 300 Beteiligten einer Übung, bei der drei Tage lang ein möglicher Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest erprobt wurde. Jäger, Landwirte, Vertreter aus Landesministerien, Veterinärbehörden und vom Katastrophenschutz spielten den Fall durch, dass die Afrikanische Schweinepest hier auftritt: im Kreis Biberach, in dem auch 200.000 Hausschweine gehalten werden.

Die Schweinepest nähert sich Deutschland

Die Sorge ist berechtigt: Nachdem die Tierseuche zuerst in Russland und im Baltikum grassierte, sind inzwischen auch Rumänien und andere osteuropäische Staaten wie Polen und Tschechien betroffen. Im September fanden die Behörden ein an Afrikanischer Schweinepest verendetes Wildschwein im Süden von Belgien. Gefahr für den Menschen besteht nicht – denn der Erreger kann nur Wild- und Hausschweine infizieren. Doch an einem infizierten Tier, egal ob im Wald oder im Stall, können sich schnell weitere Schweine anstecken.

"Wie heißt der Spruch dann bei Erfolg? / Weidmannsheil!"

In einem angrenzenden Waldstück haben derweil die Jäger im Rahmen der Übung zwei Wildschweinkadaver abgelegt, ein darauf angesetzter Jagdhund hat sie aufgestöbert.

"Der Fundort ist natürlich auch in der Realität mit Flatterband abgegrenzt. Es soll ja niemand hier rankommen können."

Der Erreger kann monatelang in der Umwelt überleben

Jäger in Ganzkörper-Schutzanzügen mit Gesichtsmaske verpacken die Übungskadaver luftdicht. Sie desinfizieren den Waldboden mit Kalk. Auf dem Gelände der nahegelegenen Tierkörper-Beseitigungs-Anlage haben währenddessen Katastrophenschützer eine Schleuse für die Fahrzeuge der Jäger aufgebaut: Denn der Schweinepesterreger kann im Dreck eines Radkasten problemlos monatelang überleben. In einer gut 50 Meter langen, flachen Gummiwanne wird der Kleinwagen der Jäger deshalb von oben bis unten einem Desinfektionsmittel abgespritzt.

Schließlich wird den toten Wildschweinen aus der Nase eine Probe entnommen, die im Ernstfall Gewissheit bringen würde: Ist das Tier befallen oder nicht? Doch trotz der Vorbereitung und der nun erfolgreich erprobten Reaktion unterschiedlicher Behörden und Akteure: Im Falle eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland wäre guter Rat teuer.

Ein Ausbruch der Schweinepest käme die Landwirtschaft teuer zu stehen

Von der Schweinepest betroffene Landwirte müssten ihren Bestand töten lassen, die stark für den Export produzierende Fleischbetriebe hätten mit enormen Preiseinbrüchen zu kämpfen. Und obwohl Wildschweine eine wichtige Rolle spielen, das Virus regional zu verbreiten: Über weite Distanzen ist vermutlich ein ganz anderer Verbreitungsweg entscheidend, erläutert der Tierseuchenexperten im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium, Gerhard Kuhn.

"Die Leute bringen Produkte von infizierten Schweinen oder Wildschweinen mit. Ich sage jetzt Lebensmittel. Die werden dann an Rastplätzen weggeschmissen, anstatt sie in die Mülltonnen oder in die Abfallbehälter zu werfen. Die Wildtiere suchen da natürlich nach diesen Lebensmitteln und dabei findet eine Übertragung statt." 

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