Mehr als ein Dutzend Medikamente sind inzwischen für die HIV-Therapie zugelassen. Mit einer Kombinationen von drei und mehr Medikamenten, ist es möglich, die Vermehrung des Virus gezielt zu bremsen und so einen Ausbruch der Immunschwächekrankheit AIDS um Jahre hinaus zu zögern.
Auf der anderen Seite treten die Schattenseitenseiten der sogenannten "Hochaktiven Anti-Retroviralen Therapie" immer deutlicher in den Vordergrund.
Je nach Wahl der Medikamenten-Kombination reichen die unerwünschten Nebenwirkungen von Übelkeit, Kopf- und Nervenschmerzen über Hautveränderungen bis hin zu Entzündungen der Blutgefäße oder innerer Organe.
Sorge bereitet den Ärzten insbesondere eine Langzeitfolge der Medikamentenbehandlung: das so genannte Lipodystrophie-Syndrom.
Eine Störung der Verteilung der Fettdepots im Körper. Das Fett verschwin-det aus Gesicht, Armen und Beinen und sammelt sich im Nacken- und Bauchbereich an.
Für viele Betroffene mehr als ein kosmetisches Problem. Sie fürchten, durch die Folgen der Fettstoffwechselstörung schon rein äußerlich als HIV-Patienten erkennbar zu sein. Prof. Lutz Gürtler von der Universität Greifswald.
Auf der anderen Seite erreichen wir natürlich bei einem Drittel der so behandelten ein fast normales Leben und das sollte man, bei allen Nebenwirkungen, die es gibt, auch wirklich nicht vergessen.
Ein fast normales Leben, das heißt für viele HIV-Patienten, dass sie dennoch - je nach Kombination der Medikamente - mehr als zwei Dutzend Pillen täglich schlucken müssen.
Zu festgelegten Zeiten, mal auf nüchternen Magen, mal nach einer Mahlzeit. Oder zu bestimmten Nahrungemitteln wie Orangen-Saft, damit immer ausreichend Wirkstoff im Blut gelangt. Ansonsten bekämen die Viren Gelegenheit, unempfindlich zu werden gegen ein oder mehrere Wirkstoffe.
Die HIV-Behandlung einfacher zu machen, das ist ein Hauptziel der AIDS-Forschung. So müssen immer mehr Medikamente - so auch das jüngst zugelassene "Viread" nur noch einmal am Tag eingenommen werden. Anstatt dreimal täglich wie vergleichbare Präparate. Aber auch ganz neue Medikamente sind in der Entwicklung.
So existieren inzwischen Wirkstoffe, die Weiße Blutkörperchen vor einer Infektion mit dem HI-Virus schützen sollen. Diese sogenannten Fusions-Hemmer verhindern, dass die AIDS-Viren an die Zellen andocken und dann in die Zelle eindringen, um sich dort weiter zu vermehren.
Das Konzept ist an sich erfolgversprechend. Der Nachteil ist, dass Fusions-Hemmer nicht als Tablette geschluckt werden können. Noch müssen sie gespritzt oder als Infusion verabreicht werden.
Trotz aller Fortschritte gilt nach wie vor: AIDS ist nicht heilbar. Um so dringender gebraucht wird ein Impfstoff. Aber auch nach 20 Jahren AIDS-Forschung kann niemand sagen, wie er aussieht - der ideale Impfstoff, der zu 100 Prozent vor einer Ansteckung mit dem AIDS-Virus HIV schützt. Es gibt viel mehr Fragen als Antworten. Dennoch wird inzwischen ein erster Impfstoff-Kandidat in großen Feldversuchen am Menschen getestet: In Thailand und den USA.
Der Impfstoff enthält Bruchstücke aus der Virushülle - ein Eiweiß mit Namen gp120. Das Immunsystem soll lernen, dieses Viruseiweiß zu erkennen und mit Abwehrmolekülen anzugreifen.
Ob das Konzept aufgeht, wird sich frühestens in einem Jahr zeigen. Dann liegen erste Ergebnisse der Studie vor. Grundlagenforscher sind skeptisch. José Esparza von der Weltgesundheitsorganisation WHO kennt die Argumente.
Manche Leute sagen: der Impfstoff wird nicht wirksam schützen. Sie sagen, nur mit noch mehr Grundlagenforschung lässt sich ein besserer Impfstoff entwickeln. Die Diskussion geht hin und her. Meinungen sind gut. Aber Impf-Versuche sind besser. Denn nur sie geben uns die Antwort.
Eine weitere Impfstoff-Studie hat gerade in Kenia und Großbritannien begonnen. Dieser Impfstoff soll vor der Ansteckung mit Virus-Varianten schützen, die in Afrika besonders verbreitet sind.
Wichtige Gene des AIDS Virus werden dabei in den Körper geschleust. Mit Hilfe eines harmlos gemachten Hühner-Pocken-Virus. Die Idee: das Hühnerpocken-Virus soll das Immunsystem zusätzlich auf Trab bringen.
Es gibt eine Fülle weiterer Impf-Ideen. Bakterien könnten als Taxi für Virus-Gene genutzt werden. Mit reiner Erbinformation des HI-Virus könnte geimpft werden, oder mit kleinen Viruspartikeln - sogenannten Peptiden. Von 60 - 70 potentiellen Impf-Substanzen hat bislang weniger als eine Handvoll den Weg aus dem Labor in die praktische Testung geschafft. José Esparza fordert deshalb weitere Feldstudien. Nur so, glaubt er, kann aus einem schlechten Impfstoff ein besserer werden.
Die Frage ist natürlich, ob sich unvollkommene Schutzimpfungen dennoch sinnvoll einsetzen ließen. Denn: solch eine Impfung dürfte nicht dazu führen, dass sich Menschen in falscher Sicherheit wiegen. Und wegen der Impfung zu riskanten Sexualpraktiken zurückkehren. Die Folgen wären verheerend.
Impfstoffe könnten eines Tages trotzdem zum Einsatz kommen - als ein Baustein in einem umfassenden Präventions-Programms. Ob mit oder ohne Impfung: Kondome bleiben auf absehbare Zeit der wichtigste Schutz vor AIDS.