Donnerstag, 22. Februar 2024

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Alice Munro und Georg Büchner in einer zweigeteilten Langen Nacht

In Abänderung des Programms widmen wir der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro die erste Stunde der "Langen Nacht". Im Anschluss folgt die literarische Collage über Georg Büchner: "Ich habe darüber meine eigenen Gedanken".

12.10.2013
    Das Fortschreiten der Liebe!
    Eine Lange Nacht über die kanadische Schriftstellerin Alice Munro

    Von Anne Ipsen und Daniela Kletzke

    Alice Munro kam 1931 im kanadischen 3000-Seelen-Städtchen Wingham zur Welt, am falschen Flussufer, wo illegal mit Alkohol gehandelt wurde und Kinder und Erwachsene gefährliche Kämpfe austrugen.

    Auch alle späteren Stationen ihres Lebens - das Stummwerden in der Hausfrauenrolle, das Aufatmen und die Glücksuche der 70er-Jahre, Selbstbehauptung, Abschiede und Alter - hat sie kühn und mitfühlend in Short Stories beschrieben und dabei eine Geschichte der Gefühlslagen und Lebensumbrüche im 20. Jahrhundert geschaffen, auch eine Chronik der Aufbrüche von Frauen.

    Mit archäologischer Lust und Präzision verfolgt sie Familiengeschichten bis in die Zeit der ersten weißen Siedler in Kanada zurück. Fast immer geht es dabei um Liebe, ihre Formen, Verwandlungen, ihren Verlust und ihr Fortwirken. Schriftstellerkollegen bewundern Alice Munro als Meisterin der kurzen Form.

    In der "Langen Nacht" durchstreifen wir die Straßen von Munros Imagination. Es gibt kaum ein größeres Vergnügen, als die Handlungsreisenden, Schlachter, Bibliothekarinnen, verkrachten Ehepaare und trotzigen Kinder in den Hinterzimmern kennenzulernen.

    Zum Nobelpreis für Alice Munro senden wir diesen einstündigen Auszug aus einer der Autorin gewidmeten Langen Nacht "Das Fortschreiten der Liebe" vom 09.07.2011.



    "Ich habe darüber meine eigenen Gedanken"
    Georg Büchner in einer Langen Nacht


    Eine Collage aus Briefen, Dichtungen und Dokumenten gestaltet von Hans Bräunlich

    Im Zentrum dieser "Langen Nacht" steht ein zweistündiges Büchner-Porträt: eine Art innere Autobiografie aus Briefen, dem dichterischen Werk und aus Zeitdokumenten über Büchner zu einer szenischen Collage gestaltet.

    Vor 200 Jahren, am 17. Oktober 1813, wurde Georg Büchner geboren und starb, gerade mal 24-jährig, 1837. Doch welch ein Werk hat Georg Büchner in nur drei Jahren Arbeit hinterlassen: herausragende Theaterstücke wie "Dantons Tod", "Woyzeck" und "Leonce und Lena". Dazu die Novelle "Lenz" und die polemische Flugschrift "Der hessische Landbote". Viele Briefe sind überliefert, die seine Gedanken und Hoffnungen enthalten.

    Die moderne deutsche Literatur ist ohne Georg Büchner nicht vorstellbar. Wohl auch deshalb trägt der wichtigste Literaturpreis für deutschsprachige Autorinnen und Autoren, verliehen von der Akademie für Sprache und Dichtkunst, seinen Namen. 1985 erhielt Heiner Müller den Büchner-Preis. In seiner Dankesrede sprach er von der immer noch "offenen Wunde Büchner".

    Kaum ein anderer die Zeiten überdauernder Autor enthüllt mit derart gedanklicher Klarheit und poetischer Lakonie die Brutalität menschlicher und sozialer Widersprüche, wie Georg Büchner: "Was ist das, das in uns lügt, mordet, stiehlt?"

    Aus urheberrechtlichen Gründen können wir diese Lange Nacht leider nicht zum Nachhören anbieten.

    Annotationen zur Langen Nacht Georg Büchner

    Ich habe darüber meine eigenen Gedanken ...
    Georg Büchner
    Litera Verlag
    Georg Büchner
    Dichtung, Politik, Wissenschaft, Briefwechsel
    Hessische Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt
    Büchner-Archiv
    Die Hessische Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt hat die Aufgabe, die Literatur über ihre Region bzw. ihre Stadt möglichst umfassend zu sammeln, zu verzeichnen und für die allgemeine Benutzung, am Ort und nach auswärts, bereitzuhalten. Diese Sammelaufgabe erstreckt sich auch auf Persönlichkeiten, die in dieser Region geboren und mit ihr verbunden sind, also Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler, Politiker usw. Inbegriffen sind dabei auch ungedruckte Materialien von diesen Persönlichkeiten oder über sie, ihre Nachlässe, Manuskripte, Briefe, Aufzeichnungen und ähnliches. Diese Sammelaufgabe schließt für die Darmstädter Bibliothek auch Persönlichkeit, Leben und Werk Georg Büchners (1813-1837) mit ein. In jüngerer Zeit, d. h. seit der "Wiederentdeckung " Büchners, hat die Bibliothek durchgängig Literatur über ihn gesammelt, wobei jedoch durch den Krieg Verluste eingetreten sind.

    Georg Büchner Gesellschaft e.V.
    Georg Büchner Jahrbuch

    Forschungsstelle Georg Büchner

    Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung e.V. Darmstadt
    Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt wurde am 200. Geburtstag Goethes, dem 28. August 1949, in der Paulskirche zu Frankfurt gegründet. Ihre Mitglieder sind Schriftsteller und Wissenschaftler, die mit ihrem Werk die deutsche Sprache und Literatur bereichert und erforscht haben und sie überzeugend repräsentieren. Die Akademie vergibt seit 1951 den angesehensten deutschen Literaturpreis, der den Namen Georg Büchners trägt.
    Büchnerhaus Riedstadt
    Das Büchnerhaus ist eines der wenigen authentischen Zeugnisse des Lebens dieses Mannes von literarischem und sozialpolitischem Weltrang.
    Die Gemeinde Riedstadt hat das unter Denkmalschutz stehende Geburtshaus Georg Büchners im Ortsteil Goddelau erworben. Sie brachte die Hälfte der auf über eine Million DM bezifferten Sanierungskosten auf. Bauträger ist der Förderverein Büchnerhaus e.V., der das Anwesen zu einer würdigen und lebendigen Gedenkstätte hergerichtet hat.
    Büchnerhaus
    Weidstraße 9 64560 Riedstadt/Goddelau

    Büchner-Bühne
    Aktuelle Neuerscheinungen:
    Georg Büchner
    von Kurzke, Hermann
    Geschichte eines Genies.
    2013 Beck
    Georg Büchner (1813 - 1837) ist bisher vorwiegend als politischer Agitator, Frühsozialist und Vorläufer der 1848er Revolution betrachtet worden. Das Menschliche kam dabei zu kurz, ebenso das Künstlerische, das Romantische, das Psychologische, das Metaphysische und die wildwüchsige Religiosität.
    Aufsässig und melancholisch, satirisch aggressiv und romantisch verträumt, politisch gescheitert und steckbrieflich gesucht, in mindestens zwei Frauen verliebt, Naturliebhaber und eiserner Arbeiter, im französischen und schweizerischen Exil steile Karriere als Anatom, dann der schreckliche Typhustod mit 23 Jahren, gerade als das erste Berufsziel erreicht war - dieses Leben verschlägt einem den Atem. Die politische Flugschrift, deren Verfasser er war, löst eine Verfolgungs- und Verhaftungswelle aus. Er kann fliehen, fühlt sich aber schuldig, meidet fortan politische Aktionen und steckt seine Kraft in Wissenschaft und Dichtung. Er schreibt seine Dramen (Dantons Tod, Leonce und Lena, Woyzeck) und seine Erzählung (Lenz) autobiographisch und quellengestützt, das erklärt sein Tempo. Die autobiographischen Elemente wurden bisher unterschätzt. Sie bilden die wichtigste Quelle dieses Buchs. Es sucht nach dem Bedingungsgeflecht der Genialität. Die Kräfte, für die das Leben keinen Raum bietet, drängen ins Werk. Hermann Kurzke deutet Büchners Leben und Werk von den geistigen Wurzeln her, die Büchner selbst wichtig waren - wissenschaftlich fundiert und erzählerisch auf höchstem Niveau.


    Georg Büchner
    von Hauschild, Jan-Christoph
    Verschwörung für die Gleichheit.
    2013 Hoffmann und Campe
    "Das Leben ist überhaupt etwas recht Schönes."
    Georg Büchner starb im Alter von nur 23 Jahren im Zürcher Exil. Da hatte er ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen, vier Werke verfasst, die heute zur Weltliteratur zählen, und galt wegen seiner Mitarbeit am "Hessischen Landboten" als "Hochverräter", nach dem die Justizbehörden seiner Heimat steckbrieflich fahndeten. Sein Leben stand im Zeichen eines Traums: eine Gesellschaft, in der alle Menschen in gleicher Weise ihre Glücksansprüche verwirklichen können - dafür kämpfte er mit aller Konsequenz.
    Jan-Christoph Hauschild recherchierte in zahlreichen Bibliotheken im In- und Ausland und legt nun über den vielgerühmten und vielgelesenen Autor eine Biographie vor, die sich zwischen spannender Nacherzählung und faktengestützter Rekonstruktion bewegt und die Person Georg Büchner auf besondere Art greifbar macht.
    Die ungewöhnliche Perspektive ergibt in der Zusammenschau spannende biografische Einblicke wie auch glänzende Interpretationen zu den Werken Georg Büchners.

    Georg Büchner
    von Hofmann, Michael; Kanning, Julian;
    Epoche - Werk - Wirkung.
    Arbeitsbücher zur Literaturgeschichte
    2013 Beck
    Georg Büchner ist der "widerständige Klassiker", der Klassiker in Opposition zum Klassizismus, der Lieblings-Klassiker all derer, die eigentlich gegen Klassiker sind. Attraktiv erscheint die Verbindung von politischem Engagement, Anti-Klassizismus und einem Geist der Moderne, der sich bereits bei diesem Autor der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erkennen lässt.
    Das Arbeitsbuch zeigt Büchner in der Konfrontation mit literarischen, wissenschaftlichen und weltanschaulichen Strömungen seiner Zeit - und es zeigt, dass die Spannung zwischen politischem Engagement und modernistischer Skepsis ein literarisches Werk entstehen ließ, das heute noch aktuell und aufwühlend erscheint.

    Georg Büchners Frauen
    von Hauschild, Jan-Christoph
    2013 DTV
    Georg Büchner (1813 1837) gilt trotz seines schmalen OEuvres als einer der innovativsten deutschsprachigen Dramatiker. In seinen Werken reicht die "Skala der Liebe" von bürgerlicher Sittsamkeit bis zu ausschweifender Sinnlichkeit. War der Dichter selbst vielleicht ein Schürzenjäger, ein erotischer Freigeist? Wie verhalten sich Poesie und Wirklichkeit zueinander im Faktencheck? In zwanzig Einzelporträts begibt sich der Büchner-Kenner Jan-Christoph Hauschild erstmals auf Spurensuche bei Büchners "Frauen": den realen, mit denen er Raum und Zeit teilte, und jenen weiblichen Geschöpfen, die Imaginationen seiner dichterischen Phantasie waren.