Suchtexperten
Alkohol an 200 verschiedenen Krankheiten beteiligt

Alkoholkonsum führt nach Einschätzung von Suchtexperten in Deutschland jedes Jahr zu rund 44.000 Todesfällen. Wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen bei der Veröffentlichung ihres Jahrbuchs in Hamm mittteilte, gehört Alkohol damit zu den führenden vermeidbaren Todesursachen.

    Viele Flaschen mit Alkohol stehen auf einem Tisch. Eine Hand hält ein Glas Rotwein vorne ins Bild.
    Alkoholsucht führt zu vielen Todesfällen (Archivbild). (IMAGO / Daniel Scharinger)
    Demnach weisen mindestens 3,86 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren hierzulande ein problematisches Trinkverhalten auf. Fachleute gingen jedoch davon aus, dass diese Zahlen die tatsächliche Verbreitung eher unterschätzten. Rund 1,7 Millionen Erwachsene tränken Alkohol missbräuchlich, 2,16 Millionen seien alkoholabhängig.
    Nach Definition des Katholischen Hilfswerks Caritas führt missbräuchlicher Konsum zu körperlichen, seelischen und/oder sozialen Schäden. Die Schwelle zur Alkoholabhängigkeit sei erreicht, wenn jemand Alkohol brauche, um sich wohl zu fühlen.

    Kein unbedenklicher Konsum

    Die Suchtmedizinerin und Mitautorin des DHS-Jahrbuchs, Francesca Borlek, warnte vor einem Unterschätzen der Gefahren: "Es gibt keinen gesundheitlich unbedenklichen oder gar gesundheitsförderlichen Konsum". Schon gelegentliches Trinken gehe mit einem steigenden Risiko für gesundheitliche Schäden einher. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) stünden alkoholische Getränke mit bis zu 200 verschiedenen Krankheiten in Zusammenhang.
    Bei Männern gingen etwa sieben Prozent aller vorzeitigen Todesfälle auf Alkoholkonsum zurück. Frauen würden insgesamt zwar meist weniger Alkohol als Männer trinken, doch diese Lücke verringere sich zunehmend, hieß es. Bei gleichem Konsumniveau erlitten sie oft schwerere gesundheitliche Schäden.
    Zwischen 2019 und 2024 habe jede Person ab 15 Jahren aufwärts im Schnitt 10,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr getrunken - dabei seien sowohl diejenigen berücksichtigt, die Alkohol trinken, als auch Menschen, die komplett abstinent leben. Die Hauptstelle forderte, die Steuern auf Alkohol zu erhöhen sowie die Verfügbarkeit einzuschränken.
    Diese Nachricht wurde am 16.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.