Karin Fischer: Meßkirch in Baden-Württemberg ist nicht nur die Heimat von so bekannten Größen wie Martin Heidegger oder Arnold Stadler. Demnächst wird das Städtchen die Heimstatt eines Projektes werden, das auf ideale Weise anschaulichen Geschichtsunterricht, harte Wissenschaft und touristische Großattraktion zu verbinden mag. In Meßkirch entsteht ab 2013 nämlich eine komplette mittelalterliche Klosterstadt, und das unter originalen historischen Bedingungen. Das heißt zum Beispiel, dass nicht Maschinen, sondern Ochsenkarren die Baumaterialien vor Ort bewegen. - Frage an Bert M. Geurten, den Initiator des Projektes, in Aachen zu Hause: Wie kamen Sie denn auf das Vorhaben?
Bert M. Geurten: Ich habe Bildungsfernsehen gesehen, arte, und da habe ich einen Bericht gesehen über Guedélon in Frankreich. Dort baut man seit 13 Jahren eine Burg wie im 13. Jahrhundert. Das hat mich fasziniert, aber ich wollte keine zweite Burg bauen, sondern da fiel mir direkt ein der Klosterplan von St. Gallen, den ich als junger Mann mal als Modell auf einer Karlsausstellung in Aachen gesehen habe, und das fand ich faszinierend, weil dieser Plan nie gebaut worden ist, aber ein wissenschaftlich hochinteressanter Plan ist.
Fischer: Ich kann mich erinnern, dass ich neulich in St. Gallen war und diese Konstruktionszeichnungen, ich weiß nicht, auf Pergament oder Ziegel noch gesehen habe. Was ist das Besondere daran?
Geurten: Es ist die älteste erhaltene Architekturzeichnung von der Antike bis ins frühe Mittelalter und es ist ein Prototyp eines karolingischen Großklosters, es ist eine Stadt des neunten Jahrhunderts, denn der Mönch sollte die Stadt nicht verlassen, damit er nicht den bösen Frauen begegnet, deshalb eben eine ganze Stadt, und das fand ich einfach faszinierend, das zum ersten Mal 1200 Jahre später mit den Mitteln des neunten Jahrhunderts zu bauen, und bei uns ist ja auch das Bauen das Ziel, deshalb 40 Jahre.
Fischer: Was bauen Sie ganz konkret und vor allem wie genau bauen Sie das dann?
Geurten: Wir bauen 52 Gebäude, dazu zählt der Hühnerstall und der Gänsestall, aber auch die Kirche für 2000 Menschen, teilweise aus Stein, teilweise aus Fachwerk, und wir bauen sie wie im neunten Jahrhundert, werden unterstützt von Wissenschaftlern, unter anderem auch vom Stiftsdekan von St. Gallen, die uns eben mit Rat und Tat zur Seite stehen, sodass wir auch etwas Vernünftiges abliefern, und wir werden auch viele Fragen noch klären müssen. Also es ist eine sehr spannende Zeit, die ich hoffentlich noch teilweise erleben werde.
Fischer: Sind denn die Künste von damals, die Gewerke, sind die heute alle noch bekannt?
Geurten: Nicht alles. Wir werden auch an einige Sachen uns heranpirschen müssen, das geht nicht von heute auf morgen. Beispielsweise die Steinmetzkunst ist noch sehr gut erhalten. Es gibt sehr viele Steinmetze, die sich bei uns beworben haben, das ist einfach. Aber beispielsweise allein die Mörtelzusammenstellung, das ist schon ein Kunstwerk für sich. Da haben wir den Vorteil, dass wir in Aachen noch ein Bauwerk haben, den Kaiserdom. Das Mittelstück, das Oktogon ist karolingisch. Es wird im Moment an der TH in Aachen untersucht, die Zusammensetzung, sodass wir dieses Problem vielleicht auch relativ schnell lösen können. Aber es werden noch viele Fragen kommen, die wir lösen müssen, welcher Stein, ist der Stein geeignet und, und, und. Also es wird viele, viele Diskussionen geben.
Fischer: Es gibt ja schon einige solcher Projekte, in denen Menschen versucht haben, unter historischen Bedingungen zu arbeiten oder zu leben, zum Beispiel unter frühneuzeitlichen wie bei den Pfahlbauten am Bodensee. In Meßkirch geht es jetzt um die Rekonstruktion eben dieses historischen Originals. Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich?
Geurten: Es gibt eine Reihe von experimentellen archäologischen Tests, die wir machen werden. Beispielsweise gibt es eine Mörtelmaschine, die im neunten Jahrhundert immer wieder erwähnt wird, die also schon richtigen Maschinencharakter hat, die aber dann irgendwie aus der Geschichte verschwunden ist, und das wollen wir mal herausbekommen: woran lag das, war die doch nicht so gut, wie man sie im neunten Jahrhundert beschrieben hat, oder warum ist sie nicht mehr aufgetaucht? Das sind so Fragen, die vielleicht auch ein bisschen die Geschichte ändern werden, wir können vielleicht manche Sachen bestätigen, aber andere Sachen dann auch infrage stellen und sagen, also das haben Wissenschaftler am Schreibtisch falsch interpretiert, und wir werden es ja praktisch ausprobieren und da kommt man vielleicht auf neue Erkenntnisse.
Fischer: Initiator Bert Geurten war das über das monumentale Projekt einer originalen Mittelalterstadt in Meßkirch.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
Bert M. Geurten: Ich habe Bildungsfernsehen gesehen, arte, und da habe ich einen Bericht gesehen über Guedélon in Frankreich. Dort baut man seit 13 Jahren eine Burg wie im 13. Jahrhundert. Das hat mich fasziniert, aber ich wollte keine zweite Burg bauen, sondern da fiel mir direkt ein der Klosterplan von St. Gallen, den ich als junger Mann mal als Modell auf einer Karlsausstellung in Aachen gesehen habe, und das fand ich faszinierend, weil dieser Plan nie gebaut worden ist, aber ein wissenschaftlich hochinteressanter Plan ist.
Fischer: Ich kann mich erinnern, dass ich neulich in St. Gallen war und diese Konstruktionszeichnungen, ich weiß nicht, auf Pergament oder Ziegel noch gesehen habe. Was ist das Besondere daran?
Geurten: Es ist die älteste erhaltene Architekturzeichnung von der Antike bis ins frühe Mittelalter und es ist ein Prototyp eines karolingischen Großklosters, es ist eine Stadt des neunten Jahrhunderts, denn der Mönch sollte die Stadt nicht verlassen, damit er nicht den bösen Frauen begegnet, deshalb eben eine ganze Stadt, und das fand ich einfach faszinierend, das zum ersten Mal 1200 Jahre später mit den Mitteln des neunten Jahrhunderts zu bauen, und bei uns ist ja auch das Bauen das Ziel, deshalb 40 Jahre.
Fischer: Was bauen Sie ganz konkret und vor allem wie genau bauen Sie das dann?
Geurten: Wir bauen 52 Gebäude, dazu zählt der Hühnerstall und der Gänsestall, aber auch die Kirche für 2000 Menschen, teilweise aus Stein, teilweise aus Fachwerk, und wir bauen sie wie im neunten Jahrhundert, werden unterstützt von Wissenschaftlern, unter anderem auch vom Stiftsdekan von St. Gallen, die uns eben mit Rat und Tat zur Seite stehen, sodass wir auch etwas Vernünftiges abliefern, und wir werden auch viele Fragen noch klären müssen. Also es ist eine sehr spannende Zeit, die ich hoffentlich noch teilweise erleben werde.
Fischer: Sind denn die Künste von damals, die Gewerke, sind die heute alle noch bekannt?
Geurten: Nicht alles. Wir werden auch an einige Sachen uns heranpirschen müssen, das geht nicht von heute auf morgen. Beispielsweise die Steinmetzkunst ist noch sehr gut erhalten. Es gibt sehr viele Steinmetze, die sich bei uns beworben haben, das ist einfach. Aber beispielsweise allein die Mörtelzusammenstellung, das ist schon ein Kunstwerk für sich. Da haben wir den Vorteil, dass wir in Aachen noch ein Bauwerk haben, den Kaiserdom. Das Mittelstück, das Oktogon ist karolingisch. Es wird im Moment an der TH in Aachen untersucht, die Zusammensetzung, sodass wir dieses Problem vielleicht auch relativ schnell lösen können. Aber es werden noch viele Fragen kommen, die wir lösen müssen, welcher Stein, ist der Stein geeignet und, und, und. Also es wird viele, viele Diskussionen geben.
Fischer: Es gibt ja schon einige solcher Projekte, in denen Menschen versucht haben, unter historischen Bedingungen zu arbeiten oder zu leben, zum Beispiel unter frühneuzeitlichen wie bei den Pfahlbauten am Bodensee. In Meßkirch geht es jetzt um die Rekonstruktion eben dieses historischen Originals. Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich?
Geurten: Es gibt eine Reihe von experimentellen archäologischen Tests, die wir machen werden. Beispielsweise gibt es eine Mörtelmaschine, die im neunten Jahrhundert immer wieder erwähnt wird, die also schon richtigen Maschinencharakter hat, die aber dann irgendwie aus der Geschichte verschwunden ist, und das wollen wir mal herausbekommen: woran lag das, war die doch nicht so gut, wie man sie im neunten Jahrhundert beschrieben hat, oder warum ist sie nicht mehr aufgetaucht? Das sind so Fragen, die vielleicht auch ein bisschen die Geschichte ändern werden, wir können vielleicht manche Sachen bestätigen, aber andere Sachen dann auch infrage stellen und sagen, also das haben Wissenschaftler am Schreibtisch falsch interpretiert, und wir werden es ja praktisch ausprobieren und da kommt man vielleicht auf neue Erkenntnisse.
Fischer: Initiator Bert Geurten war das über das monumentale Projekt einer originalen Mittelalterstadt in Meßkirch.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.