Donnerstag, 09.04.2020
 
Seit 23:00 Uhr Nachrichten
StartseiteCorso"Breakout" für die digitalen Nomaden11.02.2020

Altes Bankgebäude umfunktioniert"Breakout" für die digitalen Nomaden

Münchens Kreativszene gestaltet den "Breakout" - so heißt ein Zwischennutzungsprojekt in einer ehemaligen Bank-Filiale am Münchener Hauptbahnhof. Der temporäre Arbeitsort soll bis September 2020 zu einem Hotspot und einem attraktiven und innovativen Standort für die Kreativwirtschaft werden.

Von Andi Hörmann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
(imago stock&people)
München Bayerstraße, Haltestelle Hauptbahnhof (imago stock&people)
Mehr zum Thema

Die Ausstellung „Brainwashed“ in München Gehirnwäsche durch Massenmedien

Performance-Konzert "Nirvanas Last" "Wir sind alle Kurt Cobain"

Graphic Novel "Nachts im Paradies" "Du bist ein Hinterkopf"

Urban Art in München Kultur macht Gewerbebrachen schön

Reges Treiben im Münchner Bahnhofsviertel: Ramschläden und orientalische Gemüsehändler, Table-Dance-Lokale und Porno-Kinos.

Marco Eisenack: "Wir stehen jetzt hier in der Schillerstraße, Ecke Bayerstraße. Und das ist so wirklich das klassische Bahnhofsviertel, das — wie in vielen Städten — so ein bisschen runter gerockt rüber kommt."

Temporäre Bleibe für kleines Geld

Marco Eisenack ist einer der Initiatoren von "Breakout", Münchens neuer kreativ-kulturellen Zwischennutzung direkt am Bahnhofsvorplatz. Mit einer App auf seinem Smartphone schließt er die Tür auf. Noch ist es ruhig in der leerstehenden 2000-Quadratmeter-Immobilie.

Marco Eisenack: "Wenn man diesen Raum betritt … Eigentlich hat man sofort so ein Gefühl, wie auf so einem Kreuzfahrtschiff, ein Riesendampfer. Wir haben hier Mahagoni-Wände einer ehemaligen Bankfiliale."

Von März bis voraussichtlich September entsteht hier auf drei Stockwerken nur gut ein halbes Jahr lang ein Hotspot für Kultur- und Kreativschaffende, für Start-ups und Künstler*innen, die temporär eine Bleibe für kleines Geld suchen: Ein Platz im Co-Working gibt es für 150 Euro, das Büro ab 7,50 Euro pro Quadratmeter.

Marco Eisenack: "Ich bin total überzeugt von dem Konzept der Zwischennutzungen, wenn es die richtigen Nutzungen sind. Natürlich ist die Zwischennutzung für Künstler, die Atelierräume suchen, überhaupt keine Lösung. Aber eine Zwischennutzung für viele Kreativschaffende, die ja eben in der Regel projektbezogen arbeiten und für ein paar Monaten ein Projekt machen."

Leerstand-Recycling

Schnell rein, dann gleich wieder raus. Digitale Nomaden. Wie der Auftrag, so die Arbeitswelt. Schnelllebige Zeit. Für die Initiatoren hat das auch mit Nachhaltigkeit zu tun: Leerstand Recycling.

Marco Eisenack: "Wir schalten im Grunde ein Haus an und können es auch gleich wieder ausschalten."

Und der kulturelle Fußabdruck? Erst die Kunst, dann der Kommerz. Ist das Wind in den Segeln der Spekulanten und Investoren? Kritiker nennen das "Artwashing": Über Kultur das Image aufpäppeln.

Marco Eisenack: "Die Frage ist im Grunde: Was sind die Alternativen? Wenn ich jetzt den Raum leer stehen lasse, dann hat ja keiner was davon."

Dunkler Teppichboden, weiße Wände, ein schnell hinein gezimmerter Arbeitstisch. Im dritten Stockwerk werden ehemalige Büros zu Ateliers. Anna Schübel hat freie Kunst studiert, ist DJane und teilt sich mit Maximilian Wencelides einen Raum.

Anna Schübel: "26 Quadratmeter ungefähr, Blick in den Hinterhof, aber irgendwie sehr ruhig. Es ist halt einfach super zentral."

Klotzen statt kleckern

Maximilian Wencelides: "Ich habe gerade mein Diplom an der Akademie der Bildenden Künste gemacht, bei Olaf Metzel, und habe Bildhauerei studiert, beschäftige mich mit skulpturaler, architektonischer Rauminstallation, und aber auch mit Zeichnungen und eben auch mit Sound, und versuche das gerade irgendwie miteinander zu verbinden."

Anna Schübel: "Klar hat das immer alles Vor- und Nachteile. Aber ich merke jetzt krass hier in dem Viertel, dass es, glaube ich, schon eine gute Chance wäre, zu sagen: Man holt hier auch ein paar kreative Leute rein, um das irgendwie ein bisschen durch zu mixen."

Der Vielfalt der Stadt München tut diese Zwischennutzung ganz gut: Kultur und Kunst gibt es um den Hauptbahnhof wirklich kaum. Die Macher von "Breakout" gehen dabei mit einer gehörigen Portion Enthusiasmus an die Sache ran. Klotzen, statt Kleckern! Im Miteinander von Spekulanten und Start-ups. Ach, du schöne, neue Welt.

Marco Eisenack: "Im Grunde erinnert uns dieses Gebäude an eine Reise in eine neue Zeit: Die alte Welt waren Hierarchien, die neue Welt sind Netzwerke."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk