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Alumni wollen den Geist nicht aufgeben

Weil die Unileitung die Zukunft der Mannheimer Hochschule eher auf dem Feld der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sieht, soll die philosophische Fakultät ganz aufgelöst werden. Auch forschungsstarke Ingenieursstudiengänge sollen abgewickelt werden. Das hat zu öffentlichem Streit an der Hochschule geführt. Jetzt melden sich erstmals die Präsidenten der in Mannheim wichtigen Alumni-Organisation "Absolventum" zu Wort.

Von Ludger Fittkau |
    Im Grundsatz halten Peter Eichhorn und Hans Raffé das Ziel des Rektorates der Universität Mannheim durchaus für richtig. Wenn die Uni im wachsenden internationalen Wettbewerb bestehen und exzellent sein will, sollte sie sich auf ihre "Kernkompetenzen" konzentrieren, so die beiden Wirtschafts-Professoren, die für die 4500 Mitglieder zählende Mannheimer Alumni-Organisation Absolventum sprechen. Und diese Kernkompetenzen lägen nun mal seit eh und je bei den Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften.

    Doch eine schlichte Rückbildung der Universität zur Wirtschaftshochschule mit einer Lehre, die nur noch aus technokratischen Inhalten bestehe, solle dabei nicht das Wort geredet werden, so Professor Hans Raffée. Auch in Zukunft solle die Wirtschaftswissenschaften in Mannheim "geisteswissenschaftlich durchdrungen" werden:

    "Es ist unverzichtbar, weil es ein Irrtum ist, auch bestimmter neoliberale Strömungen, zu meinen, dass es ohne die Verantwortungskomponente geht. Der Markt ist zentral, aber Markt alleine genügt nicht, Markt muss in ein Verantwortungskonzept und damit sind wir bei der Ethik integriert werden. ( ... ) 5. Und in Zukunft wird diese Verantwortungskomponente immer wichtiger werden in der Globalisierung, in einer immer kritischer werdenden Gesellschaft, das ist also eine Conditio sine qua non."

    Um die Universität Mannheim nicht geistlos und technokratisch werden zu lassen, würden beispielsweise Lehrstühle für Wirtschafts- und Sozialethik, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Sprach- und Kulturwissenschaften benötigt. Und nicht zuletzt auch für interkulturelle Qualifikationen. Für
    den Ökonom Peter Eichhorn, den Präsidenten der großen Mannheimer Alumni-Organisation mit aktiven Gruppe sogar in New York, zeigt der neue Bachelor-Studiengang "Kultur und Wirtschaft" die Richtung an, in die es gehen sollte:

    " Im Zeichen der Internationalisierung wird es immer wichtiger, dass unsere Studierende auch fremde Kulturen aufnehmen in das Studienprogramm. Wie arbeiten Menschen zusammen unterschiedlicher Kultur, unterschiedlicher Herkunft, am Arbeitsplatz? Christen und Juden und Muslime in einem internationalen Unternehmen. Und diese Verbindungen zwischen Sprache, Kultur und Wirtschaft, das ist in diesem Programm ein Schwerpunkt."

    Als deutliche Mahnung in Richtung Rektorat kann gewertet werden, dass die Mannheimer Alumni-Organisation mehr "Umsicht" und "Behutsamkeit" bei der Neustrukturierung der Mannheimer Universität einfordern. Das bisherige Vorgehen des Rektorates hatte nämlich zu dem geführt, was in Mannheim schon seit langem mit dem Begriff "Uni-Streit" beschrieben wird: Geisteswissenschaften und Ingenieursstudiengänge fühlten sich von der Uni-Leitung gemobbt und waren öffentlich in Opposition zu den Reformplänen gegangen. Die einflußreichen Alumni möchten nun zurück zu einem Stil, der den Konsens für die Veränderungen sucht. Doch ist das mit dem heutigen Mannheimer Rektor Hans-Wolfgang Arnd zu schaffen?
    Ja, meint Absolventum-Vize-Chelf Hans Raffée:

    " Herr Arnd ist nun eine sehr dynamische, auch auf Durchsetzung hin orientierte Persönlichkeit, manchmal ein bisschen Ungeduldig und dann besteht schon die Gefahr, dass die Behutsamkeit etwas ins zweite Glied tritt Wir haben unsere Kontakte zum Universitätsrat, der ja eine Große Rolle spielt, da legen wir unsere Minen, damit die Behutsamkeit nicht auf der Strecke bleibt. Und Herr Arnd is lernfähig und ist sehr sensibel für solche Kritik. Und wir sind überzeugt, dass das, was in einer früheren Phase auch nicht so geschickt gegenüber der Presse gelaufen ist, dass das jetzt besser wird."