Montag, 17.12.2018
 
Seit 13:35 Uhr Wirtschaft am Mittag
StartseiteKalenderblattAm Rande der Katastrophe22.10.2007

Am Rande der Katastrophe

Kubakrise vor 45 Jahren: Kennedy verhängt Seeblockade

Vor 45 Jahren stand die Welt für fast zwei Wochen am Rand eines Atomkrieges. Die Sowjetunion hatte Abschussrampen für Kernwaffen auf Kuba stationiert. Die USA fühlten sich massiv bedroht und verlangten ultimativ den sofortigen Abzug. Am 22. Oktober 1962 machte US-Präsident Kennedy die Krise öffentlich.

Von Ralf Geißler

US-Präsident John F. Kennedy kündigt am 22. Oktober 1962 in einer Fernseh- und Radioansprache eine Seeblockade Kubas an. (AP Archiv)
US-Präsident John F. Kennedy kündigt am 22. Oktober 1962 in einer Fernseh- und Radioansprache eine Seeblockade Kubas an. (AP Archiv)

Es ist 19 Uhr an der amerikanischen Ostküste. Im Fernsehen müssten gleich Serien und Spielfilme beginnen. Doch auf fast allen Sendern des Landes erscheint das Gesicht von John F. Kennedy.

" Good evening my fellow citizens ... "

Mit ernster Mine verkündet der US-Präsident, was amerikanische Aufklärungsflugzeuge herausgefunden haben: Die Sowjetunion stationiert auf Kuba Raketenabschussbasen.

" Diese Stützpunkte können keine andere Aufgabe haben, als ein nukleares Angriffspotential gegen die westliche Welt zu schaffen. Zu einigen Stützpunkten gehören Mittelstrecken-Raketen - in der Lage, Atomsprengköpfe 1000 Seemeilen weit zu tragen. Jede dieser Waffen könnte Washington, den Panama-Kanal, Cape Canaveral, Mexiko City oder eine andere Stadt im Südosten der USA, in Zentralamerika und der Karibik treffen. "

An diesem 22. Oktober 1962 informiert Kennedy die Öffentlichkeit zum ersten Mal über die sogenannte Kuba-Krise. Der Präsident setzt die US-Armee in Alarmbereitschaft und kündigt eine Seeblockade vor der kubanischen Küste an. Sie soll verhindern, dass weitere sowjetische Schiffe die Insel erreichen. Dem sowjetischen Generalsekretär Chruschtschow stellt er ein Ultimatum. Er soll die Abschussbasen wieder entfernen. Andernfalls würden die USA mit einem Militärschlag reagieren.

" Ich rufe Generalsekretär Chruschtschow auf, die verstohlene und rücksichtslose Gefährdung des Weltfriedens zu beenden. Er hat jetzt die Chance, die Welt vom Abgrund der Zerstörung zurückzuholen. "

Was Kennedy verschweigt: Chruschtschow versucht mit den Raketenbasen, das strategische Gleichgewicht wieder herzustellen. Die US-Armee hat bereits seit Monaten Jupiter-Raketen in der Türkei stationiert. Sie könnten mühelos Moskau erreichen. Chruschtschow lehnt deshalb jedes Zugeständnis ab und beteuert in einem Brief, die Aufrüstung in Kuba diene lediglich der Selbstverteidigung.

" Herr Präsident. Wenn Sie die Lage kühl abwägen und alle Emotionen ausschalten, dann werden sie verstehen, dass die Sowjetunion nicht anders kann, als die willkürlichen Forderungen der Vereinigten Staaten zurückzuweisen. Versuchen Sie, sich in unsere Lage zu versetzen und überlegen Sie, wie die USA handeln würden. Ich habe keinen Zweifel, dass Sie vergleichbare Forderungen ebenfalls abweisen würden. "

Vor der kubanischen Küste stehen sich derweil amerikanische und sowjetische Kriegsschiffe direkt gegenüber. Einige von ihnen sind mit Nuklearwaffen ausgestattet. Verliert nur ein Soldat die Nerven könnte der Dritte Weltkrieg ausbrechen. Auch in Deutschland ist man besorgt. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt beruhigt die West-Berliner in einer Rede:

" Wir alle hoffen, dass der Friede erhalten bleibt, dann wird auch dieser Stadt nichts geschehen. Durch die nervliche Belastung dieser Tage und Wochen können und müssen wir mit Ruhe und Gelassenheit hindurchgehen. "

Doch das ist leichter gesagt als getan. Am 27. Oktober schießen die Kubaner ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug ab. Der Pilot kommt ums Leben. Mit jedem Tag wächst der Druck auf Kennedy, loszuschlagen. Am Ende lenkt Chruschtschow ein. In einem Telegramm schreibt er dem amerikanischen Präsidenten.

" Wir und Sie sollten jetzt nicht an den Enden des Seiles ziehen, in das Sie den Kriegsknoten gebunden haben. Denn je mehr wir beide daran ziehen, desto fester wird dieser Knoten. Und dann hilft nur noch das Schwert, ihn aufzulösen. "

Beide Seiten nehmen Geheimverhandlungen auf. Nach mehreren Tagen kann Kennedy seinen Landsleuten einen Erfolg verkünden:

" Generalsekretär Chruschtschow hat zugestimmt, alle Angriffswaffen von Kuba zu entfernen, den Aufbau der Abschussrampen zu stoppen und den Vereinten Nationen eine angemessene Überwachung der Vorgänge zu ermöglichen. So wird sichergestellt, dass der Abtransport und die Zusagen eingehalten werden. "

Doch auch Kennedy hat Zugeständnisse gemacht. Der Präsident verspricht Chruschtschow, dass die USA Kuba nie angreifen werden. Außerdem sagt Kennedy zu, die amerikanischen Jupiter-Raketen aus der Türkei abzuziehen. Doch davon erfährt die Öffentlichkeit viele Monate nichts. Chruschtschow muss versprechen, dieses Zugeständnis geheim zu halten. In der westlichen Welt soll das Ende der Krise wie ein klarer Verhandlungserfolg Kennedys aussehen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk