Darauf haben die Jugendlichen zwischen 17 und 23 Jahren in den letzten Monaten hingefiebert. Sie wollen sich unbedingt mit einer American Football-Mannschaft von "draußen" messen. Der erste Gegner der Herforder Knastmannschaft "Black Devils" sind die Spieler der "Rheine Raptors". Für die Gäste und auch für Schiedsrichter Matthias Loheide ist es der erste Besuch hinter sechs Meter hohen Ziegelmauern und Stacheldrahtzäunen:
"Ich würde sagen, es ist ein sehr beengendes Gefühl, aber wir haben den Vorteil, wir können jederzeit wieder gehen."
Beide Teams sind warm und jetzt wird erstmal gespielt. Den Kick-Off auf dem Tartan-Fußballfeld bekommen die "Rheine Raptors". Direkt am Spielfeldrand stehen nur wenige Zuschauer. Wer nicht zur Mannschaft gehört muss das Spiel aus dem Zellenfenster verfolgen. Trotzdem ist die Stimmung gut. Fast alle Fenster zum Hof im U-förmigen roten Ziegelbau stehen offen. Die "Black Devils" wollen ihren Mithäftlingen zeigen, was sie in den letzten neun Monaten gelernt haben.
Einmal in der Woche trainiert die Mannschaft mit Chef-Trainer und JVA-Mitarbeiter André Bauch. Außerdem gab es Unterstützung von draußen. Trainer von Mannschaften wie den Braunschweig Lions und den Osnabrück Tigers kamen für Theorie-Workshops in die JVA. Auf dem Lehrplan standen Regelkunde und Spielzüge. Die wichtigste Aufgabe hatte allerdings Chef-Trainer André Bauch zu bewältigen, und zwar:
"22 junge Männer zusammenzuführen, die eigentlich alles mögliche im Ohr haben als das was sie haben sollten, an ein Teamgefüge heranzuführen, was sehr schwierig ist, anfangs war es schon, naja nicht ganz so leicht, aber die Jungs haben sich gut zusammengerauft, es gibt sicherlich die ein oder andere Auseinandersetzung noch beim Training, aber da haben die Jungs schon gelernt mit umzugehen."
Und das Training zeigt Erfolg. Die "Black Devils" übernehmen von Anfang an die Führung im Spiel - immerhin gegen den vierten der Landesliga Nord. Nach dem ersten Touch down der Heim-Mannschaft steht es sieben zu sechs. Und das, obwohl das Training für die Mannschaft hinter Gittern nicht ganz so ablaufen kann, wie bei einer Mannschaft draußen:
"Das geht halt mit dem einfachen ankleiden los, wir können den Jungs die Ausrüstung nicht mit auf den Haftraum geben und das muss alles organisiert werden und das sind alles so kleine Schwierigkeiten, die draußen halt nicht wären."
Trainer und Spieler akzeptieren solche Einschränkungen. Für Verteidiger "Mucha", der gebürtig aus Polen kommt, ist das Training jede Woche ein echtes Highlight:
"Es bedeutet mir viel, ich kann meinen Kopf abschalten, bisschen trainieren und auf jeden Fall nach Training kann man immer gut schlafen, egal wie oft hier am Fenster geredet wird, weil nachts ist es hier ziemlich laut dann schläft man ein und schläft man durch bis zum nächsten Tag nach Footballtraining ist das immer der Fall."
Neben Teamgeist und den motorischen Fähigkeiten wird auch das Selbstbewusstsein der Jugendlichen durch den Sport gestärkt, erklärt die Pädagogin des Teams, Stefanie Koel:
"Das Schöne am American Football ist, dass der Teamgedanke wirklich ganz hoch steht, weil Spielzüge wirklich nur gemacht werden können wenn das Team funktioniert, beziehungsweise jeder seiner Aufgabe nachkommt und dadurch können auch sehr viele unterschiedliche Körpertypen bei uns eingesetzt werden, die sich auch gerade bei den gängigen Sportarten als untalentiert erleben haben bei uns wirklich top Einsatzmöglichkeiten."
An Motivation und spielerischem Können mangelt es den Jugendlichen nicht. Mit 19 zu 12 gewinnen sie ihr erstes Spiel gegen die "Rheine Raptors" deutlich. Dazu hat auch eine Entscheidung des Trainerteams beigetragen. Vor dem Spiel haben die Trainer ihre Mannschaft in der Anstaltskirche zu einem Gottesdienst eingeladen. Unter Ausschluss der Gäste sollten die "Black Devils" noch mal in sich gehen und sich beruhigen. Und auch das Team wurde noch mal eingeschworen, erklärt der 23-jährige Verteidiger Latif:
"Dass es ein Weg zur Integration ist, weil hier sind im Team nicht nur Deutsche sondern auch Araber, Türken, Pakistaner, Afghaner sind, das ist multikulturell und in der Kirche haben wir halt gesagt, dass es für den Gegner nur ein Trainingsspiel ist, für uns aber eine Weltmeisterschaft."
Latif, der wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung seit über einem Jahr in der JVA sitzt träumt davon auch nach seiner Haft in einem Team draußen weiterzuspielen:
"Wenn eine Mannschaft darüber hinweg schaut, dass ich mal straffällig geworden bin, und will mich aufnehmen, das wäre gut für mich und ich würde mich auch sehr freuen, wenn ich irgendwo mitspielen könnte."
Wenn er wieder draußen ist kann er mit den "Black Devils" nicht weitertrainieren, aber die Trainer versuchen ihm dann ein Team draußen zu vermitteln. Auch für Anstaltsleiter Friedrich Waldmann ist das ein wichtiger Punkt. Die Insassen sollen bei den "Black Devils" eine vernünftige Freizeitbeschäftigung kennenlernen und so auch draußen später in ein festes soziales Umfeld eingebettet sein. Mit einem Sieg seiner Mannschaft hat der Anstaltsleiter gleich im ersten Spiel nicht gerechnet. Damit steht für das Team aber eine besonders wichtige Lektion noch aus, erklärt Friedrich Waldmann:
"Das nächste was ansteht ist dass sie auch lernen vernünftig zu verlieren. Das ist denke ich mal die viel schwierigere Aufgabe, weil unsere Jungs natürlich was das verlieren angeht keine Profis sind, haben ihren Willen ja zum Teil, was die Straftaten aussagen mit Gewalt durchgesetzt, das geht beim Sport ja so nicht und da wollen wir mal gucken wie sie sich dann entwickeln. Ich gehe davon aus, dass sie auch gelernt haben vernünftig zu spielen, Fairplay auch zu leben aber das muss in der Praxis geübt werden von daher freu ich mich aufs nächste Spiel."
Vor dem Beginn der regulären American Football-Saison im nächsten Frühjahr soll der nächste Gegner in die JVA Herford kommen. Wer das sein wird steht noch nicht fest. Verschiedene Mannschaften von draußen haben aber schon ihr Interesse angemeldet gegen die "Black Devils" zu spielen und darüber ist Anstaltsleiter Friedrich Waldmann froh. Und auch die "Rheine Raptors" wollen wiederkommen - schließlich steht die Revanche noch aus.
"Ich würde sagen, es ist ein sehr beengendes Gefühl, aber wir haben den Vorteil, wir können jederzeit wieder gehen."
Beide Teams sind warm und jetzt wird erstmal gespielt. Den Kick-Off auf dem Tartan-Fußballfeld bekommen die "Rheine Raptors". Direkt am Spielfeldrand stehen nur wenige Zuschauer. Wer nicht zur Mannschaft gehört muss das Spiel aus dem Zellenfenster verfolgen. Trotzdem ist die Stimmung gut. Fast alle Fenster zum Hof im U-förmigen roten Ziegelbau stehen offen. Die "Black Devils" wollen ihren Mithäftlingen zeigen, was sie in den letzten neun Monaten gelernt haben.
Einmal in der Woche trainiert die Mannschaft mit Chef-Trainer und JVA-Mitarbeiter André Bauch. Außerdem gab es Unterstützung von draußen. Trainer von Mannschaften wie den Braunschweig Lions und den Osnabrück Tigers kamen für Theorie-Workshops in die JVA. Auf dem Lehrplan standen Regelkunde und Spielzüge. Die wichtigste Aufgabe hatte allerdings Chef-Trainer André Bauch zu bewältigen, und zwar:
"22 junge Männer zusammenzuführen, die eigentlich alles mögliche im Ohr haben als das was sie haben sollten, an ein Teamgefüge heranzuführen, was sehr schwierig ist, anfangs war es schon, naja nicht ganz so leicht, aber die Jungs haben sich gut zusammengerauft, es gibt sicherlich die ein oder andere Auseinandersetzung noch beim Training, aber da haben die Jungs schon gelernt mit umzugehen."
Und das Training zeigt Erfolg. Die "Black Devils" übernehmen von Anfang an die Führung im Spiel - immerhin gegen den vierten der Landesliga Nord. Nach dem ersten Touch down der Heim-Mannschaft steht es sieben zu sechs. Und das, obwohl das Training für die Mannschaft hinter Gittern nicht ganz so ablaufen kann, wie bei einer Mannschaft draußen:
"Das geht halt mit dem einfachen ankleiden los, wir können den Jungs die Ausrüstung nicht mit auf den Haftraum geben und das muss alles organisiert werden und das sind alles so kleine Schwierigkeiten, die draußen halt nicht wären."
Trainer und Spieler akzeptieren solche Einschränkungen. Für Verteidiger "Mucha", der gebürtig aus Polen kommt, ist das Training jede Woche ein echtes Highlight:
"Es bedeutet mir viel, ich kann meinen Kopf abschalten, bisschen trainieren und auf jeden Fall nach Training kann man immer gut schlafen, egal wie oft hier am Fenster geredet wird, weil nachts ist es hier ziemlich laut dann schläft man ein und schläft man durch bis zum nächsten Tag nach Footballtraining ist das immer der Fall."
Neben Teamgeist und den motorischen Fähigkeiten wird auch das Selbstbewusstsein der Jugendlichen durch den Sport gestärkt, erklärt die Pädagogin des Teams, Stefanie Koel:
"Das Schöne am American Football ist, dass der Teamgedanke wirklich ganz hoch steht, weil Spielzüge wirklich nur gemacht werden können wenn das Team funktioniert, beziehungsweise jeder seiner Aufgabe nachkommt und dadurch können auch sehr viele unterschiedliche Körpertypen bei uns eingesetzt werden, die sich auch gerade bei den gängigen Sportarten als untalentiert erleben haben bei uns wirklich top Einsatzmöglichkeiten."
An Motivation und spielerischem Können mangelt es den Jugendlichen nicht. Mit 19 zu 12 gewinnen sie ihr erstes Spiel gegen die "Rheine Raptors" deutlich. Dazu hat auch eine Entscheidung des Trainerteams beigetragen. Vor dem Spiel haben die Trainer ihre Mannschaft in der Anstaltskirche zu einem Gottesdienst eingeladen. Unter Ausschluss der Gäste sollten die "Black Devils" noch mal in sich gehen und sich beruhigen. Und auch das Team wurde noch mal eingeschworen, erklärt der 23-jährige Verteidiger Latif:
"Dass es ein Weg zur Integration ist, weil hier sind im Team nicht nur Deutsche sondern auch Araber, Türken, Pakistaner, Afghaner sind, das ist multikulturell und in der Kirche haben wir halt gesagt, dass es für den Gegner nur ein Trainingsspiel ist, für uns aber eine Weltmeisterschaft."
Latif, der wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung seit über einem Jahr in der JVA sitzt träumt davon auch nach seiner Haft in einem Team draußen weiterzuspielen:
"Wenn eine Mannschaft darüber hinweg schaut, dass ich mal straffällig geworden bin, und will mich aufnehmen, das wäre gut für mich und ich würde mich auch sehr freuen, wenn ich irgendwo mitspielen könnte."
Wenn er wieder draußen ist kann er mit den "Black Devils" nicht weitertrainieren, aber die Trainer versuchen ihm dann ein Team draußen zu vermitteln. Auch für Anstaltsleiter Friedrich Waldmann ist das ein wichtiger Punkt. Die Insassen sollen bei den "Black Devils" eine vernünftige Freizeitbeschäftigung kennenlernen und so auch draußen später in ein festes soziales Umfeld eingebettet sein. Mit einem Sieg seiner Mannschaft hat der Anstaltsleiter gleich im ersten Spiel nicht gerechnet. Damit steht für das Team aber eine besonders wichtige Lektion noch aus, erklärt Friedrich Waldmann:
"Das nächste was ansteht ist dass sie auch lernen vernünftig zu verlieren. Das ist denke ich mal die viel schwierigere Aufgabe, weil unsere Jungs natürlich was das verlieren angeht keine Profis sind, haben ihren Willen ja zum Teil, was die Straftaten aussagen mit Gewalt durchgesetzt, das geht beim Sport ja so nicht und da wollen wir mal gucken wie sie sich dann entwickeln. Ich gehe davon aus, dass sie auch gelernt haben vernünftig zu spielen, Fairplay auch zu leben aber das muss in der Praxis geübt werden von daher freu ich mich aufs nächste Spiel."
Vor dem Beginn der regulären American Football-Saison im nächsten Frühjahr soll der nächste Gegner in die JVA Herford kommen. Wer das sein wird steht noch nicht fest. Verschiedene Mannschaften von draußen haben aber schon ihr Interesse angemeldet gegen die "Black Devils" zu spielen und darüber ist Anstaltsleiter Friedrich Waldmann froh. Und auch die "Rheine Raptors" wollen wiederkommen - schließlich steht die Revanche noch aus.