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StartseiteForschung aktuellWie Garfields Vorfahren unsere Herzen eroberten20.06.2017

Analyse von KatzenknochenWie Garfields Vorfahren unsere Herzen eroberten

Katzenvideos sind nicht ohne Grund seit Jahren im Internet der Hit - sie sind die beliebtesten Haustiere der Deutschen. Wie es aber dazu kam, dass die Katze sich dem Menschen annäherte, darüber war bisher nur wenig bekannt. Jetzt hat ein internationales Forscherteam mithilfe alter Katzenknochen Licht ins Dunkel gebracht.

Von Lucian Haas

Vier kleine Kätzchen, fotografiert am 28.06.2015 in einem Garten in Sieversdorf im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg). Foto: Patrick Pleul (picture alliance/dpa/Patrick Pleul)
Manche behaupten, YouTube sei eigentlich nur erfunden worden, um Katzenvideos zu verbreiten. (picture alliance/dpa/Patrick Pleul)
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Eva-Maria Geigl ist Paläo-Genetikerin am Institut Jacques Monot der Universität Paris Diderot. Sie interessiert sich für die DNA aus Jahrtausende alten Katzenknochen und eine Frage: Wie und wo kam es dazu, dass Wildkatzen domestiziert und zu Hauskatzen wurden? Gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam hat sie sich daran gemacht, in archäologischen Funden von Katzenknochen und -zähnen in Ägypten, dem Nahen Osten und Europa nach verräterischen DNA-Spuren zu suchen.

"Wir haben etwa 350 Katzen analysieren können, wobei nicht alle Resultate geliefert haben. Dazu muss man wissen, dass die DNA über die Zeit, und das relativ schnell, sehr abgebaut wird."

Frühgeschichtliche Landwirtschaftsgehilfen

Wildkatze im Nationalpark Bayerischer Wald  (picture alliance/dpa/Foto: Patrick Pleul)Schon früh erkannten die Menschen: Katzen sind als Mäusejäger sehr nützlich. (picture alliance/dpa/Foto: Patrick Pleul)

Dennoch wurden die Forscher in knapp 200 Fällen fündig. Und was sie da aus den Resten der DNA der Katzen-Fossilien herauslesen konnten, zeigt: Die Menschen sind auf die Katze oder die Katze zum Menschen gekommen, nachdem vor rund 12.000 Jahren im heutigen Nahen Osten die ersten Bauern aufkamen.

"Die Menschen haben angefangen, Körner anzusammeln. Und diese angesammelten Körnerhaufen, die haben natürlich alle möglichen Nager angezogen. Und da Katzen nun mal Nager fressen, wurden davon wohl auch die dort ansässigen Wildkatzen angezogen."

Rassekatze Cecilia - blau-graue Katze der Rasse Britisch-Kurzhaar (picture alliance / dpa / Felix Hörhager)Auch in den heute bekannten Katzenrassen finden sich noch genetische Spuren ihrer Vorfahren. (picture alliance / dpa / Felix Hörhager)

Irgendwie müssen sich Mensch und Katze damals, in der Jungsteinzeit, näher gekommen sein. Und die ersten Bauern nahmen die für sie als Mäusejäger so nützlichen Katzen dann sogar mit, als sie über den Bosporus nach Osteuropa einwanderten. Das zeigen rund 6.000 Jahre alte Katzenknochenfunde aus Rumänien und Bulgarien.

"Die Katze ist da bestimmt nicht rübergeschwommen, sondern wurde transportiert von Menschen. Denn die Katze ist ein territoriales Tier. Sie wird nicht allein Tausende von Kilometern wandern, sondern wenn sie in relativ kurzer Zeit woanders auftaucht, dann muss das über den Menschen stattgefunden haben."

Vor 2.000 bis 3.000 Jahren startete eine zweite Verbreitungswelle, die vom damals schon katzen-vernarrten Ägypten ausging. Seefahrer nutzten Katzen, um Ratten und Mäuse auf Schiffen zu bekämpfen. Und so fand Eva-Maria Geigl sogar in Ausgrabungen eines Wikingerhafens aus dem siebten oder achten Jahrhundert auf Rügen Katzenknochen, in deren Erbgut sich die Abstammung von ägyptischen Katzen nachweisen lässt.

"Das erzählt uns nun die Geschichte, dass diese ägyptische Katze anscheinend sehr populär geworden ist, und sehr schnell mit Seefahrern im Mittelmeerraum und auch nach Norden transportiert worden ist."

Vorfahren bis heute genetisch nachweisbar

Ein Mann schaut am 14.01.2016 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) ein Katzenvideo auf YouTube an. Am 19. Februar 2016 veranstaltet das NRW-Forum in Düsseldorf in Kooperation mit dem Walker Art Center (Minnesota) das erste deutsche Katzenvideofestival. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa (picture alliance/dpa/Rolf Vennenbernd)Menschen sind für Katzen eigentlich nur Personal. Dennoch lieben wir sie. (picture alliance/dpa/Rolf Vennenbernd)

In der heutigen, modernen Hauskatze in Europa sind übrigens noch Spuren beider Abstammungslinien zu finden: Zum einen von den anatolischen Katzen, die mit den Jungsteinzeitbauern nach Europa gelangten, zum anderen die der ägyptischen Katzen, die von Seefahrern verbreitet wurden.

*In der Audiofassung des Beitrags ist fälschlicherweise von Eva-Maria Weigl die Rede; ihr richtiger Name lautet Eva-Maria Geigl

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