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StartseiteHintergrundAnatomie einer Katastrophe18.03.2011

Anatomie einer Katastrophe

Rückblick auf eine Woche Japan

Japan blickt auf die größte Katastrophe seit dem zweiten Weltkrieg zurück. Unerschütterlich ist trotz Tsunami und Atom-Gau der Pragmatismus der Japaner.

Von Catrin Stövesand, Stefan Maas

Reaktorblöcke  3 (links) und 4 (rechts) des japanischen Atomkraftwerks Fukushima (picture alliance / dpa)
Reaktorblöcke 3 (links) und 4 (rechts) des japanischen Atomkraftwerks Fukushima (picture alliance / dpa)
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"Der Norden Japans ist von einem Erdbeben der Stärke 8,9 erschüttert worden. Es soll viele Verletzte geben. Ein erstes Todesopfer wird in der Region östlich von Tokio gemeldet. Für die gesamte Küstenregion gilt die höchste Tsunami-Warnstufe. Das Epizentrum des Bebens lag östlich von Sendai. Dort traf eine mehrere Meter hohe Flutwelle auf die Stadt. Die Behörden forderten die Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen."

Seismologen sprechen vom schwersten Erdbeben in der Geschichte des Landes. Es trifft Japan am frühen Nachmittag. Viertel vor drei Uhr Ortszeit.

"Die Atomkraftwerke an der Pazifikküste schalteten automatisch ab."

Darunter das Atomkraftwerk Fukushima 1 im Nordosten des Landes - rund 220 Kilometer von der Hauptstadt Tokio entfernt. Die Blöcke 1 bis 3 gehen sofort vom Netz. Die Blöcke 4 bis 6 sind wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb. Durch das Beben fällt die reguläre Stromversorgung aus.

Gut eine Stunde später erreicht der Tsunami das Kraftwerksgelände. Die Diesel-Generatoren versagen komplett. Die Reaktoren werden nur noch per Batterie mit Strom versorgt.

Japans Regierung hat einen Krisenstab gebildet und gibt stündlich neue Informationen heraus. In einem Atomkraftwerk in Fukushima fiel das Kühlwassersystem aus, weil sowohl die Notfallpumpen als auch die Notstromaggregate nicht funktionierten. Für das Gebiet rund um das Atomkraftwerk haben die Behörden deshalb den nuklearen Notstand ausgerufen. Etwa 3.000 Anwohner in einem Umkreis von bis zu drei Kilometern wurden evakuiert. Diejenigen, die in einem Umkreis von zehn Kilometern leben, sind angewiesen, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Das Fernsehen zeigt den ganzen Tag über Bilder von Flutwellen, die Häuser und Autos kilometerweit ins Land schwemmen. Schiffe und ganze Züge verschwinden in den Fluten. Die Zahl der Opfer steigt stündlich.

Samstag, 12. März
Alle drei Blöcke des AKW Fukushima I werden jetzt über Notsysteme gekühlt. Die internationale Atomenergiebehörde IAEO stuft den Vorfall auf einer Skala von 1 bis 7 bei 4 ein. Das heißt: geringe Freisetzung von Strahlung, aber tödlich für das Reaktorpersonal. Die Sicherheitszone wird auf 10 Kilometer ausgeweitet.

14:20 Uhr, nachmittags: Die Japanische Regierung spricht erstmals von einer möglichen Kernschmelze in Block 1.
15:40 Uhr: Wasserstoff explodiert im Block 1 und reißt Dach und Wände weg. Die inneren Schutzhüllen sind aber noch intakt. Die Evakuierungszone wird auf das Doppelte ausgeweitet: 20 Kilometer.

Die Betreiber-Firma Tepco beginnt, Meerwasser und Borsäure ins Innere von Block 1 zu leiten, um die Brennstäbe zu kühlen und die Kettenreaktion zu stoppen.

Zerstörung, Evakuierung und Angst: Die Menschen in den betroffenen Gebieten suchen nach vermissten Angehörigen, beziehen Notunterkünfte und warten auf Hilfe und Informationen. Nichts läuft mehr wie vorher, und doch verläuft alles ganz ruhig. Nach den schweren Erdbeben in Chile und Haiti oder nach Hurrikan Katrina sah man Bilder von Plünderungen und Gewalt - nicht so in Japan. Selbst im größt- vorstellbaren Chaos bewahrt die Bevölkerung Ruhe. Der Bonner Japanologe und Kulturwissenschaftler Michael Wetzel nennt diese Besonnenheit und Disziplin einen "Stand-by-Modus":

"Ich habe immer so scherzhaft gesagt, die Japaner haben so etwas wie eine Stand-By-Schaltung. Sobald etwas nicht funktioniert, ein Zug kommt nicht, regen sie sich nicht auf, sondern sie klicken einen Schalter um - das meine ich mit Pragmatismus - und warten einfach. Und sie verfallen in so einen Ruhezustand, den wir manchmal missverstehen als Apathie."

Auch der Kölner Japanologe Jörg Albrecht warnt davor, die Ruhe misszuverstehen - etwa als Fatalismus. Die Japaner konzentrierten sich jetzt auf Grundbedürfnisse.

"Dass das große Erdbeben kommt, ist auch keine Überraschung für die Japaner. 1923 gab es in Tokio das letzte wirklich sehr große Erdbeben. Und Geologen haben festgestellt, das soll es alle achtzig Jahre geben. Und das ist jetzt, wenn man so will, eigentlich acht Jahre überfällig gewesen. Also, Fatalismus ist bitte nicht zu verwechseln mit Disziplin. Und im Moment ist Disziplin das einzige, was das Leben oder das Leben der Überlebenden aufrecht erhält."

Sonntag, 13. März
Kurz nach 5 Uhr morgens Ortszeit: Das Kühlsystem in Block 3 fällt aus. Tepco öffnet ein Sicherheitsventil, um radioaktiven Dampf aus Block 3 abzulassen. Kabinettssekretär Yukio Edano tritt vor die Presse:

"Wir gehen davon aus, dass damit die Situation am Reaktor 3 unter Kontrolle gebracht werden kann. Der Wasserkühlkreislauf für diesen Reaktor ist zum Stillstand gekommen und wir versuchen den Druck im Inneren des Reaktors zu reduzieren. Wenn wir Luft ablassen und Wasser hineinpumpen, können wir den Reaktor stabilisieren. Dadurch wird Radioaktivität freigesetzt. Es besteht jedoch keine Gesundheitsgefahr."

Am Nachmittag warnt die Betreibergesellschaft vor einer möglichen Wasserstoffexplosion in Block 3.

Die Hilfe aus dem Ausland läuft an. Bereits kurz nach den Ereignissen hat die japanische Regierung konkrete Hilfsanfragen an die internationale Gemeinschaft gerichtet. Ganz anders als 1995 nach dem schweren Beben in der Hafenstadt Kobe, erläutert die Journalistin Yuko Kimura:

"Sie haben gelernt vom Erdbeben in Kobe, das ich auch selber miterlebt habe. Davon haben die Japaner, besonders Politiker würde ich sagen, die Regierung, also, wie man darauf reagieren sollte. Das ist nicht mehr ungewöhnlich."

Japan öffnet sich internationalen Rettungskräften. Viele kommen, aber nicht alle werden gebraucht.

Montag, 14. März
Die Japanische Notenbank pumpt zur Stabilisierung umgerechnet 132 Milliarden Euro ins Finanzsystem.
11 Uhr vormittags, Ortszeit. Wasserstoffexplosion in Block 3. Abends, 21:30 Uhr: Tepco spricht von einer möglichen Kernschmelze in Block 2.
Eine Opfer- oder Schadensbilanz nach Erdbeben und Tsunami gibt es noch nicht. 2.000 Leichen sind an den Küsten angespült worden. In Deutschland hat Bundeskanzlerin Merkel die im Herbst beschlossene Laufzeit-Verlängerung für Atomkraftwerke für drei Monate ausgesetzt. Die Sicherheit aller 17 AKW soll überprüft werden. Das bedeutet das endgültige Aus für zunächst zwei Meiler: Neckarwestheim I in Baden-Württemberg und Isar 1 in Bayern.

Angela Merkel: "Die Lage nach dem Moratorium wird eine andere sein als vor dem Moratorium. Ein Abschalten aber deutscher Kernkraftwerke unter Inkaufnahme der Verwendung von Kernenergie aus anderen Ländern, das kann und darf nicht unsere Antwort sein. Die einzig redliche Antwort: Sie ist die forcierte und beschleunigte Weg in das Zeitalter der erneuerbaren Energien."

Das Thema Atompolitik rückt in den Fokus der deutschen Berichterstattung. Seit Freitag, dem Tag des Erdbebens, gibt es täglich mehrere Sondersendungen in Fernsehen und Hörfunk.

Manchmal scheint es den Verantwortlichen schwer zu fallen, die Schwerpunkte zu setzen. Die Folgen von Beben und Riesenwellen allein würden schon ganze Sendungen oder Zeitungen füllen, ebenso die drohende nukleare Gefahr in Japan. Immer wieder werden Fragen nach Verantwortung und Fehlern in Krisen-Prävention und Katastrophen-Management der japanischen Regierung gestellt. Anders die Berichterstattung in den japanischen Medien. Die Journalistin Yuko Kimura:

"Was am meisten unterscheidet, deutsche und japanische Medien, ist der Kommentar. In Japan ist es ganz normal, keine Kritik zu üben. Oder allein aufzufallen, also dass man sich unterscheidet von den anderen, das gehört zur japanischen Kultur leider nicht."

Dennoch gefällt ihr die deutsche Berichterstattung in weiten Teilen nicht. Sie ist ihr zu unsachlich:

"Diese Aufregung der Menschen und vor allem der Medien kann ich im Moment schwer verstehen."

Volker Streib hat als Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer lange in Tokio gelebt. Er kann dieses Befremden verstehen:

"Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel: Ich rufe meinen Freund an. Der ist seit vielen Jahren Chefkameramann bei CNN. Und sage: Shiro-San, wie geht es euch? Wir machen uns Sorgen. Darauf sagt er, mein Freund, wir sind Japaner, wir kämpfen, und wir jammern nicht, German Angst, sagt er, German Angst."

Vor Ort steht die nüchterne und pragmatische Katastrophenberichterstattung im Mittelpunkt, erklärt der Japanologe Jörg Albrecht:

"Was aber auch gesendet wird, sind die sogenannten Life-Line-Informationen. Und Life-Line heißt in Japan, wo gibt es Wasser, wo gibt es Strom, wo gibt's Gas, wie laufen die öffentlichen Verkehrsmittel und wo kann man noch etwas zu essen kaufen? Und das wird für die größten Städte, aber auch für die kleinsten Gemeinden regelmäßig in den Nachrichten dargestellt, also richtiges Katastrophenprogramm."

Dienstag, 15. März
Morgens, 07:30 Uhr - Ortszeit: Kabinettssekretär Yukio Edano spricht von Schäden am Schutzbehälter des Reaktors 2. Eine halbe Stunde später kommt es dort zu einer Explosion, die den Block schwer beschädigt.
09:20 Uhr Ortszeit: Tepco gibt zu: In allen drei Reaktorblöcken könnte eine Kernschmelze in Gang sein.
11 Uhr: Regierungschef Kan teilt im Fernsehen mit, die ausgetretene radioaktive Strahlung hat erstmals gesundheitsschädliche Werte erreicht.
Die Menschen, die in einem 30-Kilometer-Umkreis um die Evakuierungszone leben, sollen ihre Häuser nicht verlassen.

Nüchterne Informationen, kurz und schnörkellos. Die ausländischen Berichterstatter, aber auch die Zuschauer bleiben mit Fragen zurück. Für die Japaner habe Kan genug gesagt, erklärt Jörg Albrecht:

"Ja, natürlich hält er was zurück. Er sagt natürlich nicht alles. Aber er sagt auch nicht die Unwahrheit. Den Japanern ist klar, dass er nicht alles sagen kann. Die japanische Bevölkerung sieht die Regierung jetzt als Krisenmanagement, sieht die Regierung jetzt für die Bevölkerung arbeiten. Natürlich müssen Informationen zurückgehalten werden, glaubt die japanische Bevölkerung. Aber er sagt natürlich deutlich mehr als bei uns ankommt. Warum trägt er diese blaue Ingenieursjacke? Ganz einfach, um zu zeigen, wir sind vor Ort, wir machen gerade was, wir sind im Einsatz."

12.22 Uhr: Die Regierung teilt mit: Jetzt brennt es in Reaktor 4, der eigentlich abgeschaltet ist. Dort ist das Abkühlbecken mit abgebrannten Brennstäben.
Der Wind hat gedreht, Richtung Südwesten. Dort liegt Tokio - 220 Kilometer entfernt. In der 35-Millionen-Metropole werden am Mittag erstmals kleine Mengen radioaktiver Substanzen in der Luft gemessen.
Tepco will wegen der hohen Strahlung die letzten 50 Mitarbeiter aus dem AKW Fukushima abziehen.
Im Norden des Landes wird eine 70-Jährige lebendig aus den Trümmern geborgen. Die offizielle Zahl der Erdbeben- und Tsunami-Opfer wird mit 3.373 beziffert.
Die Lufthansa kündigt an, Tokio bis auf weiteres nicht mehr anzufliegen.

Immer mehr Ausländer verlassen das Land. Auch dieser
Südamerikaner will auf keinen Fall in Japan bleiben:

"Ich glaube, hier verlässt heute jeder das Land. Auf ein Erdbeben kannst Du Dich ohne Probleme in Tokio vorbereiten. Auch ein Tsunami ist in Tokio oder im Landesinneren kein Problem. Aber vor der Strahlung kann keiner flüchten. Du siehst sie ja nicht mal."

Immer mehr Japaner verlassen die von der Naturkatastrophe zerstörte Region im Nordosten. Sie gehen in den Süden, die meisten aber bleiben im Land.

Der Nikkei-Index verliert bis Handelsschluss mehr als 10 Prozent. Die Notenbank pumpt noch einmal 45 Milliarden Euro in den Markt, um die heimische Wirtschaft zu stützen.
In Deutschland werden die sieben ältesten Atomkraftwerke zunächst bis Mitte Juni vom Netz genommen.
EU-Energiekommissar Günther Oettinger kündigt nach einem Treffen mit Vertretern der Mitgliedsstaaten, der Aufsichtsbehörden und der Atomindustrie in Brüssel an, dass alle europäischen Atomkraftwerke einem Stresstest unterzogen werden, unter folgenden Kriterien:

"Erdbeben-, Hochwasser-, Tsunamigefahren, Terrorangriffe, die Kühlsysteme, die Gefahren des Stromausfalls vor Ort. Die Vorgaben für die Funktion von Notstromsystemen, die Frage des Alters und des Bautyps."

Die Europäische Kommission hat bei der Aufsicht der Kraftwerke allerdings kaum Einflussmöglichkeiten. Für Lizenzen und Kontrollen sind die Staaten selbst zuständig.

Mittwoch, 16. März
Nach massiven Kursverlusten der vergangenen Handelstage eröffnet die Tokioter Börse im Plus, der Nikkei-Index legt um zwei Prozent zu.
10 Uhr morgens Ortszeit: Nach Angaben eines Fernsehsenders ist über Reaktor 4 und kurze Zeit später auch über Nummer 3 weißer Rauch zu sehen.
Es ist weiter unklar, ob der Sicherheitsbehälter in Reaktor 3 beschädigt ist.
Kurz nach 11:30 Uhr: Die japanische Regierung spricht mit den US-Streitkräften über Hilfe bei der Kühlung der Reaktoren.
12.52 Uhr: In Tokio bebt erneut die Erde.
In Fukushima versucht AKW-Betreiber Tepco, eine Straße zum Reaktor 4 zu bauen, damit die Feuerwehr an den Meiler kommt.
Kaiser Akihito wendet sich in einer Fernsehansprache an sein Volk. Ein äußerst seltener Vorgang ohnehin, ist dies das erste Mal, dass sich der Tenno nach einer Naturkatastrophe an sein Volk wendet. Er bete um schnelle Hilfe, sagt der 77-Jährige.

"Ich bete für die Sicherheit der Japaner. Ich hoffe, dass die Menschen die schwere Zeit überstehen und sich gegenseitig helfen."

In der Präfektur Fukushima werden Cäsium und radioaktives Jod im Leitungswasser nachgewiesen. Dies habe keine Auswirkung auf die Gesundheit, heißt es. Aus den Katastrophengebieten kommen eindringliche Hilfsappelle. Es fehlt an Essen, Trinkwasser und Treibstoff. Ein Kälteeinbruch macht den Menschen zu schaffen. Der Katastrophenschutzminister gibt zu, es gebe eine "Vielzahl von Problemen".

Mittlerweile warten auch zahlreiche Japaner am Flughafen Tokio auf eine Ausreisemöglichkeit, so wie dieser Familienvater:

"Die nukleare Situation macht mir Sorgen. Meine Kinder sind klein. Und sie haben noch ihr ganzes Leben vor sich. Ich will nicht, dass sie durch den Fall-Out verstrahlt werden. Fukushima ist wirklich bedrohlich."

Das aber ist nicht das allgemeine Bild. Für viele sei es unvorstellbar, ihr Land zu verlassen, weiß Yuko Kimura. Ihr 16-jähriger Sohn ist noch in Japan - 200 Kilometer von Fukushima entfernt:

"Die deutschen Freunde von mir sagen mir jetzt: Bist du wahnsinnig, möchtest du ihn nicht nach Deutschland holen? Für einige Zeit, aber ich weiß, er würde das nicht machen. Er wohnt dort mit seinen Großeltern und seinem Vater. Aber das ist doch japanische Mentalität. Er würde seine Schule, seine Freunde und natürlich seine Familie nicht verlassen."

Der Verteidigungsminister kündigt an, 6.400 Reservisten in die betroffenen Gebiete zu entsenden. Sie sollen bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten helfen. Bislang wurden in der Region 4.277 Tote geborgen, rund 8.200 Menschen werden offiziell vermisst.

Donnerstag, 17. März
Gegen 1 Uhr nachts Ortszeit: Die Temperaturen in den Reaktoren 5 und 6 steigen. Im Laufe des Tages werden Wasserwerfer und Helikopter eingesetzt. Das Fernsehen zeigt Live-Bilder:

"Ein Hubschrauber der Einsatzkräfte nähert sich gerade dem Reaktor 3. Und gerade hat er eine Wassermasse über dem Gebäude verspritzt."

Mindestens 20 AKW-Mitarbeiter und Einsatzkräfte hätten bereits Strahlenschäden erlitten, meldet die internationale Atomenergiebehörde IAEO. Zwei Mitarbeiter von Tepco würden vermisst. Die Deutsche Botschaft wird vorübergehend von Tokio nach Osaka verlegt. Toyota nimmt die Produktion von Autoteilen wieder auf. Die eigentliche Fahrzeugproduktion bleibt aber unterbrochen.

In Tokio ist die Zeit der Ruhe vorbei. Mit Trillerpfeifen und Transparenten ziehen Demonstranten durch die Stadt. Sie machen Premierminister Kan mitverantwortlich für die Katastrophe und verlangen, alle Kernkraftwerke im Land stillzulegen. Außerdem prangern sie die schlechte Versorgung der Erdbebenopfer an.

Die Zahl der Toten und Vermissten liegt mittlerweile bei fast 15.000.

Freitag, 18. März
14:26 Uhr Ortszeit: Bislang sind es mehr als 16.000 Tote und Vermisste. Genau eine Woche nach dem Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami wird im Nordosten Japans mit einer Schweigeminute der Opfer der Naturkatastrophe gedacht.
Techniker am AKW Fukushima versuchen, ein Starkstromkabel zu verlegen, um die Kühlpumpen von wenigstens zwei Reaktoren wieder in Gang zu bringen. Weiter wird Wasser über den Reaktoren abgeworfen. Japan stuft die Gefährlichkeit des Störfalls hoch auf Level 5. Die Katastrophe in Tschernobyl entsprach der höchsten Stufe: 7.
Die sieben führenden Industrienationen G7, zu denen auch Japan gehört, beschließen den Höhenflug des Yen zu stoppen, um die japanische Wirtschaft zu stützen.

Wie kann es in Japan weiter gehen? Der Japanologe Jörg Albrecht ist sicher, zumindest mit den Folgen des Tsunamis wird die Bevölkerung zurechtkommen:

"Der mögliche Wiederaufbau oder der ganz sichere Wiederaufbau, der wird sehr reibungslos vonstatten gehen. Da können wir auch wieder einen Blick auf 1995 werfen. Kobe war komplett zerstört, also die untere Innenstadt. Das ist die doppelstöckige Autobahn umgekippt. Nach einem Jahr sah man davon fast nichts mehr."

Yuko Kimura: "Die Japaner schaffen das. Also, da bin ich sicher."

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