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StartseiteUmwelt und VerbraucherSoja in Deutschland heimisch machen13.10.2016

Anbau-ExperimentSoja in Deutschland heimisch machen

Weltweit wird immer mehr Soja angebaut - vor allem in Südamerika. Ein Tofuhersteller und die Universität Hohenheim wollen das ändern. Gemeinsam mit Hobby-Gärtnern, Landwirten, Schulen und Vereinen testen sie, ob die Sojapflanze auch hierzulande vermehrt heimisch werden kann.

Von Dieter Nürnberger

Gensoja auf einem Feld in Brasilien. (picture alliance / EPA / Weimer Carvalho)
In Südamerika fallen große Flächen Regenwald dem Anbau von Soja zum Opfer (picture alliance / EPA / Weimer Carvalho)
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"Das sind hier die Hülsen. Und in den Hülsen sind dann die Bohnen - drei bis vier Stück an der Zahl. Die Sojabohnen sind in dem Moment erntereif, in dem sie in den Hülsen klappern. Es müssen sogar drei- bis vierhundert Bohnen eingeschickt werden. Ich hoffe mal, dass die reichen. Ich denke, da wird nichts übrig bleiben."

Kerstin Herold ist erst im Frühjahr nach Brandenburg gezogen. Die gebürtige Berlinerin wohnt jetzt in der Nähe von Bernau, hier ist es deutlich ruhiger als in der Großstadt. Ihr Garten ist noch längst nicht vollendet, ein Hochbeet aber sticht deutlich heraus. Hier hat die 48-jährige Ernährungsberaterin Soja angepflanzt - zum ersten Mal. Kerstin Herold gehört zu rund 2.400 Gärtnern in Deutschland, die etwas ausprobieren sollen. Nämlich, ob die Sojapflanze auch hierzulande besser als bisher gedeihen kann. Es geht um eine Züchtungsinitiative der Universität Hohenheim und des Tofu-Herstellers "Taifun".

Bisher wird in Deutschland nur wenig angebaut

Als das "Soja-Experiment" gestartet wurde, hoffte man auf rund 1.000 freiwillige Teilnehmer. Doch die Resonanz überraschte - mehr als 2.400 Hobbygärtner, Landwirte, Schulen oder Vereine machen mit. Martin Miersch ist Leiter des landwirtschaftlichen Zentrums beim Bio-Tofu-Hersteller "Taifun". Bislang wird hierzulande nur ein sehr kleiner Teil des Bedarfs angebaut. Weshalb Soja vor allem aus Süd- und Nordamerika importiert werden müsse. Ein ökologisch fragwürdiger Handel, sagt Giersch.

"Würde man mehr Soja in Europa oder in Deutschland anbauen, dann würde man sicher der Rodung des Regenwaldes ein Stück Einhalt gebieten können. Zudem: Hier in Europa oder Deutschland angebautes Soja hätte natürlich auch den Vorteil, dass es gentechnikfreies Soja wäre; dass Glyphosat als Spritzmittel nicht zum Einsatz käme und andere Vorteile."

80 Prozent der begehrten Soja-Bohne werden lediglich als Tierfutter verarbeitet, das zeigen Zahlen der Umweltschutzorganisation WWF. Soja-Anbau erfordert Platz. Große Flächen an Regenwald wurden deshalb schon gerodet. In Deutschland gibt es bislang nur rund 17.000 Hektar Anbaufläche, sagt Martin Miersch, vor allem in den milderen Regionen Süddeutschlands.

"Was wir suchen, sind eben Kreuzungen, die vor allem kühle-tolerant sind. Und dennoch gute Erträge bringen. Es geht auch um andere gute Eigenschaften, wie etwa Standfestigkeit, Krankheits-Toleranzen und auch gleichzeitig um gute Eigenschaften bei der Verarbeitung zu Tofu. Also: eine gute Ausbeute, ein gutes Mundgefühl und ein guter Geschmack."

Mittelfristig neue Sortenzulassung geplant

Jeweils zwölf verschiedene Sojastämme wurden als Saatgut im Frühjahr an die freiwilligen Soja-Gärtner verschickt. Im Garten von Kerstin Herold hat nun die Ernte begonnen.

"Gereizt hat mich erst mal, etwas Sinnvolles zu tun. Es muss ja etwas geschehen, die Ernährungsweise muss umgestellt werden. Und die Nachhaltigkeit eben! Der Gedanke war - ich habe ein paar Quadratmeter übrig und dann kann ich mich doch daran beteiligen. Dinge auszuprobieren; schauen, ob der Boden geeignet ist. Der Brandenburger Boden ist halt sandig, da muss zusätzlich gewässert werden. Ohne geht es nicht."

Kerstin Herold ist etwas unsicher, ob ihre Ernte nun gut gelungen ist oder nicht. Sie wird die Hülsen und Bohnen nun zur weiteren Prüfung einschicken. Martin Miersch hofft, dass die Ergebnisse mittelfristig zu einer neuen Soja-Zulassung durch das Bundessortenamt führen werden.

"Um schnell voranzukommen und auch, um nichts zu übersehen. Um diese Vielzahl der Kreuzungen auch gut testen zu können. Nach Abschluss wird es vielleicht noch vier oder fünf weitere Jahre dauern, bis dann vielleicht aus diesem Material, welches wir geprüft haben, die eine oder andere Sorte angemeldet und zugelassen ist."

Für Kerstin Herold war es ein spannendes Experiment. Und im nächsten Jahr will sie Soja dann für ihre eigenen Bedürfnisse ernten.

"Auf jeden Fall, ich werde weitermachen. Ich werde ein Feld einrichten für Soja."

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