Freitag, 03.04.2020
 
Seit 07:30 Uhr Nachrichten
StartseiteCorso"Eine sehr, sehr böse Kapitalismusparabel"10.02.2020

And the Oscar goes to ..."Eine sehr, sehr böse Kapitalismusparabel"

Der südkoreanische Film "Parasite" ist der unerwartete Gewinner der Oscarnacht. In den Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie" schlug er alle Favoriten. "Hollywood hat die Tür in Richtung Asien ganz weit aufgestoßen", sagte Filmkritiker Hartwig Tegeler im Dlf.

Hartwig Tegeler im Gespräch mit Ina Plodroch

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Regisseur Bong Joon-ho, jubelt mit zwei Oscars in den Händen (www.imago-images.de (John Angelillo))
Der Sieger: Regisseur Bong Joon-ho wurde für „Parasite“ ausgezeichnet (www.imago-images.de (John Angelillo))
Mehr zum Thema

Oscar für "Hair Love" Wo sind die Stylingtips für Afrohaare?

Music-Oscars 2020 Düstere Klänge und eingängiger Pop

Frauen in Hollywood Hat die #metoo-Debatte die Oscars verändert?

Film der Woche: "Parasite" Ungehemmte Gier nach Luxus

"Ich dachte, ich wäre für heute fertig und könnte jetzt relaxen", sagte Bong Joon-ho, der südkoreanische Regisseur des Films "Parasite". Aber dann musste er noch ein paar Mal auf die Oscarbühne.

Schere zwischen Arm und Reich

Dass sein Film vier Oscars gewonnen hat, unter anderem in den Königskategorien "Bester Film" und "Beste Regie", sei ein gradioser Erfolg für Bong Joon-ho, sagte Filmkritiker Hartwig Tegler im Dlf. Es ist der erste nicht-englischsprachige Film, der den Hauptpreis gewonnen hat. Der eigentliche Favorit, der Kriegsfilm "1917" von Sam Mendes, hätte zu jeder Zeit ins Kino kommen können.

"Parasite" dagegen sei eine zeitgebundene, sehr, sehr böse Kapitalismusparabel, die mit bösem Blick die Schere zwischen Arm und Reich als Satire beschreibe. Da könne man schon sagen, dass Hollywood in der Oscarnacht die Tür Richtung Asien, Richtung asiatisches Kino mit einer anderen Filmsprache ganz weit aufgestoßen hat. "Das war schon eine Überraschung", so Tegeler.

Auch die von den Obamas produzierte Dokumentation "American Factory" richte den Blick nach Asien und auf den "Cultural Clash" zwischen den USA und China.

Das Thema Diversität habe in der Oscarnacht auch eine Rolle gespielt. Schauspielerinnen hätten gefrötztelt, dass sie einen "Fight Club" gründen wollten, und die Verliererin müsse die Frage beantworten, wie es sich anfühle, in Hollywood eine Frau zu sein. Die üblichen Lippenbekenntisse, wie "alle Frauen sind Superheldinnen", seien mit viel Applaus bedacht worden.

Verlierer und Spielverderber des Abends

Der Verlierer des Abends sei "The Irishman" von Martin Scorsese, mit zehn Nominierungen und null Oscars sei der Film abgewatscht worden. "Es ist eben immer noch ein großes Thema, ob ein Film von Streamingsdiensten wie Netflix produziert wurde oder 'normales' Kino ist", so Tegeler. Der Fall zeige aber auch, dass die Oscarverleihung einige Überraschungen parat hatte.

Der "Spielverderber" des Abends sei Joaquin Phoenix gewesen, der den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Rolle als "Joker" gewonnen hat. Er habe sich in seiner Dankesrede als Veganer bekannt und die versammelte Gemeinde mit den Konsequenzen der Fleisch- und Milchproduktion konfrontiert. Damit habe er die gute Laune und die Feierstimmung etwas gestört - er sei eben ein Spielverderber und ein grandioser Schauspieler, meinte Hartwig Tegeler.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk