Mittwoch, 29. Juni 2022

Archiv

André Hahn
"Täve Schur gehört unbedingt in die Hall of Fame"

Heuchlerisch - so findet André Hahn die Kritik an der Nominierung von DDR-Radsportlegende Täve Schur für die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports. "Man muss ja nicht alle seine Positionen teilen, aber bei westdeutschen Sportlern spielt das doch auch keine Rolle", sagte der sportpolitische Sprecher der Linksfraktion im DLF.

André Hahn im Gespräch mit Philipp May | 23.04.2017

André Hahn, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion am 15.10.2015 im Paul-Löbe-Haus in Berlin vor einer Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses in Berlin.
André Hahn, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion (dpa / picture-alliance / Kay NIetfeld)
Ginge es nach André Hahn, wäre Täve Schur schon in der virtuellen Hall of Fame des deutschen Sports: "Wenn wir wollen, dass es eine Hall of Fame gibt für den gesamtdeutschen Sport - dann gehört Täve Schur unbedingt da rein", sagte der sportpolitische Sprecher der Linksfraktion in der Sendung Sport am Sonntag. "Täve Schur war ein untadeliger Sportler, der für viele Generationen ein Vorbild war und immer noch ist", erklärte Hahn. "Seine sportlichen Leistungen in den 50er Jahren waren einfach Weltklasse."
Kritik von DDR-Dopingopfern
Die Nominierung der DDR-Radsportlegende für die Hall of Fame ruft Kritik unter anderem vom Doping-Opfer-Hilfe-Verein hervor: Täve Schur habe sich nicht ausreichend vom menschenverachtenden Staatsdoping in der DDR distanziert. Einige Betroffene fühlen sich von ihm und seinen Aussagen verhöhnt. Dass das DDR-Staatsdoping-System durch nichts zu entschuldigen sei, erklärte auch André Hahn. Ihn störe an der Debatte jedoch, dass westdeutsche Sportler vor ihrer Aufnahme in die Hall of Fame nicht nach ihren politischen oder sonstigen persönlichen Einstellungen befragt würden. Uli Hoeneß zum Beispiel sei Mitglied in der Hall of Fame des deutschen Sports - obwohl er wegen Steuerbetrugs im Gefängnis gesessen habe.
Das gesamte Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.