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Startseite@mediasresMedienkritik mit Ente04.02.2019

Andreas Scheuers PR-StrategieMedienkritik mit Ente

Manipulierte Abgaswerte, die Feinstaubbelastung und die Debatte um das Tempolimit bescherten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zuletzt viele Negativschlagzeilen. Der CSU-Politiker wehrt sich mit einem Video - das allerdings auf einer falschen Behauptung basiert.

Von Michael Borgers

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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hält eine gelbe Gummiente in die Höhe (Twitterkanal des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur/Screenshot)
Unter dem Hashtag #EntedesTages übte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in einem Video Medienkritik - und wurde dafür selbst kritisiert. (Twitterkanal des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur/Screenshot)
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"Und sie hat wieder zugeschlagen, die Ente des Tages." - Andreas Scheuer hat sichtlich Freude. In einem gut 50-sekündigen Video, das das Verkehrsministerium über seine Social-Media-Kanäle verbreitet, steht der Minister mit einer großen gelben Gummiente in seinen Händen und behauptet: "Meldungen in Nachrichtenagenturen lauten: Das Verkehrsministerium ist für eine Erhöhung der Spritpreise."

Das Problem: Dass mehrere Nachrichtenagenturen berichtet hätten, stimmt nicht. Nur eine Agentur, nämlich Reuters, hatte sich zuvor mit dem Thema auseinandergesetzt. Auch das Ministerium räumt ein, man beziehe sich auf diese eine Meldung. Warum man hier nicht genauer gewesen sei? Auf diese Nachfrage verweist die Pressestelle auf eine Tageszeitung, die die Meldung online übernommen habe.

Verkehrsministerium gibt 2,5 Millionen Euro für PR aus

Scheuer erweckt in seinem Video zudem den Eindruck, Reuters habe behauptet, es gebe aktuell Pläne für eine Erhöhung des Spritpreises. Doch auch das ist nicht richtig: "Verkehrsministerium rechnet mit Spritpreis von 2,10 Euro bis 2030." In der Meldung geht es um eine bereits länger bestehende Verkehrsprognose. Das Verkehrsministerium hatte laut Reuters gegenüber der Nachrichtenagentur bestätigt, dass diese Aussichten für die Entwicklung des Straßenverkehrs weiterhin aktuell seien. Doch Scheuer betont in seinem Video, erstellt worden sei diese Prognose, "von Gutachtern, also nicht von Mitarbeitern dieses Hauses, sondern von Gutachtern".

Die Mitarbeiter der Pressestelle Andreas Scheuers durften sich zuletzt über deutlich mehr Geld freuen: Der PR-Etat des Verkehrsministeriums ist dem NDR-Medienmagazin "Zapp" zufolge unter dem CSU-Politiker von einer auf zweieinhalb Millionen Euro gestiegen. Teil der Neuausrichtung ist ein so genannter Newsroom oder, wie es im Verkehrsministerium heißt: "Wir nennen es Neuigkeitenzimmer. Es steht für eine neue Art des Bürgerdialogs."

Neues Frageformat für Bürger

In diesem "Neuigkeitenzimmer" werden regelmäßig Videos produziert, Formate wie auch "Grill den Scheuer", wo der Minister Fragen von Bürgern beantwortet: "Ich sag mal danke, für die vielen, vielen Einsendungen in den letzten Stunden und Tagen. Und ich bin sehr froh, dass Ihr euch so beteiligt. Das Interesse ist sehr, sehr groß."

"Grill den Scheuer" fände ohne jede Zensur statt, betonte jüngst gegenüber "Zapp" Pressesprecher Wolfgang Ainetter, ehemals selbst Journalist. Jede gestellte Frage werde auch dem Minister vorgelegt: "Wir versuchen einfach, etwas aufzubauen, also eine neue Kultur: Dass die Leute direkt fragen können, dass sie einfach diese Barriere, nie an einen Politiker heranzukommen, das versuchen wir aufzubrechen."

Weniger direkte Informationen für Journalisten

Ein anderer Effekt dieser Form von Öffentlichkeitsarbeit ist aber auch: Politiker wie Andreas Scheuer sind immer weniger auf Journalisten angewiesen, wie Medienwissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw feststellte: "Einerseits kann es bedeuten, dass politische Akteure eben tatsächlich deswegen auch nicht mehr mit Journalisten reden. Weil sie ja wissen, sie können ihre Themen auch so platzieren. Das heißt, es wird für Journalisten eher schwieriger, Informationen direkt zu bekommen."

Mit der Rubrik "Ente des Tages" gehen Scheuer und sein PR-Team nun noch einen Schritt weiter: Der Politiker wird zum Medienkritiker. Allerdings: mit einer Premiere mit Fehlern und Ungenauigkeiten, die in den sozialen Netzwerken vor allem Spott und Häme provoziert hat.

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