Großbritannien
Andy Burnham ist neuer Labour-Chef und wird Premier

Der britische Politiker Andy Burnham ist neuer Vorsitzender der Labour-Partei. Er wird damit automatisch auch neuer Premierminister. Die Entscheidung über den Vorsitz fiel auf einem Sonderparteitag in London. Es gab keinen Gegenkandidaten.

    Burnham steht an einem Rednerpult, ballt die rechte Faust und spricht in ein Mikrofon. Auf einer roten Wand hinter ihm steht in weißer Schrift "Labour Leadership 2026"
    Burnham bei einer Rede auf dem Parteitag in London. (dpa / PA Images / Yui Mok)
    Burnham hatte sich zuvor die Unterstützung der großen Mehrheit der Labour-Abgeordneten gesichert. Der frühere Bürgermeister von Manchester tritt die Nachfolge von Premier Starmer an, denn in Großbritannien ist das Amt des Regierungschefs traditionell an den Vorsitz der Regierungspartei gekoppelt. Burnham wird der siebte britische Premier binnen zehn Jahren. Er soll am Montag von König Charles mit der Regierungsbildung beauftragt werden. Der scheidende Starmer behält noch bis zur Amtsübergabe formal seinen Posten als Regierungschef. Er hatte im Juni wegen fehlenden Rückhalts in seiner Partei den Rücktritt angekündigt.

    Hohe Umfragewerte für rechtspopulistische "Reform UK"

    Der Druck auf Starmer hatte sich in den vergangenen Wochen immer weiter erhöht. Hintergrund waren unter anderem schwere Verluste bei den Kommunal- und Regionalwahlen für die Labour-Partei. Gleichzeitig konnten separatistische Regionalparteien und die rechtspopulistische, von Brexit-Verfechter Nigel Farage ⁠geführte Partei "Reform UK" in der Wählergunst deutlich zulegen.

    Burnham: "Umverteilung von Macht"

    Burnham hatte erklärt, ⁠den Aufstieg von "Reform UK" stoppen zu wollen. Er versprach eine "unverhohlen sozialdemokratische" Regierung, die Menschen und Orte in den Mittelpunkt stelle. Kernpunkt seiner Agenda ist die "größte Umverteilung der ​Macht" von der Zentralregierung in London auf die Regionen des Landes. Damit will er Ungleichheit verringern und auf die Wut von "abgehängten Gemeinschaften" reagieren, die sich zunehmend ​anderen Kräften zugewandt haben. Er werde sich verpflichten, ein Premier "für den Norden und den Süden, für Schottland, für Wales und für Nordirland sowie für jede Kleinstadt und jede Großstadt in jeder Nation und Region dieses großen Landes" zu sein. Mit diesem Kurs gewann Burnham die Unterstützung der überwiegenden Mehrheit der Labour-Abgeordneten. Viele ‌von ihnen fürchteten bislang, bei der nächsten Parlamentswahl ihre Mandate etwa an "Reform UK" zu verlieren, die spätestens 2029 stattfinden muss.
    Als Bürgermeister von Manchester war der Ausbau des Nahverkehrs zu erschwinglichen Preisen einer der größten Erfolge Burnhams. Auch der Wohnungsbau und die Verbesserung der öffentlichen Gesundheitsversorgung zählen zu den Prioritäten des Brexit-Kritikers, der sich als Vertreter eines "wirtschaftsfreundlichen Sozialismus" versteht.
    Diese Nachricht wurde am 17.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.