Freitag, 16.11.2018
 
Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteHintergrundAnerkannt und geachtet11.02.2006

Anerkannt und geachtet

Über das neue Ansehen der deutschen Minderheit in Rumänien

Nicht einmal 20 Jahre ist es her, dass im Nordwesten Rumäniens noch 800.000 Deutsche lebten. Doch schon zu Zeiten des Kommunismus und vor allen Dingen nach dem Sturz des Diktators Ceaucescu verließen neun von zehn Siebenbürger Sachsen ihre Heimat und zogen nach Deutschland. Was ist aus den Deutschen geworden, die in Rumänien geblieben sind?

Von Alois Berger

Nur noch 60.000 Deutsche leben in Siebenbürgen, Rumänien (AP Archiv)
Nur noch 60.000 Deutsche leben in Siebenbürgen, Rumänien (AP Archiv)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

"Ich bin in einem Dorf mit vielen Deutschen aufgewachsen. Ich bin in einen deutschen Kindergarten gegangen. Meine Lehrerin war deutsch, wir haben alle Deutsch gesprochen. Aber 1990 sind die meisten Deutschen ausgewandert. Auch die Lehrerin ging nach Deutschland. Wir sind dann auch aus diesem Dorf weggezogen, in eine Stadt, wo es zwar eine deutsche Schule gibt, aber nur für die unteren Klassen. Ich habe seither nicht mehr Deutsch gesprochen und alles vergessen. "

Die Studentin Petruta Precup war nie in Deutschland. Da zieht es mich auch nicht hin, sagt sie. Sie ist Rumänin und stolz auf ihre Heimat, Deutschland interessiert sie nicht besonders. Trotzdem spürt die 22-jährige eine Sehnsucht nach allem, was deutsch ist. Die deutsche Umgebung, der deutsche Alltag, die deutsche Sprache, das alles fehlt ihr. "Wir waren rumänische Kinder, sagt sie, die deutsch gesprochen haben."

Petruta studiert Journalismus in der rumänischen Stadt Sibiu, die auf deutsch Hermannstadt heißt. Das Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, liegt nur ein paar Kilometer westlich. Heute sei das ein verlassener Ort, erzählt sie, ein Geisterdorf, das für die Studentin nichts mehr mit ihrer Kindheit zu tun hat.

"In unserem Dorf lebten 80 Prozent Deutsche. In Zeiten des Kommunismus durften sie nicht ausreisen und als die Grenzen schließlich geöffnet wurden, sind die alle nach Deutschland ausgewandert, zu ihren Familien oder einfach, um dort ein besseres Leben zu haben."

Nicht einmal 20 Jahre ist es her, dass im Nordwesten Rumäniens noch 800 000 Deutsche lebten. Siebenbürger Sachsen, die anders als ihr Name suggeriert, seit dem 12. Jahrhundert vor allem aus der Gegend um Luxemburg kamen. Der Exodus begann schon zu Zeiten des Kommunismus, als viele versuchten, das Land zu verlassen. Wer konnte, ging weg, und als dann nach dem Sturz des Diktators Ceaucescu plötzlich jeder reisen durfte, verließen neun von zehn Siebenbürger Sachsen ihre Heimat und zogen nach Deutschland. Nicht einmal jeder zehnte ist in Rumänien geblieben.

"Ich war zu der Zeit Physiklehrer an der Bruckenthalschule, und da haben wir in einem einzigen Schuljahr 91/92 die Hälfte der Schüler durch Abwanderung verloren. Das war nicht nur für die Schule eine Katastrophe, sondern auch für die Stadt und die Dörfer, wo die deutsche Minderheit zahlenmäßig wichtig war. "

Klaus Johannis erinnert sich nicht gerne an diese Zeit. Es sah fast so aus, als ob die neue Freiheit das Ende der Siebenbürger Sachsen in Rumänien bedeuten würde. Nicht nur die deutsche Gemeinschaft, die gesamte Region geriet aus dem Gleichgewicht.

"Die Deutschen waren Handwerker, Intellektuelle, Lehrer oder Beamte und die große Anzahl der Abgewanderten hat dazu geführt, dass eine ganze Reihe von Systemen fast destabilisiert wurden. Hauptsächlich die deutschen Schulen, aber auch im Bereich Handwerk. Im Baubereich war es in Hermannstadt Anfang der 90er Jahre fast nicht möglich, vernünftige Handwerker zu bekommen. Die waren schlicht und einfach weg. "

Doch inzwischen hat sich die Stimmung komplett verändert. Die Deutschen, die durchgehalten haben, die in Rumänien geblieben sind, wollen nicht mehr weg. Sie haben eine entscheidende Erfahrung gemacht, die sie nach all den düsteren Jahrzehnten des Kommunismus nicht für möglich gehalten hätten. Hans Klein ist Vorsitzender des Deutschen Forums, der politischen Vertretung der Rumänendeutschen .

"Wir hatten schon noch ein Tief. Aber wir haben erlebt, dass gerade damals, wie die meisten weg sind, Anfang der 90, wie uns die Rumänen gezeigt haben, dass sie uns wollen. Ich vergesse nie, wie ich eine Rede auf dem Marktplatz hielt am Tag der Revolution, genau ein Jahr danach, am 22. Dezember, wie die Leute, als ich angefangen habe zu reden, 5000 Leute im Chor gerufen haben: geht nicht weg. - Da habe ich gewusst, was ich zu tun habe. "

Der Platz vor dem Hermannstädter Rathaus bekommt ein neues Pflaster. Es wird viel renoviert in der Siebenbürger Stadt, die auf rumänisch Sibiu heißt. Die Häuser, die Straßen, die Plätze, Hermannstadt putzt sich heraus. In knapp zwei Jahren wird Sibiu europäische Kulturhauptstadt sein. Eine rumänische Stadt mit deutschem Gesicht. Und sie wird stärker deutsch geprägt sein als jemals zuvor.

180 000 Einwohner hat Hermannstadt, nach dem Exodus der Siebenbürger sind gerade noch ein Prozent der Bevölkerung Deutsche. Aber im Stadtrat haben die Deutschen eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Klaus Johannis erzählt gerne den Witz von den Rumänen, die sich auf dem Marktplatz von Hermannstadt treffen. "Wo sind all die Deutschen", fragt einer, "ich sehe keinen einzigen." - "Du weißt doch", sagt der andere, "es ist Stadtratssitzung."

Der 46 jährige Johannis ist seit fünf Jahren Bürgermeister von Hermannstadt. Er versucht zu erklären, warum auch die rumänischen Mitbürger ausgerechnet einen Deutschen zum Bürgermeister gewählt haben.

"Die massive Abwanderung der 90er Jahren hat dazu geführt, dass man festgestellt hat, dass etwas fehlt. Schön langsam aber sicher ist das Image der Deutschen von einem sehr negativen Image mutiert zu etwas, was meine Wahl in Hermannstadt möglich gemacht hat."

Die Siebenbürger Sachsen finden sich auf einmal in einer Situation wieder, die sie sich immer gewünscht haben. Sie werden nicht nur anerkannt und geachtet, man vertraut ihnen sogar die politischen Geschäfte an. Johannis ist überzeugt, dass viele Deutsche nicht ausgewandert wären, wenn sie den Umschwung geahnt hätten. Aber er warnt davor, das Vertrauen auszunutzen. Vor allem Politiker aus Deutschland fragten oft, ob Hermannstadt jetzt endlich wieder die alten deutschen Straßennamen bekommt.

"Das mit den Straßenschildern ist wie viele andere Dinge, die wir mit der deutschen Mehrheit durchbringen könnten, es aber absichtlich nicht ins Spiel bringen. Ich denke nicht, dass es gut ist, wenn wir mit der deutschen Mehrheit im Stadtrat deutsche Probleme disproportional stark angehen. Die Leute haben uns nicht gewählt, weil wir Deutsche sind. Sie haben uns gewählt, damit wird die Probleme der Stadt lösen. Wenn wir jetzt anfangen, die deutschen Probleme in der Stadt zu lösen, dann tun wir weder der Stadt noch uns etwas besonders Gutes. "

Trotz der deutschen Mehrheit im Stadtrat wird bei den Sitzungen selbstverständlich rumänisch gesprochen. Die Zurückhaltung kommt gut an. Im letzten Jahr haben die Rumänen den großen, blonden Deutschen Klaus Johannis mit fast 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Auch der neue Landrat ist Deutscher und als in Bukarest im vergangenen Frühjahr eine neue Regierung zusammen gestellt wurde, da rief Premierminister Calin Popescu-Tarceanu bei Johannis in Hermannstadt an, um ihm den Posten des Kultusministers anzubieten.

Klaus Johannis hat abgelehnt. Später vielleicht, hat er gesagt. Aber jetzt will er erst in Hermannstadt die Arbeit zu Ende bringen, die er angefangen hat. Er hat neue Wasserleitungen legen lassen, die Kanalisation und die Müllentsorgung auf EU-Standard gebracht. Und er hat viele Investoren nach Hermannstadt geholt, vor allem deutsche und österreichische Unternehmen. Tausende neuer Arbeitsplätze sind entstanden, die Arbeitslosigkeit ist von 12 auf 6 Prozent zurückgegangen.

Alles was deutsch ist, steht plötzlich hoch im Kurs. In den deutschen Kirchen oder im Haus der Deutschen Gemeinschaft treffen sich längst nicht mehr nur Deutsche, schwärmt Hans Klein vom Deutschen Forum. Selbst die deutschen Jugendgruppen werden inzwischen von Rumänen weiter geführt.

"Die nehmen die Kultur mit und sind zum Teil auch Träger unserer Kultur. Unser Jugendforum ist ja nun ganz offen und der Vorsitzende ist ein Rumäne. Sehr viele rumänische Mädchen und Jungen sind Mitglied in diesem deutschen Jugendforum in der Tanzgruppe, sie fahren bis nach Brüssel um dort zu singen und zu tanzen. "

Deutsch, das ist für viele so etwas wie das Tor zum Westen. Die Deutschkurse in Hermannstadt sind ausgebucht. Und die deutschen Schulen, denen in den 90ern die Kinder ausgingen, platzen aus allen Nähten, erzählt Hans Klein:

"Wir könnten mehr deutsche Klassen haben, obwohl die Zahl der rumänischen Kinder insgesamt zurück geht. Die Anfrage ist sehr groß. Wir machen soviele Klassen, wie wir Lehrer haben, aber wir haben nicht genug. "

Mehr als 2000 Schüler sind wieder an den deutschen Schulen eingeschrieben. Die meisten kommen aus rumänischen Familien, deutsche Kinder sind fast die Ausnahme, erzählt Rosemarie Jonescu-Liehn, deren Töchter vor kurzem das Abitur gemacht haben.

"Meine Kinder haben beide ein deutsches Gymnaisum besucht. Sie waren aber innerhalb der Klasse eine Minderheit. Von 30 Schülern waren zwei oder drei deutsche Schüler. Aber das ist in Hermannstadt nichts Aufregendes mehr. Die deutschen Gymnasien werden hauptsächlich von Rumänen besucht. Weil diese Gymnasien einen sehr guten Ruf haben, wegen des Sprachdiploms, mit dem man in Deutschland studieren kann. Deswegen haben diese Schulen einen hohen Status und die rumänischen Eltern schicken eben gerne die Kinder auf diese deutschen Gymnasien. "

Rosemarie Ionescu-Liehn gehört zu der wachsenden Gruppe Rumäniendeutscher, die nach der Wende nach Rumänien zurückgekehrt sind. Sie ist in Hermannstadt aufgewachsen. Als sie 16 war, ist ihre Familie nach Deutschland gegangen. Sie hat in Deutschland Abitur gemacht, Medizin studiert und in Wiesbaden als Ärztin praktiziert. Auch ihr Mann, den sie in Deutschland geheiratet hat, kommt aus Hermannstadt. Aber er ist Rumäne und er bekam in Deutschland Heimweh nach Siebenbürgen. Vor sieben Jahren sind sie in ihre alte Heimat zurückgegangen.

"Es hat lange gedauert, bis wir diesen Entschluss gefasst haben, auch wegen den Kindern, weil ich nicht wusste, ob sich die Kinder hier eingewöhnen würden. Aber das war dann das leichteste. Die Kinder haben sich sehr gut eingelebt. Ich habe lange gebraucht, bis ich beruflich Fuß fassen konnte. Weil mein Universitätsdiplom nicht anerkannt wurde, ich habe eine lange bürokratische Tour durchmachen müssen, mehrere Male nach Bukarest zum Unterrichtsministerium fahren, bis mein Diplom anerkannt wurde. Danach musste ich noch eine Zeitlang kämpfen, um einen Vertrag mit der hiesigen staatlichen Krankenkasse zu erhalten um eine Hausarztpraxis aufmachen zu können. "

Sie hat es nicht bereut, versichert sie. Als Ärztin verdient sie zwar nur ein Zehntel von dem, was sie in Deutschland bekam. Aber das Leben ist in Rumänien auch billiger. Vor allem aber fühlt sie sich rundum zu hause, sagt sie.

Die Familie Ionescu-Liehn ist nicht die einzige, die in den letzten Jahren zurückgekehrt ist nach Hermannstadt. Es gibt einige Beispiele. Ein Trend ist das noch nicht, aber es könnte einer werden. Viele ausgewanderte Siebenbürger machen regelmäßig Urlaub in der Heimat. Und erleben eine Aufbruchstimmung, die ansteckt.

"Es macht Spaß, weil hier immer etwas passiert. Das Land entwickelt sich so rasend schnell, dass man oft auch verwundert ist, wie schnell sich alles ändert, meistens zum Guten und das macht Freude. "

Als Ärztin erlebt sie auch die Schattenseiten des Landes. Die tiefe Armut, vor allem bei vielen alten Menschen. Und die Korruption. Die Leute sind gewohnt, dass sie für alles und jedes noch etwas drauflegen müssen. Ihre Patienten sind erstaunt, erzählt Ionescu-Liehn, wenn sie das Geld zurückweist. Ich werde von der Krankenkasse bezahlt, sagt sie dann. Aber das Gefühl, dass man nur gegen Schmiergeld richtig behandelt werde, das Gefühl sitze eben tief.

Doch auch das ändert sich. Der Bürgermeister von Herrmanstadt glaubt, dass die Deutschen da einiges bewirken können.

"Das mit den kleinen oder größeren Geschenken ist erwiesener Maßen ein großes Problem, das geben auch die rumänischen Politiker zu. Das heißt Korruption. Damit kann man zurecht kommen, wenn man einfach nicht mitspielt. Ich habe da nie mitgespielt und ich lasse auch meine Kolleginnen und Kollegen nie mitmachen. und denke, dass zumindest die Stadtverwaltung von Hermannstadt eine praktisch korruptionsfreie Zone ist, was beweist, dass es auch in Rumänien funktionieren kann. "

Die evangelische Kirche an der Piata Grivita war schon immer kultureller Mittelpunkt der deutsch-sprachigen Gemeinde. Rund um diese Kirche zeigt der rumänische Staat nun, dass ihm tatsächlich daran liegt, dass sich die Deutschen zuhause fühlen. In den nächsten Monaten soll die Kirchengemeinde die Häuser und Grundstücke zurückbekommen, die ihr vor über einem halben Jahrhundert weggenommen wurden.

Nach dem Krieg galten die Deutschen in Rumänien allesamt als Nazis. Viele wurden in die Sowjetunion deportiert, in Arbeitslager. Fast alle wurden enteignet. Doch nach dem Ende des Stalinismus wurden die Enteignungen weitgehend rückgängig gemacht. Nur die Kirchengüter, die hat der Staat bis heute behalten. Jetzt werden auch die zurückgegeben.

Eine systematische Vertreibung der Deutschen wie in der Tschechoslowakei, in Polen und Ungarn gab es in Rumänien nie. Deshalb ist auch nie ein vergleichbarer gegenseitiger Hass entstanden. Die rumänische Bevölkerung hat die Deutschen nach und nach wieder als Mitbürger akzeptiert, sagt Hans Klein, und die Deutschen haben das gerne angenommen. Das merke man vor allem bei Fußball-Länderspielen, wenn Deutschland gegen Rumänien spielt:

"Wir halten mit unseren Leuten, mit den Rumänien. Und das ist eigentlich selbstverständlich. Kulturell und wissenschaftlich fühlen wir uns mit unserem Mutterland, mit Deutschland verbunden. Aber wir halten mit unseren Leuten, wir fühlen uns hier zu hause und wollen das beste für dieses Land machen. "

Im nächsten Jahr wird Rumänien aller Voraussicht nach der EU beitreten. Der politische und wirtschaftliche Anschluss an Mitteleuropa wirkt sich auch auf die Siebenbürger Gemeinden aus. Deutsche und österreichische Investoren, die nach Rumänien gehen, lassen sich natürlich lieber dort nieder, wo deutsch gesprochen wird. Sie bringen deutsche Ingeneure und Manager mit. Und viele junge Rumänen lernen Deutsch, um davon zu profitieren.

Obwohl die Siebenbürger Sachsen in Rumänien immer weniger werden, breitet sich die deutsche Kultur in Rumänien eher noch aus. Doch es ist eine andere Kultur, die da kommt. Es ist die Kultur der globalen Arbeitsnomaden, die für ein paar Jahre nach Rumänien gehen, ohne eine Beziehung zum Land und ohne das Bedürfnis, sich auf die Bevölkerung einzulassen.

Hans Klein, der Vorsitzende des deutschen Forums, hat damit kein Problem. Jeder ist willkommen sagt er. Trotzdem hofft er, dass auch wieder mehr Deutsche zurückkommen, die in Siebenbürgen aufgewachsen sind und die sich engagieren wollen.

"Wir brauchen viele, einfach darum, weil wir Aufgaben wahrnehmen dürfen, die wir in Zeiten der Diktatur nicht übernehmen durften und die jetzt unsere Kräfte überfordern. Manche von uns haben drei, vier Ehrenämter. Es können noch viele kommen. "

Die Siebenbürger Sachsen blicken wieder nach vorne. Dabei ist es gerade ein paar Jahre her, dass sie sich selbst schon fast aufgegeben hatten. Bürgermeister Klaus Johannis über die Zukunft der Deutschen in Rumänien:

"Ich denke, wir haben unsere Rolle noch nicht ausgespielt. Negativisten sagen, wir sind zu wenige und wir altern auch noch. Das ist tatsächlich festzustellen. Aber als wir das Land vor 850 Jahren kolonisiert haben, waren wir auch nicht mehr als wir jetzt sind und das hat 850 Jahre lang gehalten. Es ist schwer einzuschätzen, wie eine solche Minderheit ihre Rolle weiterspielt, man hat keine Erfahrungsdaten. Eine Minderheit, die einmal fast eine Million ausmachte und als sie am kleinsten wurde, ihre größte politische Rolle bekommen hat. Es ist anzunehmen, dass wir irgendwann verschwinden. ob in 10 oder in 100 Jahren? Ich hoffe in 100. "

Die Deutschen in Rumänien: Vielleicht liegt ihre künftige Rolle ganz einfach darin, das gegenseitige Verständnis in Europa zu fördern. Welche Deutschen haben mehr Ahnung von Rumänien und welche Rumänen haben mehr Ahnung von Deutschland als die Siebenbürger Sachsen? Und kaum einer kann Vorurteile über die anderen so schön zerpflücken wie der Bürgermeister von Hermannstadt:

"Zu den deutschen Tugenden: Ich glaube nicht, dass ein Deutscher a priori fleißiger ist, so wie ich nicht glaube, dass ein Rumäne ein besserer Dichter ist als ein Engländer und solche Sachen. "

Trotzdem - das räumt auch Klaus Johannis ein - glauben viele Rumänen, dass die Deutschen genauer arbeiten und besser organisieren können. Auch deshalb haben sie die Deutschen ja in alle möglichen Ämter gewählt. Dass es in ganz Siebenbürgen nur noch 60 000 Deutsche gibt, hat die Sache sicher einfacher gemacht: Man muss keine Angst mehr haben, dass sie irgendwelche Ansprüche stellen oder gar übermächtig werden.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk