Montag, 03. Oktober 2022

Angriffe und Razzien
Türkei beginnt ihren Kampf gegen den IS

Die Türkei geht an mehreren Fronten gegen die Terrormiliz Islamischer Staat vor. Die Regierung ließ Ziele des IS in Syrien angreifen und erlaubte zugleich den USA, einen Stützpunkt nahe der türkisch-syrischen Grenze für den Kampf gegen die Dschihadisten zu nutzen. In Istanbul wurden 5000 Polizisten für eine Anti-Terror-Razzia mobilisiert. Die Maßnahmen gelten als Reaktion auf die jüngsten Anschläge in der Türkei.

24.07.2015

    Ein Kampfflugzeug der türkischen Luftwaffe vom Typ F-16 während eines Manövers
    Ein Kampfflugzeug der türkischen Luftwaffe vom Typ F-16 (imago / Eibner)
    Vier Kampfjets vom Typ F-16 hätten Raketen auf drei IS-Ziele im syrischen Dorf Havar abgeschossen, sagte Regierungschef Ahmet Davutoglu. Bei den Angriffen am frühen Freitagmorgen seien Stellungen der Extremisten zerstört worden. Nach Angaben der privaten Nachrichtenagentur Dogan wurden an einem der drei Ziele bis zu 35 Extremisten getötet. Havar liegt gegenüber der türkischen Grenzprovinz Kilis. Die Kampfjets hätten von der Luftwaffenbasis Diyarbakir abgehoben und den syrischen Luftraum nicht verletzt, hieß es.
    Razzien in Istanbul
    Etwa 90 Prozent aller Aufklärungsflugzeuge und Drohnen wurden dem Militär zufolge an die Grenze verlegt. 20.000 Soldaten sind im Einsatz. Nähere Details wurden zunächst nicht bekanntgegeben. "Die türkische Republik ist entschlossen, alle nötigen Maßnahmen zur nationalen Sicherheit zu ergreifen", hieß es in einer Mitteilung Davutoglus.
    In Istanbul nahmen am Freitag 5000 Polizisten an einer Razzia gegen den IS teil, die sich zugleich gegen andere als terroristisch eingestufte Gruppen wie die Kurdische Arbeiterpartei PKK und die verbotene linksextremistische Gruppe DHKP-C richtete, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Neben Istanbul fanden auch in zwölf Provinzen Anti-Terror-Einsätze statt. Nach Angaben der Regierung gab es dabei 250 Festnahmen.
    Umdenken nach Anschlägen
    Sowohl im In- als auch im Ausland wurde der Türkei bislang eine zu passive Haltung im Kampf gegen den IS vorgeworfen. In den vergangenen Tagen war die Türkei allerdings zum Ziel mutmaßlicher IS-Terrorangriffe geworden. Am Montag tötete ein Selbstmordattentäter 32 Menschen in der Grenzstadt Suruç. Für die Tat machte Ankara die IS-Miliz verantwortlich.
    Am Donnerstag wurde ein türkischer Soldat bei Gefechten an der Grenze von Syrien aus erschossen. Das türkische Militär schoss zurück und tötete dabei mindestens einen IS-Kämpfer. Beides dürfte ein Grund für das Umdenken sein.
    Türkei erlaubt USA Nutzung des Stützpunktes Incirlik
    Nach langem Zögern erlaubt die Türkei zudem nun dem Nato-Partner USA, den strategisch wichtigen Stützpunkt Incirlik für Luftangriffe auf den IS zu nutzen. Die "New York Times" berichtete, Präsident Barack Obama habe sich mit dem türkischen Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan in einem Telefonat auf die Nutzung Incirliks verständigt. Von türkischer Seite gab es dazu noch keine offizielle Stellungnahme.
    Die Basis liegt in der Nähe der südosttürkischen Stadt Adana, etwa gut 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Von Incirlik aus könnten die USA nicht nur mit Flugzeugen, sondern auch mit Kampfhubschraubern im Norden Syriens eingreifen. Die Basis liegt außerdem näher an der nordirakischen Grenze als Stützpunkte in den Golfstaaten, von denen aus die Allianz Angriffe gegen IS-Stellungen fliegt, um den Vormarsch der sunnitischen Extremisten zu stoppen. Laut "New York Times" gilt die neue Nutzungsvereinbarung auch für die osttürkische Kurdenmetropole Diyarbakir.
    (nch/lob/tj)