
Er kenne viele Menschen, die Psychotherapie in Anspruch nähmen und davon profitiert hätten, sagte ein Hörer des Deutschlandfunks. Er sei sehr besorgt, dass das neue Gesetz die psychotherapeutische Versorgung einschränken wolle. Bereits jetzt warteten viele Absolventen auf die Finanzierung ihrer Weiterbildung, um den Beruf ausüben zu können.
Aktionsbündnis kritisiert geplante Budgetierung
Ähnlich äußern sich Fachleute
. Psychotherapie sei eine der wirkungsvollsten medizinischen Maßnahmen, teilte das Aktionsbündnis Psychotherapie diese Woche mit. Jeder Euro, der in ambulante Psychotherapie gesteckt werde, führe hinten heraus zu einem Gewinn für die Gesellschaft von 1,5 bis 5,5 Euro, rechnete das mitverantwortliche Mitglied Charleen Henn in Düsseldorf vor. Denn die ambulante Psychotherapie verhindere Folgekosten wie etwa Krankschreibung, Frühverrentung oder abgebrochene Schulausbildung. Henn nannte es "schmerzhaft", Patienten, die eine Behandlung bräuchten, keinen Therapieplatz anbieten zu können. Was zurzeit als "angemessene Versorgung" gelte, stamme aus dem Jahr 1999. Nordrhein-Westfalen hat laut dem Aktionsbündnis etwa 5.600 Kassensitze, die fast 650.000 Patienten betreuten. Doch allein in NRW gebe es etwa 4,5 Millionen Menschen mit einer psychischen Störung.
Durch die im sogenannten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz anvisierte Budgetierung der Psychotherapie werden laut dem Aktionsbündnis nur noch eine gewisse Anzahl an Sitzungen tatsächlich bezahlt. Unklar sei, wie viel, aber der Beginn stehe mit 2027 fest, führte Henns Kollegin Ronja Nippert aus. Zudem habe die Bundesregierung einen Paragrafen gestrichen, der bisher eine Mindestvergütung geregelt habe. Das Angebot für Privatversicherte würde dadurch zwangsläufig "besser" damit die Praxen sich finanzieren könnten. Wartezeiten für gesetzlich Versicherte könnten hingegen auf 1,5 Jahre steigen. Dadurch werde die Ungerechtigkeit in diesem System weiter verstärkt.
Große Unsicherheit bei Psychotherapeuten
Eine Befragung des Aktionsbündnisses unter 6.000 Psychotherapeuten habe ergeben, dass ein Drittel darüber nachdenke, den Kassensitz abzugeben, hieß es weiter. 40 Prozent seien unsicher und nur 30 Prozent wollten auf jeden Fall weitermachen. Mehr als die Hälfte würde aufgrund der unsicheren finanziellen Lage kein Personal mehr einstellen oder bereits entlassen. Zurzeit sei etwa ein Drittel der Psychotherapeuten über 60.
Bedarf steigt
Der Bedarf an Psychotherapie steigt laut Nippert, weil Menschen eher bereit sind, Hilfe zu suchen und auch die Zahl der Erkrankungen zunimmt. Ursachen seien etwa die Corona-Pandemie, besonders bei Kindern und Jugendlichen, "massive Zukunftsunsicherheit" und damit verbunden Armut, Klimawandel und Rechtsruck.
Der Sprecher des Aktionsbündnisses, Mark Alcock, verwies zudem auf das Problem des fehlenden Nachwuchses. Denn unabhängig von der aktuellen Reform gebe es zurzeit keine ausreichende Finanzierung. Motivierte Studenten könnten somit nach ihrem Studium keine Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten angehen.
Kürzung der Entgelte nach Gerichtsentscheidung vorläufig ausgesetzt
Mit Blick auf den im März dieses Jahres getroffenen Beschluss des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, die Entgelte für ambulante Psychotherapien ab 1. April um 4,5 Prozent zu kürzen, gibt es laut Alcock eine vorläufige Aussetzung. Die Kassenärztliche Vereinigung habe diese vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg erst einmal erstritten. Die Kürzung werde nun im Hauptsacheverfahren überprüft. Es bleibe daher unklar, ob sie umgesetzt werde oder nicht.
Diese Nachricht wurde am 24.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
