Samstag, 26.09.2020
 
Seit 13:30 Uhr Eine Welt
StartseiteStreitkulturBrauchen wir Vorfahrt für den Radverkehr?22.08.2020

Anika Meenken vs. Michael HaberlandBrauchen wir Vorfahrt für den Radverkehr?

Radfahren boomt: Wegen der Ansteckungsgefahr in Bus und Bahn durch Corona sind viele Menschen auf das Fahrrad umgestiegen. Die Verkehrsplaner haben vielerorts reagiert – und teilweise dem Radverkehr zeitlich befristet den Vorzug gegeben. Ein Modell für die Zukunft?

Moderation: Stefan Römermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein neuer Fahrradweg am Kottbusser Damm in Berlin-Kreuzberg: Auf einem gelben Piktogramm ist ein Fahrrad abgebildet. (Deutschlandradio / Ernst-Ludwig von Aster)
Corona macht es möglich: Spontan haben viele Städte zeitweise neue Fahrradwege markiert (Deutschlandradio / Ernst-Ludwig von Aster)
Mehr zum Thema

Radwege und Spielstraßen in Berlin Coronakrise als Beschleuniger der Verkehrswende

Verkehrswende in Hannover Mit dem Fahrrad auf die Überholspur

Stadtentwicklung Wie die Corona-Pandemie unsere Städte verändert

Der Radverkehr hat in den vergangenen Monaten kräftig zugenommen: Statt sich in volle Busse und U-Bahnen zu zwängen, nutzen viele Menschen lieber das Fahrrad. In vielen Städten wurden daraufhin spontan zusätzliche, zeitlich befristete Radwege gebaut: Einzelne Autospuren wurden dafür in sogenannte Pop-Up-Radwege verwandelt. Neues Futter für den schon länger schwelenden Streit um die Umverteilung von Straßen und Wegen. Soll dem Radverkehr zukünftig mehr Raum gegeben werden?


Anika Meenken, Sprecherin des Verkehrsclubs Deutschlands, fährt mit dem Fahrrad durch eine von Bäumen gesäumte Straße und lächelt in die Kamera. (VCD / Katja Täubert)Anika Meenken, Sprecherin des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD / Katja Täubert)Pro: Anika Meenken, Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD), Sprecherin für Radverkehr und Mobilitätsbildung

"Wir brauchen jetzt Vorfahrt für das Fahrrad. In den letzten Jahrzehnten hatte nur das Auto Vorfahrt, das Fahrrad hat hier echten Nachholbedarf. Denn die sogenannte 'autogerechte Stadt' ist ungerechte Stadt, ungerecht für alle anderen. Dabei geht es uns aber nicht um Verbote, sondern um echte Alternativen – damit jeder gut und sicher ohne Automobil leben kann. Für das Fahrrad spricht, dass es ein gerechtes Verkehrsmittel ist: Jeder kann es sich leisten, jeder kann es fahren – man braucht keinen Führerschein. Es verursacht auch keine Emissionen – also CO2, Stickoxide oder Lärm. Es verbraucht wenig Platz in der Stadt – und es ist auch noch gesund."


Michael Haberland bei einer Pro-Diesel-Demonstration in München (picture alliance/ZUMA Press / Sachelle Babbar)Michael Haberland, Präsident Mobil in Deutschland e.V. (picture alliance/ZUMA Press / Sachelle Babbar)Contra: Dr. Michael Haberland, Präsident Mobil in Deutschland e.V.

"Gerade in den Städten wurde in den vergangenen Jahren praktisch nichts für die Autofahrer getan. Sie bezahlen am meisten für den Verkehr – bekommen aber immer weniger Leistung dafür. Das Resultat sind verstopfte Städte, viel Stau, Ärger Aggression. Ein Gegeneinander und nicht mehr Miteinander. Und ich finde, diesen Knoten müssen wir unbedingt auflösen. Angesetzt aber bei der Priorität der Verkehrsträger. Also: Welche Verkehrsmittel nutzen die Menschen? Und das ist immer noch vor allem das Auto. Gemessen an den Personenkilometern liegt das Auto dabei beispielsweise in München ganz weit vorne. Erst danach kommen Busse und Bahnen – und dann mit deutlichem Abstand das Fahrrad."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk