Nettoinvestitionsquote
Anlagen und Infrastruktur verschleißen schneller als sie modernisiert werden

In Deutschland wird weiterhin zu wenig in neue Anlagen und Infrastruktur investiert. Nach Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums und des Statistischen Bundesamts lag die Nettoanlageninvestitionsquote 2025 bei minus 0,23 Prozent. Das bedeutet, dass die Abschreibungen auf alte Maschinen, Gebäude und Infrastruktur höher waren als die Investitionen in neue. Dabei werden private und öffentliche Investitionen zusammengerechnet.

    Panorama des Thyssenkrupp Steel Stahlwerk in Duisburg-Bruckhausen, vorne das gasbefeuerte Kraftwerk Hamborn, grüne Fassade des Kesselhaus Block5, Mitte die Hochöfen 8 und 9.
    Das deutsche Geschäftsmodell ist mehrfach unter Druck und muss sich verändern. (picture alliance / Jochen Tack / Jochen Tack)
    Abgefragt und ausgewertet wurden die Daten vom Abgeordneten der Partei Die Linke, Cem Ince. Er kritisierte insbesondere den Staat: "Deutschland fährt auf Verschleiß. Marode Schulen, kaputte Straßen, eine Infrastruktur im Niedergang. Was viele Menschen längst im Alltag spüren, belegen auch die Zahlen. In unserem Land wird seit Jahren zu wenig investiert." Ince forderte deshalb erneut eine Investitionsoffensive sowie zu ihrer Finanzierung eine Vermögensteuer.
    Bereits in den vergangenen Jahren waren die Investitionen deutlich zurückgegangen. Im ersten Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung von 1991 bis 1999 betrug die Nettoanlageninvestitionsquote noch 7,31 Prozent. Im Zeitraum von 2000 bis 2009 waren es nur noch 2,88 Prozent. Zwischen 2010 und 2019 lag die Quote dann bei 2,29 Prozent. Von 2020 bis 2025 waren es durchschnittlich 1,02 Prozent.

    Institut der Deutschen Wirtschaft: Unternehmen fehlt Zuversicht

    Auch das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) beobachtet die anhaltende Investitionsschwäche mit Sorge. Insbesondere beim Bau sei im vergangenen Jahr eine Reduzierung der Investitionen bemerkbar gewesen, teilte IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt mit. Auch aus dem Sondervermögen seien bisher keine Gelder genutzt wurden, um dagegen vorzugehen.
    Den Zahlen zufolge stammten zudem mehr als 80 Prozent der Investitionen aus dem Privatsektor, und auch dort fehle angesichts der konjunkturellen Lage die Zuversicht, sagte Bardt. Es sei fraglich, ob verstärkte öffentliche Investitionen aus dem Sondervermögen eine echte Dynamik in der Privatwirtschaft auslösen könnten, fügte Bardt hinzu. Ihm zufolge sind die Unternehmen nicht optimistisch. "Wer jetzt investiert, der kümmert sich um reine Ersatzinvestitionen."
    Diese Nachricht wurde am 24.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.