Moderner FünfkampfErmittlungen gegen Annika Schleu und Kim Raisner eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat die Ermittlungen gegen Annika Schleu und ihre Trainerin Kim Raisner eingestellt. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Damit ist die juristische Nachwirkung der Vorfälle im Modernen Fünfkampf bei den Olympischen Spielen von Tokio beendet.

Von Andrea Schültke | 11.01.2022

Das Pferd Saint Boy von Annika Schleu aus Deutschland verweigert den Sprung.
Das Pferd Saint Boy von Annika Schleu aus Deutschland verweigert den Sprung. (dpa-Bildfunk / Marijan Murat)
Als Grund für die Einstellung des Verfahrens nannte die Staatsanwaltschaft "dass die Beschuldigten auf das Reitpferd nur kurzfristig eingewirkt haben und sich in einer physischen und psychischen Ausnahmesituation des olympischen Wettkampfs befanden." Außerdem sei das Pferd nicht verletzt worden.

Empörung über den Umgang mit dem Pferd

Nach Fechten und Schwimmen hatte Annika Schleu hatte auf Goldkurs gelegen. Beim Springreiten wollte das ihr zugeloste Pferd nicht in den Parcours. Unter Einsatz von Sporen und Gerte versuchte die Reiterin das verängstigte Tier über die Hindernisse zu bekommen.  Zusätzlich animiert von der Bundestrainerin mit umstrittenen Zurufen und einem Faustschlag gegen das Pferd. All das live im Fernsehen übertragen. Es folgte eine Welle der Empörung.
Der Deutsche Tierschutzbund hatte Anzeige erstattet, sowohl der Reiterin als auch ihrer Trainerin Tierquälerei vorgeworfen und die Ermittlungen angestoßen.

Tierschutzbund sieht Vorwurf der Tierquälerei "nicht widerlegt"

Für die Tierschutzorganisation ist der Vorwurf der Tierquälerei mit der Einstellung der Ermittlungen "nicht widerlegt". Es sei aber in erster Linie darum gegangen, "eine gesellschaftliche Diskussion über den Umgang mit Pferden im Wettkampfsport anzustoßen", teilte der Tierschutzbund dem Sportinformationsdienst mit. Mit oder ohne Anzeige - die öffentliche Debatte war heftig. Die Medien berichteten intensiv.
Auch das habe "ausreichend" auf die Beschuldigten eingewirkt, so die Staatsanwaltschaft Potsdam in ihrer Pressemitteilung zur Einstellung der Ermittlungen. Außerdem bestehe "keine Wiederholungsgefahr", da das Reiten zukünftig nicht mehr Bestandteil des modernen Fünfkampfes ist.
Auch als Reaktion auf die Vorfälle von Tokio hatte der Weltverband angekündigt, das Reiten durch eine andere Disziplin zu ersetzen. Juristisch betrachtet gelten Schleu und Raisner laut ihrer Anwälte weiterhin als unschuldig. Beide werden einen geringen Betrag an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.