Donnerstag, 30. Juni 2022

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Anschub für Elektroautos

Mehr staatliche Hilfe ist notwendig, um das Ziel von rund einer Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 zu erreichen. Zu diesem Schluss kommen die Experten der Nationalen Plattform Elektromobilität, die Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren abschließenden Bericht übergeben haben. Ein Hauptproblem bleibt die Batterietechnik

Melanie Grundei im Gespräch mit Georg Ehring | 16.05.2011

Georg Ehring: Hinten aus dem Auspuff kommt gar nichts. Wie klimafreundlich ein Elektroauto ist, das hängt davon ab, wie klimafreundlich der Strom dafür hergestellt wird. Und da die Energieversorgung weg kommen soll von fossilen Brennstoffen wie der Kohle, könnten Autos mit Stromantrieb eine gute Idee sein. Doch in der Praxis ist die Sache längst nicht so einfach: Die Batterien reichen noch nicht so weit wie erforderlich und das Tanken dauert viel zu lange. Trotzdem setzt die Bundesregierung auf das Strom getriebene Auto. Die nationale Plattform Elektromobilität hat heute ihren Bericht mit Lösungsvorschlägen übergeben. Melanie Grundei in Berlin, wie sieht die Strategie für die elektromobile Gesellschaft aus?

Melanie Grundei: Nachdem die Bundesregierung wiederholt vor einem Subventionswettlauf beim Elektroauto in Europa gewarnt hat, will sie nun mehr Forschungsgelder und Steuererleichterungen gewähren. Und gerade hat die nationale Plattform Elektromobilität Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren abschließenden Bericht übergeben. Das Expertengremium setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Politik, der Industrie, der Wissenschaft, der Kommunen sowie der Verbraucher zusammen. Und sie kommen in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass noch erhebliche Anstrengungen und mehr staatliche Hilfe notwendig seien, um das Ziel von rund einer Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 zu erreichen. Dieses Ziel hatte die Bundeskanzlerin am Wochenende erneut in ihrem Video-Podcast bekräftigt:

"Wir wollen, dass Deutschland der Leitmarkt und der Leitanbieter für Elektromobilität wird. Das wird nicht ganz einfach sein, denn auf der Welt gibt es eine Vielzahl von Konkurrenten, gerade auch im asiatischen Bereich. Aber wir glauben, dass wir anknüpfen können an die herausragenden Fähigkeiten unserer Hersteller im Bereich des Automobilbaus."

Grundei: Bisher gibt es bei rund 42 Millionen angemeldeten Fahrzeugen nur rund 2.300 Elektroautos. Die Industrie befürchtet, dass ohne staatliche Anreize bis 2020 nur rund 450.000 Elektroautos auf deutschen Straßen rollen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird sich nach dem Treffen mit den Experten, das derzeit stattfindet, vor der Presse äußern, doch nach Medieninformationen plant das Kabinett ein Regierungsprogramm Elektromobilität. Danach soll die Forschung vor allem bei der Batterietechnik bis 2013 mit einer Milliarde Euro zusätzlich gefördert werden. Denn ein Hauptproblem - Sie hatten es bereits angesprochen - bleibt die Batterietechnik und auch die bisher fehlende Ladeinfrastruktur. Bisher gibt es keine ausreichende Reichweite der Batterie, so dass das Elektroauto in seiner jetzigen Form eher als Zweitauto für die Stadt geeignet wäre. Die Autoindustrie fordert eine Anschubfinanzierung der noch als teuer geltenden E-Autos. Auch der Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat im ZDF-Morgenmagazin erneut dafür geworben, Käufer von Elektroautos finanziell zu unterstützen. Man brauche ein Marktanreizprogramm, wie beispielsweise in Frankreich oder China:

"Das hieße, wir würden 5.000 Euro geben für jeden, der ein solches Fahrzeug erwirbt. Das würden wir einsparen an einer anderen Leiter. Wir haben nämlich in Deutschland ein Dienstwagenprivileg, das subventioniert große Geländewagen mit bis zu 20.000 Euro."

Grundei: Solche Prämien sehen die Pläne der Bundesregierung aber offenbar nicht vor. Derzeit sind ausschließlich reine Elektro-PKW für fünf Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. In Zukunft sollen nach den Plänen der Regierung alle bis zum 31. Dezember 2015 erstmals zugelassene PKW, Nutzfahrzeuge und Leichtfahrzeuge, die rein elektrisch angetrieben werden oder einen CO2-Ausstoß von unter 50 Gramm pro Kilometer nachweisen, für zehn Jahre von der Steuer befreit werden. Die Dienstwagenbesteuerung soll so geändert werden, dass E-Autos bei der Anschaffung nicht weniger attraktiv sind als herkömmliche Wagen. Im Straßenverkehr sind neben Sonderparkflächen auch Lockerungen von Zufahrtsverboten geplant. Zudem sollen Kommunen die Mitbenutzung von Busspuren erlauben können. Auch Sonderfahrspuren für Elektroautos sollen möglich sein. Wer ein Elektroauto als Zweitwagen nutzt, soll mit einem Nummernschild auskommen können. Dann wäre für nur ein Fahrzeug Versicherungsprämie fällig. Und auch die Bundesregierung selbst will für ihren Fuhrpark sicherstellen, dass zehn Prozent der insgesamt neu angeschafften oder neu angemieteten Fahrzeuge einen Emissionswert von weniger als 50 Gramm Kohlendioxid einhalten. Und mit diesen Informationen zurück nach Köln.

Ehring: Melanie Grundei berichtete über die Strategie für die Einführung des Elektroautos. Herzlichen Dank.